Die Kombination im Überblick
London No. 1 Original Blue Gin und Schweppes Indian Tonic Water verbinden zwei sehr unterschiedliche Formen von Tradition. Der London No. 1 wird von Master Distiller Charles Maxwell bei Thames Distillers hergestellt und ist durch die Mazeration mit Gardenienblüten sowie eine abschließende Bergamotte-Infusion türkis-blau gefärbt – ein rein botanisches, ganz ohne künstliche Farbstoffe auskommendes Verfahren, das den Gin optisch von jedem anderen London Dry Gin abhebt. Geschmacklich bleibt er dabei fest in der klassischen Tradition verankert: Wacholder, Koriander und Angelikawurzel bilden das Grundgerüst, ergänzt um Kassia, Zimt, Mandel und die für Farbe wie Aroma verantwortlichen Bergamotte- und Gardenien-Noten. Das Schweppes Indian Tonic Water wiederum steht für genau jene unveränderte, seit den 1870er-Jahren bewährte Rezeptur, auf der der Gin & Tonic als Ritual britischer Kolonialbeamter überhaupt erst entstand. Die eigene Produktseite des London No. 1 empfiehlt ein klassisches Tonic Water wie Schweppes ausdrücklich, damit die blumig-würzige Ingwer- und Wacholdernote trotz der auffälligen Optik erkennbar bleibt – hier trifft also ein Gin, der sich über seine Farbe und florale Komplexität definiert, bewusst auf einen geschmacklich zurückhaltenden Klassiker.
Warum diese Kombination funktioniert
Der London No. 1 ist von allen drei Schweppes-Kombinationen dieses Batches der botanisch vielschichtigste: Neben Wacholder, Koriander und Angelikawurzel bringt er mit Kassia, Zimt und der ingwerartigen Schärfe eine warme Würze mit, während Bergamotte und Gardenienblüten für eine parfümiert-florale Note sorgen, wie man sie sonst eher aus Earl-Grey-Tee kennt. Diese Fülle an unterschiedlichen Aromen braucht ein Tonic, das nicht selbst noch zusätzliche botanische Ebenen einbringt, sondern als neutrale Bühne fungiert – genau das liefert das Schweppes mit seiner klaren, auf Bitterkeit, Süße und Kohlensäure reduzierten Rezeptur. Die kräftige Chinin-Bitterkeit gibt der weichen, floralen Gin-Seite Struktur, während die spürbare Süße des Tonics mit der ohnehin schon vorhandenen warmen Würze von Zimt und Kassia harmoniert, statt einen Fremdkörper zu bilden. Anders als bei einem herberen, säurebetonten Craft-Tonic besteht so kaum die Gefahr, dass die empfindlichen Blütenaromen von Gardenie und Bergamotte durch zu viel Säure oder Bitterkeit verdeckt werden.
Verkostung der Kombination
In der Nase zeigt sich der Drink intensiv blumig-parfümiert: Gardenien- und Fliedertöne stehen im Vordergrund, unterlegt von einer würzigen Zimt-Ingwer-Note und dezentem Wacholder. Am Gaumen entfaltet sich eine warme, würzig-blumige Komplexität – die ingwerartige Schärfe des Gins trifft auf die kräftige Bitterkeit des Tonics, während Mandel und Süßholzwurzel gemeinsam mit der Süße des Schweppes für eine runde, fast leicht süßliche Gesamtwirkung sorgen. Eine ausgeprägte, frische Säure ist hier nicht zu erwarten, die dezente Zitrus- und Bergamottenote bleibt eher im Hintergrund verankert, statt spritzig hervorzutreten. Der Abgang ist lang, würzig-ingwerhaft und klingt blumig-balsamisch mit Orangenschale aus – die Gardenien-Note hallt dabei bemerkenswert lange nach und bleibt auch stark verdünnt noch klar erkennbar, was für die botanische Konzentration des Gins spricht.
Serviervorschlag
Auch hier gilt: großes Ballonglas, reichlich Eis, ein Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic). Bei der auffälligen blauen Farbe des London No. 1 lohnt sich zusätzlich ein Glas mit möglichst klarer, dünner Wandung, damit die Farbe im Longdrink voll zur Geltung kommt – ein Aspekt, der bei den meisten anderen Kombinationen im Katalog keine Rolle spielt. Als Garnitur empfiehlt sich eine Zitronenzeste, die die vorhandenen Zitrusnoten von Bergamotte und Orangenschale unterstreicht, ohne die floralen Haupttöne zu überlagern. Von blumigen Garnituren wie Lavendel- oder Rosenblüten sollte dagegen eher abgesehen werden, da der Gin mit Gardenie und Bergamotte bereits selbst genug blumige Intensität mitbringt und eine zusätzliche florale Note die Balance eher kippen als stützen würde.
Einordnung & Vergleich
Innerhalb der Schweppes-Kombinationen dieses Batches markiert der London No. 1 den botanisch komplexesten Gegenpol zu Tanqueray London Dry Gin & Schweppes Indian Tonic Water, das mit nur vier Botanicals bewusst auf Reduktion setzt: Während Tanqueray zeigt, wie viel Charakter sich aus wenigen, konzentrierten Zutaten gewinnen lässt, demonstriert der London No. 1, dass dasselbe Tonic auch eine deutlich vielschichtigere, florale Botanical-Palette tragen kann, ohne dass eine einzelne Note die Oberhand gewinnt. Gegenüber Gordon's London Dry Gin & Schweppes Indian Tonic Water – dem geradlinigsten Schweppes-Klassiker im Katalog – wird der Unterschied noch deutlicher: Wo Gordon's rein auf Wacholder setzt, bringt der London No. 1 mit seiner Gardenien-Bergamotte-Kombination eine fast parfümartige Dimension ein, die es unter den Schweppes-Paarungen sonst nicht gibt. Wer die blaue Farbe und die florale Aromatik gezielt sucht, findet im London No. 1 damit die ungewöhnlichste Wahl innerhalb dieser Tonic-Familie.
Fazit
4/5 Punkte. Eine Kombination, die durch ihre auffällige Optik und die parfümiert-florale Komplexität aus dem Rahmen der übrigen Schweppes-Paarungen fällt, ohne dabei geschmacklich beliebig zu wirken. Das klassische Tonic gibt dem vielschichtigen Gin genau den neutralen Rahmen, den seine empfindlichen Blütenaromen brauchen. Empfehlenswert für alle, die neben dem Geschmack auch die Inszenierung eines Drinks schätzen und einen würzig-blumigen, ingwerartigen Gin & Tonic abseits des klassischen, rein wacholderbetonten Standards suchen. Wer dagegen einen unauffälligen, schlicht trockenen Gin & Tonic bevorzugt, sollte eher zu einer der geradlinigeren Schweppes-Kombinationen im Katalog greifen.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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