Chase GB Extra Dry Gin & Franklin & Sons Premium Indian Tonic Water (4/5)

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Chase GB Extra Dry Gin & Franklin & Sons Premium Indian Tonic Water (4/5)

4/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Chase GB Extra Dry Gin aus Herefordshire ist einer der wenigen Gins weltweit, die auf einem Kartoffel- statt auf einem Getreidedestillat basieren – ein aufwendigeres Verfahren, das William Chase auf seiner eigenen Farm etabliert hat und das dem fertigen Gin eine auffällig samtige, fast ölige Textur verleiht. Das Franklin & Sons Premium Indian Tonic Water setzt auf ein bewusst klassisches, zurückhaltendes Chinin-Profil ohne ausgeprägte Frucht- oder Kräuternoten. Diese Paarung stellt damit die außergewöhnliche Textur des Chase GB in den Mittelpunkt, statt sie mit einem lauten, aromenreichen Tonic zu überdecken – ein Ansatz, der bei einem derart texturbewussten Gin besonders sinnvoll erscheint. William Chase, der zuvor mit der Kartoffelchips-Marke Tyrrells bekannt wurde, brachte diese Herangehensweise bewusst aus der Landwirtschaft mit: Als "Single Estate"-Destillerie kontrolliert Chase vom Kartoffelanbau auf der eigenen Rosemaund Farm bis zur Abfüllung jeden Schritt selbst, was die konsequente Ausrichtung auf Reinheit und Textur zusätzlich erklärt.

Warum diese Kombination funktioniert

Die Kartoffelbasis des Chase GB ist keine geschmackliche Nebensache, sondern das eigentliche Alleinstellungsmerkmal dieses Gins: Sie verleiht ihm ein bemerkenswert reines, samtig-cremiges Mundgefühl, das bei getreidebasierten Gins in dieser Form kaum zu finden ist. Ein zu dominantes oder stark aromatisiertes Tonic würde diese feine Texturarbeit überdecken, statt sie hervorzuheben. Das Franklin & Sons Premium Indian Tonic hält sich mit ausgeprägten Eigenaromen bewusst zurück und lässt dadurch genug Raum, damit die samtige Textur des Kartoffeldestillats auch in Verdünnung spürbar bleibt. Die moderate, klassische Bitterkeit des Tonics liefert gleichzeitig genug Struktur, um dem geradlinigen, wacholderbetonten Profil des Gins – Koriander, Angelikawurzel, Orriswurzel – die nötige Kontur zu verleihen, ohne von der eigentlichen Stärke des Chase GB abzulenken.

Verkostung der Kombination

In der Nase zeigt sich klarer Wacholder mit einer bemerkenswert reinen, leicht cremigen Textur, unterlegt von der harzig-zitrischen Chinin-Note des Tonics. Am Gaumen ist der Drink trocken und geradlinig, Wacholder und Koriander dominieren, während die samtige Textur der Kartoffelbasis auch nach der Verdünnung mit Tonic klar spürbar bleibt – ein Effekt, der bei den meisten anderen Gin-&-Tonic-Kombinationen kaum in dieser Deutlichkeit auftritt. Die feine Iris- und Angelikawurzel sorgen für erdige Tiefe, ohne die Textur zu stören. Der Abgang ist klar, trocken und angenehm sauber, mit einem langen, unaufdringlichen Nachklang, der die Reinheit des gesamten Drinks unterstreicht.

Serviervorschlag

Großes Ballonglas, reichlich Eis, Verhältnis etwa 1:3. Eine Zitronenzeste als Garnitur unterstreicht die klassische Wacholder-Koriander-Struktur, ohne die samtige Textur des Kartoffeldestillats zu überdecken. Wer die Textur des Chase GB besonders bewusst erleben möchte, sollte das Tonic langsam und vorsichtig einschenken, um die Kohlensäure zu schonen und die cremige Mundgefühl-Qualität des Gins möglichst lange zu bewahren.

Einordnung & Vergleich

Chase GB selbst empfiehlt auf der eigenen Produktseite ein klassisches, trockenes Indian Tonic mit Zitronenzeste – das Franklin & Sons Premium Indian Tonic folgt diesem Prinzip und bestätigt, dass beim Chase GB Zurückhaltung des Tonics wichtiger ist als aromatische Vielfalt. Im Vergleich zum ebenfalls reduzierten Broker's London Dry Gin, der mit demselben Tonic ähnlich geradlinig und trocken bleibt, zeigt sich beim Chase GB vor allem der Textur-Unterschied: Wo der Broker's auf einer neutralen Getreidebasis aufbaut, sorgt die Kartoffelbasis des Chase GB für ein spürbar weicheres, samtigeres Mundgefühl. Auch ein Vergleich mit dem ebenfalls klassisch premium positionierten Tanqueray No. Ten Gin lohnt sich, der mit demselben Tonic seine helle Zitrusfülle statt einer samtigen Textur in den Vordergrund stellt – zwei unterschiedliche Interpretationen dessen, was ein "reiner" Premium-Gin sein kann. Dass der Spirituosenkonzern Diageo die Chase Distillery 2021 übernahm, unterstreicht zusätzlich, wie sehr sich Williams Chases zweite Gründung nach dem Verkauf von Tyrrells als eigenständige, international anerkannte Marke etabliert hat.

Fazit

4/5 Punkte. Eine geradlinige, aber lohnende Kombination für alle, die Gin nicht nur über Aromen, sondern auch über Textur erleben möchten: Das zurückhaltende Franklin & Sons Tonic lässt die außergewöhnlich samtige Kartoffelbasis des Chase GB voll zur Geltung kommen, ohne sie zu überdecken. Empfehlenswert für Genießer, die einen klassischen, trockenen Gin & Tonic mit einer besonderen, spürbaren Textur-Nuance suchen. Wer stattdessen einen aromatisch komplexeren oder fruchtigeren Drink bevorzugt, sollte zu einem anderen Gin greifen – für den Chase GB selbst bleibt diese zurückhaltende Paarung die konsequenteste Wahl. Auch als "Farm-to-Bottle"-Produkt aus einer einzigen englischen Grafschaft steht der Chase GB exemplarisch für die Regionalitätsbewegung, die seit den 2010er-Jahren die britische Spirituosenlandschaft prägt – ein Aspekt, der sich in dieser bewusst zurückhaltenden, auf Reinheit ausgerichteten Tonic-Wahl konsequent widerspiegelt.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance4/5
Komplexität3/5
Säure/Frische2/5
Süße2/5