Gin & Tonic

The Duke Munich Dry Gin & Goldberg & Sons Tonic Water (5/5)

5/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

The Duke Munich Dry Gin verdankt seinen Charakter einer für Gin ungewöhnlichen Zutatenwahl: Statt allein auf Wacholder und Zitrus zu setzen, mischt die Aschheimer Destillerie Hopfenblüten und Malz unter die übrigen Botanicals und holt sich damit bewusst die Münchner Braukultur ins Glas. Goldberg & Sons Tonic Water stammt aus einer ganz anderen Tradition: Die Rezeptur geht auf den 1903 im nordindischen Shimla entwickelten Chinin-Sirup des Pharmazie-Unternehmers Jacob M. Goldberg zurück und wurde 2013 als bewusst zurückhaltend gesüßte, trockene Alternative zu den großen Massenmarken neu aufgelegt. Zusammengestellt wurde die Kombination, weil beide Marken für einen reduzierten, handwerklich begründeten Stil stehen, der aus unterschiedlichen Richtungen kommt – die eine aus der Braukunst, die andere aus einer über hundert Jahre alten Tonic-Rezeptur. Dass ausgerechnet ein Gin mit Bierhandwerk-Wurzeln auf ein Tonic trifft, dessen Trockenheit klassischen London Dry Gins zugutekommt, macht aus dieser Paarung mehr als nur eine Verortung "made in Germany".

Warum diese Kombination funktioniert

Der Duke tritt mit seiner Wacholdernote bewusst zurückhaltend auf und lässt stattdessen Hopfen und Malz im Abgang die Führung übernehmen: Hopfen bringt eine feine, blumig-herbe Bitterkeit, Malz eine brotig-süßliche Rundung. Ein süßeres Tonic würde diese fein austarierte Balance zwischen Bitterkeit und Malzsüße leicht verschieben und den charakteristischen Braukunst-Abgang zudecken. Genau hier zeigt das Goldberg seine Stärke: Mit spürbar weniger Zucker als klassische Massenmarken-Tonics und einer klaren, unaufdringlichen Chinin-Bitterkeit fügt es dem Drink eine zweite, eigenständige Bitterkomponente hinzu, die sich mit der Hopfennote des Duke zu einem stimmigen Ganzen verbindet, statt gegen sie zu arbeiten. Die feine Perlage des Goldberg trägt zusätzlich dazu bei, dass die malzige Süße nicht breit und schwer wirkt, sondern spritzig eingebunden bleibt – ein Zusammenspiel, das der eher weich und rund gebaute Duke braucht, um nicht zu harmlos zu wirken.

Verkostung der Kombination

In der Nase zeigt sich der Drink zunächst zurückhaltend wacholderig, mit einer dezenten Zitrusfrische, bevor sich darunter die charakteristische Hopfennote des Duke bemerkbar macht. Am Gaumen entsteht ein weiches, ausgewogenes Bild: Die milde Bittere des Tonics verbindet sich mit dem malzig-brotigen Unterton des Gins, während Lavendel- und Gewürzanklänge für zusätzliche, aber nie aufdringliche Tiefe sorgen. Von einer ausgeprägten Säure ist wenig zu spüren – weder der Duke noch das Goldberg setzen stark auf Zitrusschärfe, sodass der Drink insgesamt rund und mild bleibt, ohne dabei fad zu wirken. Im Abgang übernehmen dann Hopfen und die trockene Chinin-Note gemeinsam die Regie und sorgen für einen mittellangen, leicht bitter-malzigen Nachhall, der den Duke deutlich als das erkennen lässt, was er ist: ein Gin mit bayerischer Braukunst-Handschrift statt klassischer London-Dry-Schärfe.

Serviervorschlag

Serviert wird die Kombination am besten im großen Ballonglas mit reichlich Eis, damit die milde Süße nicht zu warm und breit wirkt. Ein Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic) lässt dem zurückhaltenden Duke genug Raum, ohne von der Bitterkeit des Goldberg überdeckt zu werden. Als Garnitur empfiehlt sich eine Zitronenzeste, ergänzt um einen kleinen Zweig Rosmarin, der die würzigen Gewürznoten des Gins unterstreicht – auf süße oder fruchtige Garnituren sollte dagegen verzichtet werden, da sie die fein ausbalancierte Malz-Hopfen-Bitterkeit-Achse eher stören als ergänzen würden.

Einordnung & Vergleich

Innerhalb der Goldberg-Familie zeigt sich, wie vielseitig die klassische, trockene Rezeptur ist: Mit klassischen London-Dry-Gins wie Tanqueray oder Broker's sorgt das Goldberg für einen geradlinigen, unaufgeregten Gin & Tonic, während es beim Duke eine völlig andere Rolle übernimmt: Hier tritt es als Bindeglied zwischen Hopfenbitterkeit und Chinin-Bitterkeit auf, statt lediglich als neutraler Träger einer klaren Wacholdernote zu fungieren. Wer die Malz-Hopfen-Seite des Duke noch stärker herausstellen möchte, kann stattdessen zum hauseigenen Tonic Water der Destillerie greifen, das seit 2021 im Sortiment ist und speziell auf die eigenen Gins abgestimmt wurde. Innerhalb dieses Batches lohnt sich zudem ein Vergleich zum Ferdinand's Saar Dry Gin: Beide Gins halten sich beim Wacholder bewusst zurück, doch während der Duke seine Eigenständigkeit aus der Braukultur bezieht, kommt sie beim Ferdinand's aus einer Riesling-Assemblage – zwei grundverschiedene Wege, wie deutsche Craft-Destillerien ihrem Gin ein unverwechselbares Profil geben.

Fazit

5/5 Punkte. Eine der stimmigsten Kombinationen im Programm, weil hier zwei reduzierte, aber jeweils sehr eigenständige Handwerkstraditionen aufeinandertreffen, statt sich nur gegenseitig zu neutralisieren. Die trockene, mäßig bittere Art des Goldberg gibt dem sonst eher weichen Duke genau die Struktur, die er braucht, um seine Hopfen-Malz-Signatur voll auszuspielen. Empfehlenswert für alle, die Gin & Tonic nicht nur über Wacholderschärfe definieren, sondern auch für ungewöhnliche, bierhandwerklich geprägte Aromen offen sind – und ein Paradebeispiel dafür, dass die interessantesten deutschen Kombinationen oft aus unterschiedlichen Handwerkstraditionen entstehen, nicht nur aus gemeinsamer Herkunft.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance5/5
Komplexität3/5
Säure/Frische2/5
Süße2/5