Gin & Tonic

Bodensee Dry Gin & Thomas Henry Tonic Water (4/5)

4/5 Redaktionsbewertung
Gin & Tonic
Bodensee Dry Gin bei Amazon
Auf Amazon suchen
Werbung · Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen
Ansehen
Thomas Henry Tonic Water bei Amazon
Preis & Verfügbarkeit auf Amazon prüfen
Werbung · Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen
Ansehen

Die Kombination im Überblick

Bodensee Dry Gin von der Senft Destillerie und Thomas Henry Tonic Water treffen hier zwei sehr unterschiedliche Philosophien: einen Gin, der mit 42 Botanicals bewusst auf Fülle und Rundheit statt auf eine einzelne markante Note setzt, und ein Tonic, das sich mit seiner betont trockenen, chininbetonten Herbe konsequent zurückhält. Der Bodensee Dry Gin entsteht im badischen Salem-Rickenbach in einem seit 1983 bestehenden Familienbetrieb, der vor allem für seine breite Edelbrand-Palette bekannt ist, und wird auf Basis von Bio-Weizen aus einer außergewöhnlich umfangreichen Botanical-Rezeptur destilliert. Thomas Henry wiederum wurde 2010 in Berlin gemeinsam mit Bartendern entwickelt und positioniert sich seither als betont zurückhaltendes Tonic, das komplexen Gins möglichst wenig eigene Aromen entgegensetzen soll. Genau diese Zurückhaltung macht das Berliner Tonic zu einem naheliegenden Test dafür, ob ein Gin mit derart vielen Botanicals auch ohne unterstützende Fruchtaromen für sich selbst stehen kann.

Warum diese Kombination funktioniert

Der Bodensee Dry Gin zeigt sich pur angenehm weich und rund: Wacholder bildet zwar die Basis, tritt aber – wie bei einer derart hohen Botanical-Zahl typisch – hinter ein ineinander verwobenes Aromenbild aus krautigen, leicht würzigen und dezent zitrischen Facetten zurück, ohne dass eine einzelne Zutat dominiert. Genau hier entfaltet Thomas Henry seine Stärke: Mit kaum Süße, so gut wie keiner eigenen Fruchtnote und einer kräftigen, harzig-trockenen Chinin-Bitterkeit fügt es dem Drink keine zusätzliche, konkurrierende Aromaebene hinzu, die mit einem der 42 Botanicals in Konflikt geraten könnte. Stattdessen wirkt die Bitterkeit wie ein Gerüst, das dem sonst eher weichen, in sich geschlossenen Gin die Kontur gibt, die ihm pur mitunter fehlt. Ganz klassisch-wacholderbetont im Sinne eines London Dry ist der Bodensee Dry Gin damit zwar nicht – seine moderate, zurückhaltende Wacholdernote ordnet ihn eher als New Western Dry Gin ein –, doch die hohe Botanical-Dichte sorgt für genügend Struktur, um der Bitterkeit des Thomas Henry standzuhalten, statt von ihr überdeckt zu werden.

Verkostung der Kombination

In der Nase zeigt sich der Drink zunächst trocken-herb, mit der harzigen Chinin-Note des Tonics im Vordergrund und einer feinen, krautig-grünen Vielschichtigkeit im Hintergrund, die auf die zahlreichen Botanicals des Gins hindeutet. Am Gaumen bleibt die Säure insgesamt spürbar zurückhaltend – weder Gin noch Tonic bringen ausgeprägte Zitrusfrische mit –, dafür entfaltet sich eine bemerkenswert vielschichtige Würze, in der sich einzelne Aromen kaum benennen, aber als harmonisches Ganzes gut wahrnehmen lassen. Die Bitterkeit des Thomas Henry bleibt dabei klar präsent, ohne aufdringlich zu wirken, und verleiht dem Drink die nötige Ernsthaftigkeit. Süße spielt praktisch keine Rolle, was den insgesamt trockenen, erwachsenen Charakter der Kombination unterstreicht. Der Abgang ist mittellang, würzig-bitter und schließt sauber, mit einem letzten Hauch der krautigen Bio-Weizen-Basis.

Serviervorschlag

Empfehlenswert ist das große Ballonglas mit reichlich Eis und einem Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic), damit sich die feine Botanical-Vielfalt des Gins trotz der kräftigen Tonic-Bitterkeit noch entfalten kann. Da der Kombination von Natur aus sowohl ausgeprägte Süße als auch spürbare Säure fehlen, bietet sich eine Grapefruitzeste als Garnitur an – sie bringt eine dezente, nicht zu süße Frische ins Glas, ohne die vielschichtige Würze zu überlagern. Auf stark süße oder fruchtige Garnituren sollte dagegen verzichtet werden, da sie im Kontrast zur konsequent trockenen Machart beider Zutaten unpassend wirken würden.

Einordnung & Vergleich

Auf der eigenen Produktseite empfiehlt der Bodensee Dry Gin selbst in erster Linie ein neutrales, klassisches Schweppes Indian Tonic Water oder alternativ das dezent-bittere 1724 Tonic Water. Im Vergleich dazu geht Thomas Henry noch einen Schritt weiter in Richtung Trockenheit und Bitterkeit: Wo Schweppes mit spürbarer Süße arbeitet und die vielen Botanicals eher weich einbettet, gibt Thomas Henry dem Gin durch seine konsequente Herbe mehr Ecken und Kanten – eine Kombination für alle, die den Bodensee Dry Gin nicht nur rund, sondern auch mit etwas mehr Biss erleben möchten. Interessant ist auch der Vergleich innerhalb der Bodensee-Region: Während der Steinhauser SeeGin mit nur drei Botanicals und ausgeprägter Zitrusnote auf klare Kontur setzt und Thomas Henry dort vor allem die Zitrusfrische unterstreicht, trifft dasselbe Tonic beim Bodensee Dry Gin auf ein völlig anderes Konzept: eine bewusst breit angelegte, in sich vielschichtige Botanical-Mischung, der die Bitterkeit weniger einzelne Noten schärft als vielmehr dem Gesamtbild erst die nötige Struktur verleiht. Zwei sehr unterschiedliche Wege also, mit denen dasselbe Tonic zwei benachbarte Bodensee-Gins jeweils auf ihre eigene Art unterstützt.

Fazit

4/5 Punkte. Eine solide, gut durchdachte Kombination, bei der die konsequente Trockenheit und Bitterkeit des Thomas Henry dem an sich weichen, vielschichtigen Bodensee Dry Gin genau die Struktur gibt, die ihm pur mitunter fehlt. Kein Gin & Tonic für alle, die es süßer oder spritziger mögen – dafür aber eine überzeugende Wahl für alle, die einen unaufgeregten, in sich stimmigen Longdrink mit deutschem Regionalbezug und ohne dominante Einzelnote schätzen. Wer den Bodensee Dry Gin ohnehin schon kennt und pur als eher weich empfindet, findet in dieser Paarung eine Möglichkeit, ihm etwas mehr Ernsthaftigkeit zu verleihen.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance4/5
Komplexität4/5
Säure/Frische2/5
Süße2/5