Gin & Tonic

Portobello Road No. 171 London Dry Gin & 1724 Tonic Water (3/5)

3/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Portobello Road No. 171 London Dry Gin stammt aus der gleichnamigen Destillerie in Notting Hill, die 2011 von Ged Feltham, Jake Burger und Paul Lane gegründet wurde und im selben Gebäude das bekannte „Ginstitute" betreibt. Der No. 171 orientiert sich bewusst an robusten, viktorianischen London-Dry-Rezepturen: Wacholder und Koriander bilden das Fundament, während Cassiarinde und Muskatnuss für eine warme, weihnachtlich anmutende Würze sorgen, die dem Gin mit neun Botanicals ein klassisch-kräftiges Profil verleiht. 1724 Tonic Water verfolgt dagegen den entgegengesetzten Ansatz: eine betont zurückhaltende Rezeptur aus handgeernteter Chinarinde vom peruanischen Inka-Trail, Patagonien-Quellwasser und milder Mandarine, ursprünglich für den kräuterbetonten Gin Mare entwickelt. Der Hersteller des No. 171 selbst empfiehlt auf seiner Produktseite ein „herbes" Tonic – womit das zurückhaltende 1724 von vornherein eher gegen als mit der eigentlichen Ausrichtung des Gins arbeitet.

Warum diese Kombination nur bedingt funktioniert

Der No. 171 ist zwar kein reiner Gewürz-Exzess wie manch orientalisch inspirierter Gin, aber mit spürbarem Wacholder und einer kräftigen Cassia-Muskat-Würze doch klar auf ein Tonic ausgelegt, das ihm strukturell etwas entgegensetzt. Genau das liefert das 1724 kaum: Ohne nennenswerte eigene Bitterkeit bleibt der warmen, weihnachtlich-würzigen Aromatik aus Cassiarinde und Muskatnuss kaum ein Gegenpol, während die milde Mandarine des Tonics die ohnehin schon eher gedeckte Zitrusnote des Gins nicht wesentlich auffrischt. Die Kombination erinnert damit an das Muster, das sich bereits bei anderen wacholder- und würzestarken Gins in der 1724-Familie zeigt: Je lauter und würziger das Botanical-Profil, desto mehr fehlt der Zurückhaltung des Tonics die nötige Struktur, um Gegengewicht zu bieten. Beim No. 171 ist dieser Effekt weniger extrem als bei einem auf reine Gewürzwucht angelegten Gin, weil Cassia und Muskat wärmer und runder wirken als etwa Kreuzkümmel oder scharfer Pfeffer – dennoch bleibt der Drink insgesamt schwerer und weniger konturiert, als es dem eigentlich robusten Charakter des No. 171 entspricht.

Verkostung der Kombination

In der Nase zeigt sich kräftiger Wacholder, begleitet von warmer Muskatnuss und Cassia-Würze, in die sich die milde Mandarine des 1724 nur zurückhaltend einfügt. Am Gaumen dominiert die würzige Fülle aus Koriander, Cassiarinde und Muskatnuss, während der Wacholder zwar erkennbar bleibt, aber ohne spürbare Gegenbitterkeit etwas an Kontur verliert. Die Süße bleibt insgesamt gedämpft und wirkt eher wie ein weicher Unterton als wie eine eigenständige Ebene, Säure spielt kaum eine Rolle. Der Abgang ist mittellang, würzig und warm, mit einem letzten Hauch Muskatnuss und Iriswurzel – insgesamt ein schwererer, weniger frischer Gin & Tonic, der eher in die kühlere Jahreszeit als an einen Sommerabend passt.

Serviervorschlag

Ein großes Ballonglas mit reichlich Eis hilft, die Würze etwas abzumildern und ein zu schnelles Erwärmen zu vermeiden. Ein Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic) ist ein guter Ausgangspunkt, auch wenn sich der grundsätzliche, eher schwere Charakter der Kombination dadurch nicht wesentlich ändert. Eine Zitronenscheibe als Garnitur bringt einen zusätzlichen Frischeakzent, der dem 1724 hier fehlt und die würzige Fülle des No. 171 etwas auflockert. Von kräftigen Kräuter- oder Gewürzgarnituren sollte eher abgesehen werden, da sie die ohnehin schon dominante Würze weiter verstärken würden.

Einordnung & Vergleich

Im eigenen Katalog steht der No. 171 bereits mit Fentimans Tonic Water für eine ebenfalls solide, aber nicht überragende Kombination mit vier von fünf Punkten – ein klassisches, kräuterig-herbes Tonic, das dem Gin bereits mehr Struktur bietet als das noch zurückhaltendere 1724. Der Unterschied zeigt sich deutlich: Fentimans bringt genug Eigencharakter mit, um der Würze des No. 171 etwas entgegenzusetzen, während das 1724 diese Aufgabe kaum übernehmen kann und die Kombination dadurch spürbar hinter die Fentimans-Variante zurückfällt. Ein ähnliches Muster zeigt sich bereits beim Opihr Oriental Spiced London Dry Gin, wo die Zurückhaltung des 1724 einer noch deutlich intensiveren Gewürzwelt aus Kubebenpfeffer, Kardamom und Kreuzkümmel zu viel Raum lässt – dort fällt die Bewertung mit 3/5 identisch aus, wenn auch aus einer noch extremeren Ausgangslage heraus. Wer den No. 171 mit dem 1724 testen möchte, sollte sich bewusst sein, dass beide Produkte in ihrer Anspruchshaltung – laut und würzig hier, leise und zurückhaltend dort – eher aneinander vorbei- als zueinanderfinden.

Fazit

3/5 Punkte. Keine gescheiterte, aber eine unausgewogene Kombination: Die warme, weihnachtlich-würzige Aromatik des No. 171 bekommt vom 1724 zu wenig Gegenspiel, wodurch der Drink insgesamt schwerer und weniger frisch wirkt, als es der robuste Charakter des Gins verdient hätte. Empfehlenswert höchstens für kühlere Jahreszeiten oder als gelegentliche, mildere Variante – wer den No. 171 in seiner vollen, klassisch-würzigen Struktur erleben möchte, ist mit dem bereits im Katalog geführten Fentimans Tonic Water oder einem kräftigeren Indian Tonic deutlich besser beraten.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance3/5
Komplexität3/5
Säure/Frische2/5
Süße2/5