Herstellung des A.H. Riise XO Reserve:
A.H. Riise wurde 1838 vom Apotheker Albert Heinrich Riise auf St. Thomas gegründet, damals Teil der Dänisch-Westindischen Inseln und heute Teil der US Virgin Islands. Neben Arzneimitteln handelte Riise schon früh mit karibischem Rum, den er über sein Handelshaus bis nach Skandinavien exportierte – eine der ältesten dokumentierten Handelsrouten zwischen der Karibik und Nordeuropa. Auch nach der Übernahme der Inseln durch die USA im Jahr 1917 blieb die Marke unter dänischer Führung und firmiert bis heute unter dem Namen ihres Gründers.
Der XO Reserve ist neben dem bekannteren Non Plus Ultra eine zweite Premiumlinie des Hauses und wird ebenfalls als Assemblage komponiert statt in einer eigenen Brennerei destilliert: Für die Basisabfüllung, die Superior Cask, wählt A.H. Riise ausschließlich Fasspartien karibischer Herkunft aus, die zum Zeitpunkt der Verschneidung bereits mindestens 20 Jahre gereift sind. Die Basis bildet Melasse-Rum, der vor der Assemblage über Jahrzehnte in verschiedenen Fässern gelagert wurde; einzelne Editionen der Linie, etwa die Port-Cask-Variante, erhalten zusätzlich ein Finish in Portweinfässern, was der Reihe insgesamt eine gewisse stilistische Bandbreite innerhalb desselben Markennamens verleiht.
Verkostung des A.H. Riise XO Reserve:
In der Nase zeigt sich der XO Reserve süß und fruchtig, mit intensiven Aromen exotischer Früchte wie Mango und Papaya, unterlegt von Vanille und einer feinen Holzwürze. Am Gaumen präsentiert er sich cremig und rund, mit klaren Noten von Orange, Mango und Papaya sowie einer anhaltenden Vanillesüße, die dem Rum trotz des vergleichsweise hohen Reifealters seiner Fasspartien einen zugänglichen, weichen Charakter verleiht. Der Abgang ist sanft und lang anhaltend, mit einem langsam verklingenden Nachhall aus Frucht und Vanille, während holzige oder rauchige Röstaromen bewusst zurückhaltend bleiben. Mit 40 % vol. bewegt sich der XO Reserve in der klassischen Standardstärke karibischer Blends und stellt die fruchtig-süße Aromatik konsequent in den Vordergrund.
Steckbrief A.H. Riise XO Reserve:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Basis: Melasse-Rum-Blend karibischer Herkunft
Fassreifung: Fasspartien von mindestens 20 Jahren, Assemblage
Hersteller: A.H. Riise, St. Thomas, US Virgin Islands
Herstellung im Detail: Zwei Premiumlinien eines Handelshauses
A.H. Riise führt mit Non Plus Ultra und XO Reserve zwei parallele Premiumlinien, die beide auf demselben Blending-House-Prinzip beruhen, sich aber in Ausrichtung und Zielgruppe unterscheiden: Während der Non Plus Ultra in seiner markanten Laternenflasche eher als Sammler- und Repräsentationsstück positioniert ist, tritt der XO Reserve als zugänglichere, aber dennoch mit erkennbar alten Fasspartien komponierte Alternative auf. Beide Linien zeigen dabei die Kernkompetenz des Hauses: nicht die eigene Destillation, sondern das gezielte Aufspüren und Verschneiden gereifter Fasspartien unterschiedlicher karibischer Ursprungsbrennereien zu einem stimmigen Gesamtprodukt. Innerhalb der XO-Reserve-Reihe selbst existieren zudem mehrere Editionen mit unterschiedlichen Fassfinishs – etwa die genannte Port-Cask-Variante –, was zeigt, dass A.H. Riise die Reihe fortlaufend um neue Assemblagen erweitert, ohne das Grundkonzept einer auf sehr alten Fasspartien basierenden Komposition zu verändern.
Verwendung des A.H. Riise XO Reserve
- Pur oder mit einem großen Eiswürfel: So entfalten sich die fruchtig-süßen Aromen des XO Reserve am deutlichsten, ohne durch Verdünnung an Präsenz zu verlieren.
- Rum Sour: Die kräftige Frucht- und Vanillesüße macht den XO Reserve zu einer guten Basis für einen fruchtbetonten Sour mit frischem Zitronensaft.
- Piña Colada (Premium-Variante): Mit Ananas und Kokosnusscreme unterstreicht der XO Reserve seine tropisch-fruchtige Aromatik in einem klassischen Longdrink.
- Zu Vanilleeis oder Fruchtdesserts: Die Mango- und Papayanoten harmonieren gut mit tropischen Fruchtdesserts oder cremigem Vanilleeis.
Im Vergleich zum A.H. Riise Non Plus Ultra desselben Hauses wirkt der XO Reserve fruchtiger und zugänglicher, während der Non Plus Ultra mit seiner Karamell- und Gewürztiefe etwas gesetzter und würziger auftritt – beide teilen jedoch dieselbe dänisch-karibische Handelshaus-Philosophie und dieselbe Herkunft aus St. Thomas. Wer die Bandbreite des Hauses A.H. Riise kennenlernen möchte, findet in den beiden Linien zwei unterschiedliche, aber gleichermaßen zugängliche Interpretationen desselben über 180 Jahre alten Handelserbes.
Organisatorisch firmiert die Marke heute unter A.H. Riise Spirits, nachdem das Unternehmen 2016 zunächst als United Spirits Brands neu strukturiert und 2018 in seinen heutigen Namen umbenannt wurde. Unter diesem Dach werden neben dem Rum-Sortiment auch weitere Spirituosen der Gruppe geführt, was A.H. Riise von einer reinen Rum-Marke zu einem breiter aufgestellten dänischen Spirituosenhaus mit karibischen Wurzeln macht. Der Firmensitz in Charlotte Amalie auf St. Thomas, wo bis heute ein nach der Marke benannter Einkaufskomplex besteht, bleibt dabei ein sichtbares Bindeglied zur ursprünglichen Handelsgeschichte des Hauses – ein seltenes Beispiel dafür, wie eine im 19. Jahrhundert gegründete Kolonialhandelsmarke bis in die Gegenwart hinein aktiv weitergeführt wird, statt nur als historische Referenz auf dem Etikett zu erscheinen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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