315 Upstairs Heidelberg Dry Gin & Goldberg & Sons Tonic Water (4/5)

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315 Upstairs Heidelberg Dry Gin & Goldberg & Sons Tonic Water (4/5)

4/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

315 Upstairs Heidelberg Dry Gin entstand 2016 als Studienprojekt von Alexander Völker und Christopher Wloka an der Fritz-Gabler-Hotelfachschule in Heidelberg und wird bis heute handwerklich in der Edelobstbrennerei Bauer "über den Dächern Heidelbergs" gebrannt. Der Name trägt eine doppelte Bedeutung: die 315 Treppenstufen, die von der Altstadt zum Heidelberger Schloss führen, sowie die beiden Hauptzutaten Heidelbeeren und Bergamotte, die im Wort "Heidelberg" selbst stecken und dem Gin seine ungewöhnlich fruchtig-blumige Note geben. Goldberg & Sons Tonic Water steht dem denkbar entgegengesetzt gegenüber: eine seit 2013 in Deutschland neu aufgelegte, bewusst trockene und wenig fruchtige Rezeptur mit klarer Chinin-Bitterkeit. Zusammengestellt wurde die Kombination genau wegen dieses Kontrasts – ein Gin, der sich stark über Frucht und Blüte definiert, trifft auf ein Tonic, das genau diese Eigenschaften bewusst zurückstellt, um dem 315 Upstairs den nötigen trockenen Rahmen zu geben, statt seine Fruchtigkeit weiter zu verdoppeln.

Warum diese Kombination funktioniert

Der 315 Upstairs ist für einen Dry Gin ungewöhnlich fruchtbetont: Reife Heidelbeeren aus dem Ortenaukreis ziehen 72 Stunden im fertigen Destillat, ergänzt um Bergamotte, Kaffernlimette, Zitronengras, Rosenblüten und Earl-Grey-Tee. Ein ebenfalls fruchtiges oder süßes Tonic würde dieses ohnehin schon dichte Aromenbild leicht überladen und zu einem einzigen, schwer zu entwirrenden Fruchteindruck verschmelzen lassen. Das Goldberg wirkt dem entgegen: Mit seiner geringen Eigensüße und kaum vorhandenen Fruchtnote schafft es einen neutralen, trockenen Untergrund, vor dem sich Heidelbeere, Bergamotte, Rose und die teeig-würzige Earl-Grey-Note deutlicher voneinander abgrenzen lassen. Die klare Chinin-Bitterkeit des Tonics setzt zudem ein Gegengewicht zur natürlichen Süße der Beerenfrucht, sodass der Drink insgesamt vielschichtig, aber nicht überzuckert wirkt – ein Effekt, den ein süßeres oder stärker aromatisiertes Tonic in dieser Form nicht liefern könnte.

Verkostung der Kombination

In der Nase treten Heidelbeere und Bergamotte zunächst deutlich hervor, getragen von der klaren Zitrusfrische des Tonics und einem feinen, teeigen Unterton. Am Gaumen zeigt sich der Drink saftig und vielschichtig: Die Beerenfrucht bleibt präsent, wird aber durch die trockene Bitterkeit des Goldberg eingehegt, während Rosenblüten und Kaffernlimette für zusätzliche florale und zitrische Facetten sorgen. Eine spürbare, wenn auch nicht dominante Säure aus Bergamotte und Kaffernlimette sorgt für Frische, ohne den Drink scharf wirken zu lassen. Die Süße bleibt moderat – präsent genug, um die Fruchtnote zu tragen, aber durch die Zurückhaltung des Tonics gut im Zaum gehalten. Im Abgang klingt der Earl-Grey-Tee-Ton noch nach, begleitet von einer sanft-bitteren Chinin-Note, die für einen angenehm trockenen, nicht zu süßen Ausklang sorgt.

Serviervorschlag

Auch hier eignet sich ein großes Ballonglas mit reichlich Eis, damit sich die dichte Aromenfülle langsam und nicht überwältigend entfaltet. Ein Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic) gibt der Frucht genug Raum, ohne dass sie den trockenen Rahmen des Tonics sprengt. Als Garnitur passen frische Heidelbeeren zusammen mit einer Bergamottezeste, die beide Signatur-Botanicals des Gins optisch wie aromatisch aufgreifen; ein Zweig Rosmarin oder Thymian würde dagegen mit der Earl-Grey-Note konkurrieren und wird deshalb nicht empfohlen.

Einordnung & Vergleich

Auf der eigenen Produktseite empfiehlt sich der 315 Upstairs eigentlich eher mit deutlich süßeren, milderen Tonics wie dem Fever-Tree Mediterranean Tonic Water oder dem floralen Thomas Henry Cherry Blossom Tonic, die die Rosen- und Beerennote zusätzlich verstärken. Das Goldberg schlägt bewusst die Gegenrichtung ein: Statt die Fruchtigkeit weiter aufzuladen, gibt es dem Gin mit seiner geringen Eigensüße und -fruchtigkeit einen trockeneren, strafferen Rahmen, in dem sich die einzelnen Botanicals klarer voneinander abgrenzen lassen, statt zu einem einzigen süßen Fruchteindruck zu verschmelzen. Wer den 315 Upstairs lieber möglichst rund und süffig erleben möchte, ist mit den hauseigenen Empfehlungen besser bedient; wer eine trockenere, etwas erwachsenere Interpretation sucht, profitiert von der Goldberg-Variante. Innerhalb dieses Batches steht der 315 Upstairs damit dem eher schlicht gehaltenen Unterholz Gin gegenüber: Beide Gins sind wacholderzurückhaltend und zugänglich, doch während der 315 Upstairs seine Vielschichtigkeit aus einer dichten Frucht-Blüten-Tee-Kombination bezieht, bleibt der Unterholz bewusst reduziert auf Kardamom, Zitrus und Zitronengras. Wer die Beeren-Signatur der Upstairs Gin Manufactory noch reiner erleben möchte, findet in der inzwischen erweiterten Produktpalette mit dem 315 Upstairs Heidelberg Rosé Gin und separaten Abfüllungen mit purer Heidelbeernote eine konsequente Fortsetzung desselben fruchtig-regionalen Ansatzes.

Fazit

4/5 Punkte. Eine interessante, kontrastreiche Kombination, bei der das trockene Goldberg die dichte Fruchtfülle des 315 Upstairs eher einhegt als verstärkt – wer den Gin lieber in seiner vollen, süßen Beeren-Blüten-Pracht erleben möchte, greift besser zu den hauseigenen Empfehlungen. Wer dagegen eine vielschichtige, aber trockener gehaltene Variante bevorzugt, bei der Bergamotte, Rose und Earl-Grey-Tee einzeln herausschmeckbar bleiben, findet in dieser Paarung eine überzeugende, weniger naheliegende Alternative.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance4/5
Komplexität4/5
Säure/Frische3/5
Süße3/5