Gin & Tonic

Old Raj Dry Gin & 1724 Tonic Water (4/5)

4/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Old Raj Dry Gin aus der schottischen Traditionsabfüllerei William Cadenhead's und das 1724 Tonic Water treffen aufeinander, weil das 1724 auf der eigenen Produktseite des Old Raj als Empfehlung genannt wird. Der Old Raj ist ein Gin mit einem sehr eigenwilligen Alleinstellungsmerkmal: Safranfäden werden ihm erst nach der Destillation zugesetzt, da das empfindliche Gewürz die Hitze des Brennvorgangs nicht verträgt – das Ergebnis ist eine blassgoldene Farbe und eine feine, erdig-blumige Würze, die den Old Raj seit den 1970er-Jahren zum Kult-Gin unter Kennern gemacht hat. Das 1724 wiederum wurde von den Machern des Gin Mare entwickelt und setzt bewusst auf Zurückhaltung: handgeerntete Chinarinde aus 1724 Metern Höhe im peruanischen Hochland, Quellwasser aus Patagonien und eine feine Mandarinennote, verbunden mit spürbar weniger Süße als bei den meisten Massenmarken-Tonics. Diese Kombination bringt damit einen der zurückhaltendsten Gins des Katalogs mit einem der zurückhaltendsten Tonics zusammen – ein Pairing, das ganz auf Feinheit statt auf Wucht setzt.

Warum diese Kombination funktioniert

Die Safrannote des Old Raj ist subtil und lässt sich leicht von einem zu kräftigen Tonic überdecken – genau hier liegt die Stärke des 1724. Weil das Tonic selbst kaum eigene Kräuter- oder Bitterspitzen mitbringt (die Produktseite weist es als besonders trocken und zurückhaltend aus), bleibt der Safran-, Eukalyptus- und Ingwer-Charakter des Old Raj klar erkennbar, statt in einer dominanten Chinin-Bitterkeit unterzugehen. Die dezente Mandarinennote des 1724 trifft zudem auf die Grapefruit- und Orangenanklänge, die im Old Raj neben der Safranwürze mitschwingen, und rundet sie sanft ab, ohne eine eigene, konkurrierende Fruchtnote einzuführen. Wichtig ist dabei, dass der Old Raj trotz seiner Zurückhaltung ein einziges, klar konturiertes Signature-Aroma besitzt – anders als bei Gins mit einer Vielzahl unterschiedlicher, lauter Gewürze bleibt dem 1724 hier eine überschaubare Aufgabe: nur ein zentrales Aroma freizustellen, statt mehrere gleichzeitig zu bändigen.

Verkostung der Kombination

In der Nase zeigt sich der Drink blumig-würzig, mit einer klar erkennbaren Safrannote, unterlegt von Eukalyptus und einem Hauch kandiertem Ingwer. Am Gaumen entfaltet sich eine feine Balance aus Safran- und Wacholderwürze mit einer spürbaren, aber nicht dominanten Zitrusfrische, die vor allem von der Grapefruit- und Orangenseite des Old Raj kommt – die eher zurückhaltende Süße des 1724 tritt dabei bewusst in den Hintergrund und wirkt eher stützend als eigenständig. Der Abgang ist würzig-zitrusartig und auffallend erfrischend, fast mentholartig, ein Effekt, der dem Old Raj eigen ist und durch das trockene Tonic nicht verwässert wird. Insgesamt bleibt die Kombination fein austariert, ohne dabei aufregend intensiv zu werden – eher ein leiser, komplexer Digestif-Ersatz als ein lauter Sommerdrink.

Serviervorschlag

Ein großes Ballonglas mit reichlich Eis sorgt dafür, dass sich die feinen Safran- und Zitrusnoten langsam entfalten können, ohne durch zu schnelle Verdünnung an Kontur zu verlieren. Empfehlenswert ist ein eher großzügiges Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic), da beide Komponenten zurückhaltend genug sind, um sich nicht gegenseitig zu überdecken. Als Garnitur passt eine dünne Mandarinen- oder Orangenzeste gut zur fruchtigen Grundnote des 1724 und unterstreicht gleichzeitig die Zitrusseite des Old Raj. Von kräftigen Kräutergarnituren wie Rosmarin sollte eher abgesehen werden, da sie die feine Safrannote des Gins überlagern und das austarierte Gleichgewicht der Kombination stören würden.

Einordnung & Vergleich

Wie zurückhaltende Tonics wie das 1724 auf würzige Gins reagieren, zeigt der direkte Vergleich zur bereits vorgestellten Kombination Opihr London Dry Gin & 1724 Tonic Water: Dort trifft das gleiche Tonic auf einen Gin mit einer ganzen Batterie lauter Gewürze – Kubebenpfeffer, Kardamom, Kreuzkümmel und Tellicherry-Pfeffer –, die ohne kräftige Gegenbitterkeit schnell die Oberhand gewinnen und die Kombination dort auf lediglich 3/5 Punkte bringen. Beim Old Raj funktioniert dasselbe zurückhaltende Tonic-Prinzip deutlich besser, weil der Gin nur ein einziges, klar abgegrenztes Signature-Gewürz statt einer ganzen Gewürzpalette mitbringt – das 1724 muss hier also nicht mehrere konkurrierende Aromen gleichzeitig bändigen, sondern kann sich darauf konzentrieren, dem Safran Raum zu geben. Der eigentliche, vom Hersteller intendierte Partner des 1724 bleibt freilich der Gin Mare, für dessen mediterrane Kräuter- und Olivenwelt das Tonic ursprünglich entwickelt wurde – im Vergleich dazu wirkt die Kombination mit dem Old Raj eigenständiger und exotischer, weil hier ein völlig anderes botanisches Profil im Zentrum steht.

Fazit

4/5 Punkte. Eine elegante, fein austarierte Kombination für alle, die den Old Raj wegen seiner ungewöhnlichen Safrannote schätzen und diese möglichst unverfälscht erleben möchten. Das zurückhaltende 1724 erweist sich dabei als klug gewählter Partner, der dem einzigartigen Signature-Aroma des Gins Raum lässt, statt es zu übertönen. Wer dagegen einen spritzigeren, bitterer-frischeren Gin & Tonic bevorzugt, wird die Kombination eher unterwältigend finden – für ruhige Verkostungsmomente und Liebhaber komplexer, leiser Gins ist sie dagegen eine der interessanteren Paarungen im Katalog.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance4/5
Komplexität4/5
Säure/Frische3/5
Süße2/5