Herstellung des Bacardí Reserva Ocho:
Die Geschichte von Bacardí beginnt am 4. Februar 1862, als Facundo Bacardí Massó in Santiago de Cuba eine kleine Destillerie erwarb und mit einer eigens gezüchteten Hefekultur sowie mehrfacher Destillation und Kohlefiltration einen neuen, leichteren Rum-Stil schuf. Während der bereits im eigenen Katalog vertretene Bacardi Carta Blanca diese Innovation in ihrer klarsten, ungereiften Form zeigt, steht der Reserva Ocho für das andere Ende des Bacardí-Portfolios: eine mindestens acht Jahre gereifte, dunkle Premium-Abfüllung. Nach der kubanischen Revolution 1959 wurden alle Vermögenswerte der Familie auf Kuba verstaatlicht; die Produktion verlagerte sich daraufhin auf mehrere Standorte außerhalb Kubas, allen voran nach Puerto Rico, wo Bacardí bereits 1930 eine erste Auslandsdestillerie errichtet hatte. Die Anlage in Cataño gilt heute als größte Premium-Rum-Destillerie der Welt und ist die Heimat des Ocho.
Wie der Carta Blanca entsteht auch der Ocho aus Melasse kubanischer Herkunftstradition, die vergoren und in Column Stills gebrannt wird. Der entscheidende Unterschied liegt in der anschließenden Reifung: Statt nach nur einem Jahr durch Aktivkohle gefiltert zu werden, reift der Grundrum mindestens acht Jahre in amerikanischen Eichenfässern, bevor er zur finalen Assemblage zusammengeführt wird – ganz ohne die farb- und aromaentziehende Filtration des Carta Blanca. Der Name "Ocho" bezieht sich dabei direkt auf diese achtjährige Mindestreifezeit. Mit 40 % vol. bleibt der Ocho in der gleichen Alkoholklasse wie sein weißer Bruder, zeigt aber ein deutlich dichteres, holz- und fruchtbetontes Aromenbild.
Der lange Weg der Marke von Santiago de Cuba bis in die heutige Weltgeltung ist dabei selbst Teil der Geschichte, die hinter jeder Bacardí-Abfüllung steht: Bereits 1888 gewann das Unternehmen eine Goldmedaille auf der Weltausstellung in Barcelona, 1910 wurde es zum ersten kubanischen Unternehmen mit internationalen Niederlassungen, und 1936 setzte sich die Familie in einem vielbeachteten Gerichtsverfahren erfolgreich dafür ein, dass der Name Bacardí in Cocktail-Rezepturen wie dem Daiquiri geschützt blieb. Diese über 160-jährige Firmengeschichte bildet den Rahmen, vor dem der Reserva Ocho als eine der anspruchsvolleren Abfüllungen des Hauses positioniert ist.
Verkostung des Bacardí Reserva Ocho:
In der Nase zeigt der Ocho getrocknete Aprikose, buttrige Eiche und eine Ahnung von Zedernholz, dazu Bananenblatt, Karamell, Orangenmarmelade sowie feine Noten von Schokolade und Espresso. Am Gaumen präsentiert er sich mittelkräftig und vielschichtig: Demerara-Zucker und Aprikosenmarmelade treffen auf buttrige Eiche, zesty Orange, Lebkuchengewürz und einen Hauch Mokka-Kaffee, während überreife Banane, Butterscotch und Muskat für zusätzliche Tiefe sorgen. Die Fruchtfülle – deutlich ausgeprägter als bei vielen anderen achtjährigen Rums – verbindet sich harmonisch mit der dezenten Eichenwürze, ohne dass eine Komponente dominiert. Der Abgang beginnt mit einem Schub aus Vanille, Schokolade und Orange und klingt mit anhaltender buttriger Eiche, Mokka und einer leicht herben Aprikosennote aus.
Steckbrief Bacardí Reserva Ocho:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Basis: Melasse aus Zuckerrohr
Fassreifung: mindestens 8 Jahre in amerikanischen Eichenfässern
Hersteller: Bacardi Limited, Puerto Rico
Herstellung im Detail: Vom limitierten Familienschatz zur globalen Abfüllung
Der Reserva Ocho war ursprünglich kein Massenprodukt: 1995 erschien er erstmals als extrem limitierte Sonderedition mit Sherry-Fass-Finish, die exklusiv an Abonnenten des Magazins Cigar Aficionado verkauft wurde – in Baccarat-Kristallkaraffen und zu einem für damalige Verhältnisse enormen Preis. Zuvor war die zugrunde liegende Rezeptur über Generationen als "Family Reserve" der Familie Bacardí vorbehalten geblieben und wurde erst nach und nach für ein breiteres Publikum zugänglich gemacht. Diese Herkunft aus einem streng gehüteten Familienrezept erklärt, warum der Ocho innerhalb des riesigen Bacardí-Portfolios bis heute als eine der anspruchsvollsten Standard-Abfüllungen gilt und regelmäßig auch in limitierten Fass-Finish-Varianten – etwa mit Sherry-, Roggenwhiskey- oder Sevilla-Orangenfässern – neu interpretiert wird.
Verwendung des Bacardí Reserva Ocho
- Pur oder mit einem großen Eiswürfel: So zeigen sich Frucht- und Eichenaromen am deutlichsten.
- Rum Old Fashioned: Mit Angostura Bitters und einer Orangenzeste entsteht ein fruchtbetonter, anspruchsvoller Klassiker.
- Präsident (Presidente): Der kubanische Cocktail-Klassiker mit Wermut, Orangenlikör und Grenadine profitiert von der Fruchttiefe des Ocho.
- Zu dunkler Schokolade oder Karamelldessert: Die Kaffee- und Karamellnoten harmonieren hervorragend mit intensiven Nachspeisen.
Während der Carta Blanca als neutrale, ungereifte Cocktailbasis konzipiert ist, zeigt der Reserva Ocho die entgegengesetzte Seite desselben Hauses: einen dichten, fruchtbetonten Sipping-Rum, der die achtjährige Fassreifung selbstbewusst in den Vordergrund stellt. Gerade dieser Kontrast macht deutlich, wie breit das Bacardí-Portfolio trotz seines Rufs als Cocktail-Massenmarke tatsächlich aufgestellt ist – vom unkomplizierten Mixgetränk-Rum bis zur familiär geprägten Premium-Abfüllung.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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