Die Kombination im Überblick
Ferdinand's Saar Dry Gin ist innerhalb der deutschen Craft-Gin-Szene ein Sonderfall: Nach der Destillation von über 30 Botanicals wird ihm ein kleiner Anteil Riesling aus der Einzellage Saarburger Rausch des VDP-Weinguts Forstmeister Geltz-Zilliken zugesetzt, wodurch er seine florale, mineralisch-weinige Note erhält. Goldberg & Sons Tonic Water verfolgt einen fast gegensätzlichen Ansatz: eine seit 1903 auf reiner Chinin-Bitterkeit aufbauende, bewusst zurückhaltend gesüßte Rezeptur ohne verspielte Zusatzaromen. Zusammengestellt wurde diese Kombination, weil ein derart fein gebauter, wein-floraler Gin ein Tonic braucht, das seine eigene Handschrift nicht mit zusätzlicher Süße oder Frucht überlagert – die trockene, unaufgeregte Klarheit des Goldberg bietet genau diesen neutralen Rahmen, in dem die Riesling-Note des Ferdinand's ungestört zur Geltung kommt.
Warum diese Kombination funktioniert
Der Ferdinand's bezieht seine Eigenständigkeit nicht aus kräftigem Wacholder, sondern aus dieser Riesling-Assemblage, die dem Gin eine mineralisch-weinige Frucht und florale Tiefe verleiht, getragen von Botanicals wie Lavendel, Schlehen und Hagebutten. Ein zu süßes Tonic würde diese fein eingebundene Riesling-Note schnell überdecken und den Gin in Richtung Fruchtlikör kippen lassen. Das Goldberg begegnet dem mit seiner betont zurückhaltenden Süße und einer klaren, aber nicht aufdringlichen Chinin-Bitterkeit, die der floralen Weinnote genügend Kontur gibt, ohne sie zu übertönen. Allerdings zeigt sich hier auch die Grenze dieser Paarung: Die trockene, vergleichsweise bestimmte Bitterkeit des Goldberg tritt etwas prägnanter auf als das sehr milde, auf der eigenen Produktseite des Gins empfohlene Aqua Monaco Tonic Water, sodass die samtige Weichheit, die den puren Ferdinand's auszeichnet, im Glas etwas zurücktritt zugunsten eines klassischeren, herberen Gin-Tonic-Charakters.
Verkostung der Kombination
In der Nase verbindet sich die florale, leicht mineralische Riesling-Note des Ferdinand's mit der dezenten Zitrusfrische des Goldberg, ergänzt um zarte Lavendelanklänge. Am Gaumen zeigt sich der Drink komplex und vielschichtig: Blumige und grüne Aromen des Gins treffen auf die trockene, mäßig herbe Bitterkeit des Tonics, während die weinige Süße des Rieslings für eine spürbare, aber nie aufdringliche fruchtig-mineralische Säure sorgt, die den Gesamteindruck angenehm auflockert. Die insgesamt zurückhaltende Süße beider Komponenten lässt den Drink trocken und elegant wirken, statt in Richtung süßlicher Weinschorle zu kippen. Im Abgang bleibt die florale Riesling-Note noch lange präsent, begleitet von einem sanften, chininbetonten Bitterton, der für einen erwachsenen, nicht zu leichten Ausklang sorgt.
Serviervorschlag
Ein großes Ballonglas mit reichlich Eis ist auch hier empfehlenswert, damit sich die feinen floralen und mineralischen Nuancen langsam entfalten können, statt vom Alkohol überdeckt zu werden. Ein Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic) balanciert die zarte Riesling-Note gut gegen die Bitterkeit des Goldberg aus. Als Garnitur passt eine Orangenzeste, die die fruchtige Seite des Gins unterstreicht, alternativ auch ein Zweig frischer Thymian, der die kräuterige Tiefe der Botanicals aufgreift – auf kräftige, süße Garnituren wie Beeren sollte verzichtet werden, da sie die ohnehin schon präsente Weinfrucht zusätzlich verstärken und die Balance kippen lassen würden.
Einordnung & Vergleich
Innerhalb des eigenen Portfolios ist der Ferdinand's Saar bereits seit Längerem mit dem Dr. Polidori's Dry Tonic Water verkostet worden – ebenfalls aus dem Haus Capulet und Montague und damit die "hauseigene" Paarung. Im direkten Vergleich zeigt sich der Unterschied deutlich: Dr. Polidori's Dry Tonic bringt kaum eigene Bitterkeit mit und lässt den Ferdinand's dadurch noch weicher und samtiger wirken, während das Goldberg mit seiner klareren Chinin-Note für mehr Struktur und einen klassischeren Gin-Tonic-Charakter sorgt. Wer den Ferdinand's lieber in seiner ganzen floralen Weichheit erleben möchte, ist mit Dr. Polidori's oder dem auf der Produktseite empfohlenen Aqua Monaco besser bedient; wer dagegen einen etwas herberen, trockeneren Gin & Tonic mit spürbarer Bitterstruktur bevorzugt, findet im Goldberg die passendere Wahl. Innerhalb dieses Batches unterscheidet sich der Ferdinand's zudem deutlich vom fruchtig-blumigen 315 Upstairs Heidelberg Dry Gin: Während der Ferdinand's seine Eigenständigkeit aus der Weinbau-Tradition der Saar bezieht, setzt der 315 Upstairs auf Beerenfrucht und Bergamotte aus reiner Craft-Mazeration.
Fazit
4/5 Punkte. Eine gelungene, aber nicht ganz perfekte Kombination: Das Goldberg gibt dem floral-weinigen Ferdinand's genug Struktur, um nicht beliebig zu wirken, tritt dabei aber etwas bestimmter auf, als es die von der Destillerie selbst empfohlenen, milderen Tonics tun würden. Wer den Ferdinand's ohnehin lieber etwas trockener und klassischer mag, wird mit dieser Paarung sehr zufrieden sein; wer die samtige Weichheit des puren Gins möglichst unverändert im Glas wiederfinden möchte, sollte eher zu Aqua Monaco oder Dr. Polidori's greifen.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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