Rum

Rum-Kategorien: Weißer, Goldener und Dunkler Rum sowie Rhum Agricole

RumRum Wissen

Kaum eine Spirituose kennt so viele Kategorien und Bezeichnungen wie Rum – und kaum eine wird dabei so oft missverstanden. Anders als bei Whisky gibt es keine international einheitliche Gesetzgebung, die genau festlegt, was in der Flasche sein muss, wenn "weißer", "goldener" oder "dunkler" Rum draufsteht. Farbe und Bezeichnung sagen daher oft weniger über Qualität und Reifung aus, als man vermuten würde. Wer Rum wirklich verstehen will, sollte deshalb nicht nur auf die Farbe schauen, sondern auf das Ausgangsmaterial und das Herstellungsverfahren.

1. Weißer Rum (auch Silberner Rum)
Weißer Rum wird meist in Column Stills (kontinuierlichen Brennanlagen) destilliert und nur kurz oder gar nicht im Holzfass gereift – oft nur wenige Monate im gebrauchten, neutralen Fass, gefolgt von einer Filtration, die die Farbe entfernt. Er zeichnet sich durch einen klaren, oft leicht süßlichen und neutralen Charakter aus und ist die klassische Basis für Cocktails wie den Daiquiri oder Mojito. Wichtig: Auch mancher weißer Rum wurde durchaus im Fass gereift und anschließend gefiltert – "weiß" bedeutet also nicht zwangsläufig "unreif".

2. Goldener Rum
Goldener Rum hat in der Regel eine kurze bis mittlere Fassreifung durchlaufen, typischerweise zwischen einem und mehreren Jahren. Die goldgelbe bis bernsteinfarbene Tönung stammt meist aus dem Kontakt mit Eichenholz, kann in manchen Fällen aber auch durch Zugabe von Zuckercouleur nachgeholfen werden – eine in vielen Erzeugerländern legale Praxis, die international immer wieder kritisch diskutiert wird. Goldener Rum bringt bereits mehr Röst- und Vanillenoten mit als weißer Rum, bleibt aber meist noch relativ leichtgewichtig.

3. Dunkler Rum (auch Schwarzer Rum)
Dunkler Rum ist entweder deutlich länger im Fass gereift oder erhält seine tiefe, fast schwarze Farbe durch die Zugabe von karamellisiertem Zucker beziehungsweise Melasse-Restsüße. Klassische dunkle Rums – etwa aus Jamaika oder Guyana – zeichnen sich durch kräftige Röst-, Melasse- und Gewürznoten aus und eignen sich hervorragend für Tiki-Cocktails wie den Mai Tai, in denen sie Tiefe und Würze liefern.

4. Gealterter Rum ("Aged Rum")
Unabhängig von der Farbbezeichnung gibt es die Kategorie der explizit gealterten Rums, bei denen ein Altersstatement (zum Beispiel "12 Jahre") auf der Flasche vermerkt ist. Hier gilt: In tropischen Erzeugerländern reift Rum durch die höheren Temperaturen und die stärkere Verdunstung ("Angels' Share") deutlich schneller als etwa Whisky in Schottland – ein zehnjähriger tropisch gereifter Rum kann geschmacklich bereits mit einem deutlich älteren, kontinental gereiften Whisky mithalten. Manche Marken lassen ihre Rums nach der Verschiffung zusätzlich in Europa nachreifen ("kontinentale Reifung"), was den Alterungsprozess wieder verlangsamt.

5. Rhum Agricole – der "landwirtschaftliche" Rum
Der weitaus größte Teil des weltweiten Rums wird aus Melasse hergestellt, dem zähflüssigen Nebenprodukt der Zuckerraffination. Rhum Agricole dagegen wird direkt aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft destilliert – ein aufwendigeres Verfahren, da der Saft schnell verderblich ist und daher unmittelbar nach der Ernte verarbeitet werden muss. Diese Herstellungsweise ist vor allem auf den französischen Antillen verbreitet, allen voran auf Martinique, wo Rhum Agricole seit 1996 sogar eine eigene, streng geregelte AOC (Appellation d'Origine Contrôlée) besitzt – vergleichbar mit den Herkunftsbezeichnungen bei Cognac oder Champagner. Die AOC schreibt unter anderem vor, dass ausschließlich Zuckerrohr aus 23 festgelegten Gemeinden verwendet werden darf, die Ernte nur zwischen Januar und August erfolgen darf und ausschließlich in kontinuierlichen Brennanlagen destilliert wird. Geschmacklich ist Rhum Agricole deutlich grasiger, frischer und vegetabiler als Melasse-Rum und gilt unter Kennern als besonders eigenständiger, "terroirgeprägter" Stil.

6. Spiced Rum
Eine kommerziell wichtige, aber genau genommen eigene Kategorie ist der Spiced Rum: goldener oder dunkler Rum, dem nach der Reifung Gewürze, Vanille, Karamell oder andere Aromen zugesetzt werden. Er ist meist deutlich süßer und würziger als klassischer Rum und richtet sich vor allem an Einsteiger sowie an die Cocktailbar, weniger an puristische Verkostung.

Fazit: Die Farbe eines Rums ist bestenfalls ein grober Anhaltspunkt, niemals aber ein verlässliches Qualitätsmerkmal. Wer wirklich verstehen möchte, was im Glas ist, sollte auf drei Dinge achten: das Ausgangsmaterial (Melasse oder Zuckerrohrsaft), die Brennmethode (Pot Still oder Column Still) sowie – sofern angegeben – das tatsächliche Reifealter und die Herkunft. Erst im Zusammenspiel dieser Faktoren entsteht der jeweils charakteristische Rum-Stil.

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