Gin & Tonic

Löwen Dry Gin & Fever Tree Premium Indian Tonic Water (4/5)

4/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Der Löwen Dry Gin stammt von der Bergbrennerei Löwen im Bregenzerwald, einem kleinen Vorarlberger Familienbetrieb, der Brennerei, Hofladen und Gasthaus unter einem Dach vereint. Statt exotischer Importware setzt der Betrieb auf Wacholder, Orangenschale und alpine Kräuter, Wurzeln, Blüten und Beeren aus der unmittelbaren Umgebung, verdünnt auf einen für europäische Gins moderaten Alkoholgehalt von 40 % vol. Auf der eigenen Produktseite empfiehlt die Brennerei für den Gin & Tonic ein würziges Tonic wie das Fever-Tree Aromatic, dessen Angostura-Note die alpine Kräuterwürze gezielt aufgreift. Fever-Tree Premium Indian Tonic Water verfolgt einen anderen Ansatz: eine ausgewogene, mit Chinarinde und Bitterorangenöl gearbeitete Klassik-Rezeptur ohne eigene Gewürznote. Diese Paarung ist damit keine vom Hersteller vorgezeichnete Empfehlung, sondern der naheliegende Test, wie sich ein kleiner, bewusst zurückhaltend gebauter Regional-Gin mit dem meistverwendeten Premium-Tonic der Szene schlägt.

Warum diese Kombination funktioniert

Der Löwen ist explizit kein Gin, der auf Komplexität um ihrer selbst willen zielt: Wacholder und milde Orangennote bilden das Grundgerüst, alpine Wiesenkräuter sorgen für einen spürbaren, aber nie dominanten regionalen Unterton. Genau diese unaufgeregte, klar strukturierte Bauweise ist es, die von einem ausgewogenen, hochwertigen Tonic profitiert, statt von einem, das eigene Gewürznoten hinzufügt. Fever-Tree bringt mit seiner feinen Bitterorangen-Frische und der gut integrierten Chinin-Bitterkeit genau die Portion zusätzlicher Struktur, die der moderat gebaute Löwen braucht, um im Glas nicht zu blass zu wirken, ohne die zarten Kräuternoten mit einer eigenen Würznote zu überlagern. Wo das hauseigen empfohlene Aromatic Tonic die alpine Kräuterseite zusätzlich betont und den Drink insgesamt würziger macht, bringt das Indian Tonic die Orangenschale und den Wacholder stärker in den Vordergrund – eine ebenso plausible, nur andere Lesart desselben Gins. Dass Fever-Tree dabei auch einfacher gebaute Gins spürbar aufwertet, zeigt sich beim Löwen deutlich: Die klare, gut ausbalancierte Bitterkeit gibt dem unkomplizierten Grundprofil mehr Kontur, als es der Gin pur oder mit einem neutralen Supermarkt-Tonic je hätte.

Verkostung der Kombination

In der Nase zeigt sich der Drink frisch, mit klarem Wacholder, einer milden Orangenschale und der dezenten Bitterorangen-Note des Tonics, die sich nahtlos in die Zitrusseite des Gins einfügt. Am Gaumen tritt zunächst der Wacholder hervor, gestützt von einer moderaten, nicht spritzigen Säure und einer ausgewogenen Chinin-Bitterkeit, die dem Gin mehr Struktur verleiht, als er pur zeigt. Die alpinen Kräuternoten sind spürbar, bleiben aber – anders als mit dem würzigeren Aromatic Tonic – im Hintergrund und wirken eher wie ein leiser, erdiger Unterton als wie eine eigene Geschmacksebene. Süße spielt insgesamt eine untergeordnete Rolle und dient vor allem als Puffer zwischen Bitterkeit und Kräuterwürze. Der Abgang ist mittellang, mild-würzig und schließt mit einem letzten Hauch Orangenschale, ohne die Intensität zu erreichen, die die vom Hersteller empfohlene Aromatic-Variante bieten würde.

Serviervorschlag

Serviert wird die Kombination am besten im großen Ballonglas mit reichlich Eis, in einem Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic), damit der moderate Alkoholgehalt des Löwen nicht zu stark verdünnt wird. Als Garnitur passt eine dünne Orangenzeste am besten, da sie die im Gin vorhandene Orangenschale aufgreift und die vom Tonic mitgebrachte Bitterorangen-Note zusätzlich unterstreicht. Auf kräuterige Garnituren wie Rosmarin oder Thymian, die bei der Aromatic-Variante naheliegend wären, sollte hier eher verzichtet werden, da sie mit der klassischeren, zitrusbetonten Ausrichtung des Indian Tonics weniger harmonieren.

Einordnung & Vergleich

Der eigentliche Vergleichspunkt für diese Kombination ist die vom Hersteller selbst empfohlene Variante mit Fever-Tree Aromatic Tonic Water: Dort rückt die Angostura-Würze die alpinen Kräuter des Löwen deutlich stärker in den Vordergrund und macht den Drink insgesamt würziger und wärmer, während das Indian Tonic den Gin eher von seiner klassischen, wacholder- und zitrusbetonten Seite zeigt. Keine der beiden Varianten ist der anderen grundsätzlich überlegen – sie betonen lediglich unterschiedliche Facetten eines bewusst zurückhaltend gebauten Regional-Gins. Im Vergleich zu anderen alpinen und regionalen Craft-Gins im Katalog, etwa dem Unterholz Gin aus dem Schwarzwald, zeigt sich der Löwen zudem als der zugänglichere, weniger auf Komplexität ausgelegte Vertreter – ein Profil, bei dem ein ausgewogenes, hochwertiges Tonic wie Fever-Tree den größten Mehrwert bringt, weil es dem eher schlichten Grundgerüst mehr Struktur verleiht, statt es zusätzlich zu verkomplizieren.

Fazit

4/5 Punkte. Eine solide, ausgewogene Kombination, die dem unkomplizierten Löwen Dry Gin mit der klaren Bitterkeit und feinen Bitterorangen-Note von Fever-Tree mehr Kontur gibt, ohne die alpine Kräuterseite zu überdecken. Wer den Löwen in seiner würzigsten, wärmsten Form erleben möchte, ist mit dem hauseigen empfohlenen Aromatic Tonic besser bedient; wer dagegen einen klassischen, zitrusbetonten Gin & Tonic mit spürbarer, aber nicht übertriebener Struktur sucht, bekommt mit dieser Variante einen zugänglichen, zuverlässigen Drink, der den bewusst schlichten Charakter der Bergbrennerei ehrlich abbildet, statt ihn zu übertünchen.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance4/5
Komplexität3/5
Säure/Frische3/5
Süße2/5