Die Kombination im Überblick
Windspiel Dry Gin aus der Vulkaneifel ist einer der wenigen Gins im Programm, die auf Kartoffelalkohol statt Getreide setzen – ein selbst entwickeltes dreifaches Destillationsverfahren sorgt dabei für ein außergewöhnlich reines, sauberes Destillat, auf dem sich die kräftige Wacholder-Lakritz-Würze des Gins klar entfalten kann. Fever-Tree Mediterranean Tonic Water wiederum wurde als deutlich milderer, blumig-kräuteriger Gegenpart zum klassischen Indian Tonic entwickelt, mit Rosmarin, Thymian und Lavendel statt ausgeprägter Chinin-Bitterkeit im Zentrum. Auf den ersten Blick wirkt die Paarung ungewöhnlich, da Windspiel selbst auf seiner Produktseite eher zu einem schlanken, wenig bitteren Tonic rät und ausdrücklich vor stark fruchtigen oder zu bitteren Varianten warnt – genau in dieses Anforderungsprofil passt das Mediterranean Tonic. Der eigentliche Clou liegt jedoch in einem konkreten botanischen Detail: Lavendel gehört zu den sechs Botanicals des Windspiel und taucht in der Rezeptur des Tonics als eigenständige Aromanote erneut auf. Zwei Produkte, die unabhängig voneinander zur gleichen Blüte griffen, treffen hier aufeinander – ein selteneres Zusammenspiel, als es auf den ersten Blick erscheint.
Warum diese Kombination funktioniert
Der Windspiel bringt mit Zimt, Gewürznelke und einer deutlichen Lakritznote bereits eine warme, leicht süßliche Würze mit, die von einer kräftigen Wacholderpräsenz getragen wird. Ein klassisches, chininbitteres Indian Tonic zieht diese Süße straff zusammen; das Mediterranean Tonic geht den entgegengesetzten Weg und lässt sie bewusst stehen, während es über seine eigene Lavendelnote direkt an das im Gin bereits vorhandene Botanical andockt – ein Verstärkungseffekt statt eines neuen, fremden Aromas. Rosmarin und Thymian steuern zusätzlich eine harzig-krautige Tiefe bei, die sich mit der Zimt-Nelke-Würze zu einem stimmigen, warmen Gesamtbild verbindet, statt gegeneinander zu arbeiten. Die Kehrseite dieser Harmonie: Da weder der Gin selbst noch das Tonic nennenswerte Säure oder kräftige Bitterkeit mitbringen, bleibt der Drink insgesamt sehr weich und tendiert – ähnlich wie es die eigene Produktseite des Windspiel bei zu fruchtigen Tonics befürchtet, nur eben durch Süße statt Frucht – zu einem fast dessertartigen Charakter. Wer hier keinen Ausgleich schafft, bekommt einen aromatischen, aber etwas trägen Gin & Tonic ohne spürbare Frische.
Verkostung der Kombination
In der Nase verschmelzen die Lavendelnoten von Gin und Tonic zu einem einheitlichen, blumig-warmen Bild, unterlegt von Zimt und einem Hauch Lakritz. Am Gaumen zeigt sich der Drink rund und deutlich süßlich, mit klarer Wacholderpräsenz im Zentrum und einer harzig-kräuterigen Tiefe durch Rosmarin und Thymian; spürbare Säure oder Frische sucht man dagegen vergeblich, was den Gesamteindruck angenehm weich, aber auch etwas schwerfällig macht. Gewürznelke und die feine Pfeffernote des Korianders blitzen im Mittelteil kurz auf, bevor die Süße wieder die Oberhand gewinnt. Der Abgang ist mittellang, warm und lavendelbetont, mit einem letzten süßlichen Lakritzton – ein Geschmacksbild, das eher an einen milden Kräuterlikör als an einen klassisch-trockenen Gin & Tonic erinnert.
Serviervorschlag
Auch hier gilt: großes Ballonglas, reichlich Eis, ein Verhältnis von etwa 1:3 zugunsten des Tonics, damit sich die konzentrierte Süße nicht zu sehr aufbaut. Da der Drink von Natur aus wenig Frische mitbringt, lohnt sich abweichend von der sonst üblichen Rosmarin-Garnitur des Tonics eine dünne Zeste unbehandelter Zitrone – sie liefert genau die spritzige Kante, die Gin und Tonic beide schuldig bleiben, ohne die Lavendel-Zimt-Achse zu überdecken. Ein Rosmarinzweig ist als Alternative denkbar, verstärkt aber vor allem die ohnehin schon dominante Kräuterseite und sollte eher sparsam dosiert werden.
Einordnung & Vergleich
Mit Windspiel Dry Gin & Fever-Tree Premium Indian Tonic Water existiert im Katalog bereits die vom Hersteller nahegelegte, klassischere Variante: Dort sorgt die kräftigere Chinin-Bitterkeit für spürbar mehr Struktur und einen trockeneren, weniger süßen Gesamteindruck. Die Mediterranean-Variante schlägt dagegen bewusst die weichere, blumigere Richtung ein und lebt vor allem von der Lavendel-Doppelung – ein Effekt, den es beim Indian Tonic in dieser Form nicht gibt. Beide Kombinationen erreichen im Ergebnis dieselbe Bewertung, sprechen aber unterschiedliche Vorlieben an: Wer den Windspiel klassisch-trocken mag, bleibt beim Indian Tonic; wer die warme, süßlich-blumige Seite des Gins ausreizen möchte, ist mit dem Mediterranean Tonic besser bedient. Im Vergleich zu anderen wacholderstarken deutschen Gins wie dem Siegfried Rheinland Dry Gin, der selbst eher zu klassischeren, bittereren Tonics tendiert, zeigt sich zudem, wie stark die Windspiel-eigene Süße die Wahl des passenden Tonics beeinflusst.
Fazit
4/5 Punkte. Eine stimmige, wenn auch deutlich weichere Interpretation des Windspiel Gin & Tonic, die vor allem durch die direkte Lavendel-Verbindung zwischen Gin und Tonic überzeugt. Empfehlenswert für alle, die einen warmen, blumig-süßen Digestif-artigen Gin & Tonic ohne viel Säure oder Bitterkeit schätzen – mit einer Zeste Zitrone lässt sich zudem etwas mehr Frische ins Glas holen. Wer dagegen einen klassisch-trockenen, straffer strukturierten Windspiel-Drink bevorzugt, greift besser zur Indian-Tonic-Variante.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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