Gin & Tonic

Burleighs London Dry Gin & Fentimans Tonic Water (4/5)

4/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Burleighs London Dry Gin aus dem Charnwood Forest in Leicestershire und Fentimans Tonic Water verbindet ein gemeinsames Prinzip: beide Produkte setzen bewusst auf einen aufwendigeren, weniger neutralen Herstellungsweg. Burleighs wird seit 2014 in kleinen Batches im traditionellen Pot-Still-Verfahren destilliert, wobei fünf der insgesamt elf Botanicals – Silberbirke, Löwenzahn und Klette darunter – direkt aus dem nahegelegenen Burleigh Wood stammen, den Meisterdestillateur Jamie Baxter bei der Rezeptentwicklung selbst durchstreifte. Auf der Tonic-Seite verfolgt Fentimans mit seiner mehrtägig vergorenen, an ein Craft-Bier angelehnten Chinarinden-Rezeptur einen vergleichbar aufwendigen Anspruch, aus dem sich die kräftige, erdig-würzige Tonic-Basis dieser Kombination speist. Ähnlich wie beim Cotswolds Dry Gin, der ebenfalls im aktuellen Fentimans-Quartett vertreten ist, steht auch hier ein englischer Craft-Gin mit ausgeprägtem Herstellungskonzept einem ebenso konzeptstarken Tonic gegenüber – bei Burleighs kommt jedoch mit den wildgesammelten Wald-Botanicals eine erdig-krautige Note ins Spiel, die eine besonders naheliegende thematische Nähe zur Bitterkeit des Fentimans herstellt.

Warum diese Kombination funktioniert

Der eigentliche Schlüssel dieser Kombination liegt in der wurzelig-erdigen Bitterkeit von Löwenzahn und Klette, zwei Botanicals, die man sonst eher aus Kräuterbittern kennt als aus klassischen Gins. Genau diese Note trifft im Fentimans auf eine strukturell verwandte, wenn auch anders erzeugte Bitterkeit aus der fermentierten Chinarinden-Basis – zwei unterschiedliche Bitterquellen, die sich aber nicht gegenseitig verstärken, bis der Drink zu herb wird, sondern sich thematisch ergänzen und dem Gesamteindruck eine stimmige, waldig-erdige Richtung geben. Silberbirke steuert dazu eine feine, herbe Frische bei, die diese erdige Tiefe auflockert, während die Holunderbeere im Hintergrund für eine dezente fruchtige Note sorgt, die von der ebenfalls dezenten Süße des Tonics aufgenommen wird. Der klassische Wacholder und die Zitrusschale, die dem Burleighs trotz seiner ungewöhnlichen Wald-Botanicals ein solides London-Dry-Rückgrat verleihen, sorgen zudem dafür, dass die Kombination nicht zu eindimensional erdig gerät, sondern erkennbar als Gin & Tonic funktioniert und nicht wie ein reines Kräuterbitter-Getränk wirkt.

Verkostung der Kombination

In der Nase verbindet sich die erdig-fermentierte Tiefe des Fentimans mit den blättrig-grünen, leicht wurzeligen Anklängen der Wald-Botanicals des Burleighs, unterlegt von einer feinen Zitrusnote. Am Gaumen zeigt sich zunächst die trockene Wacholderfrische des Gins, bevor die wurzelig-erdige Bitterkeit von Löwenzahn und Klette mit der kräftigen Chinin-Bitterkeit des Tonics verschmilzt – ein Zusammenspiel, das eher warm-erdig als spritzig-frisch wirkt, da nennenswerte Säure bei dieser Kombination kaum eine Rolle spielt. Die Süße bleibt durchgehend sehr zurückhaltend, tatsächlich die dezenteste innerhalb des aktuellen Fentimans-Quartetts, wodurch die bittere, waldig-erdige Seite des Drinks besonders deutlich hervortritt. Silberbirke und ein Hauch Holunderbeere setzen im Mittelteil einen helleren Akzent, bevor im Abgang die erdige Bitterkeit beider Zutaten gemeinsam noch lange nachklingt – ein charaktervolles, unverkennbar herbes Finish.

Serviervorschlag

Die geballte Bitterkeit aus Gin und Tonic verlangt nach reichlich verdünnender Kühlung, weshalb sich ein großes Ballonglas mit viel Eis empfiehlt. Bei einem Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic) bleibt genug Raum für die feineren Wald-Botanicals, ohne dass die Bitterkeit überhandnimmt – wer es milder mag, kann das Verhältnis leicht zugunsten des Gins verschieben, um die Zitrus- und Wacholdernoten stärker hervortreten zu lassen. Als Garnitur passt, wie auf der Burleighs-Produktseite selbst vorgeschlagen, ein Rosmarinzweig oder eine Zitronenzeste besonders gut; beides unterstreicht die krautig-frische Seite des Gins, ohne der ohnehin schon erdigen Bitterkeit weitere Tiefe hinzuzufügen. Von süßen oder fruchtigen Garnituren sollte eher abgesehen werden, da sie im überwiegend herben Gesamtbild der Kombination keinen echten Bezugspunkt finden.

Einordnung & Vergleich

Innerhalb der englischen Craft-Gin-Szene teilt sich Burleighs sein Grundprinzip – die unmittelbare Umgebung der Destillerie als Botanical-Quelle zu nutzen – mit Gins wie Silent Pool Gin und dem The Botanist Islay Dry Gin, die ebenfalls stark auf regionales Foraging setzen. Anders als bei Silent Pool, dessen florale Honignote im gleichen Fentimans-Quartett für einen deutlich süßeren, blumigeren Kontrast sorgt, bleibt Burleighs mit seiner wurzelig-erdigen Bitterkeit klar auf der herben Seite des Spektrums – ein direkter Beleg dafür, wie unterschiedlich „Terroir-Gin" klingen kann, je nachdem, welche Botanicals eine Region hergibt. Auch gegenüber dem Cotswolds Dry Gin im selben Quartett zeigt sich ein klarer Unterschied: Während der Cotswolds seine Fülle aus einer Malzdestillat-Basis bezieht, kommt die Tiefe des Burleighs ausschließlich aus den Botanicals selbst. Wer die waldige Bitterkeit lieber etwas zurückhaltender erleben möchte, kann stattdessen zu den beiden Alternativen greifen, die Burleighs selbst auf der eigenen Produktseite nennt: dem milderen Fever-Tree Mediterranean Tonic Water oder dem frischeren Thomas Henry Tonic Water.

Fazit

4/5 Punkte. Eine konsequente, thematisch stimmige Kombination für alle, die erdig-krautige Bitterkeit als eigenständiges Geschmackserlebnis schätzen: Die wurzelige Note von Löwenzahn und Klette findet im fermentierten Fentimans einen strukturell verwandten Partner, statt sich mit ihm zu duellieren. Am besten geeignet für kühlere Jahreszeiten oder als Alternative zum klassisch-spritzigen Sommer-Gin-Tonic. Wer helle, zitrusfrische Drinks bevorzugt, sollte eher zu einer der milderen, vom Hersteller selbst empfohlenen Tonic-Alternativen greifen.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance4/5
Komplexität4/5
Säure/Frische2/5
Süße1/5