Die Kombination im Überblick
feel! Munich Dry Gin und Thomas Henry Tonic Water treffen zwei Produkte mit sehr unterschiedlicher Grundausrichtung aufeinander. Der feel! wird seit 2012 von der Achternbusch Destillerie in München bio-zertifiziert und vollständig handwerklich hergestellt und verarbeitet 17 Botanicals zu einem bewusst milden, zugänglichen Profil: Wacholder und Koriander bilden zwar das klassische Fundament, treten aber hinter eine ungewöhnliche Kombination aus Blaubeeren, Aroniabeeren, Lavendel und Limette zurück, die dem Gin seine samtig-fruchtige, florale Note verleiht. Thomas Henry verfolgt mit seiner kräftigen, kaum gesüßten Chinin-Bitterkeit die entgegengesetzte Philosophie und ist im Katalog vor allem als Partner für kräftige, wacholderbetonte London-Dry-Gins bekannt. Auf der eigenen Produktseite empfiehlt der feel! selbst ausdrücklich ein milderes, nicht zu bitteres Tonic wie Goldberg & Sons oder Fever-Tree Elderflower – Grund genug, hier ehrlich zu prüfen, ob sich diese Herstellerempfehlung mit der Praxis deckt, wenn stattdessen zum deutlich herberen Thomas Henry gegriffen wird.
Warum diese Kombination nur bedingt funktioniert
Der feel! lebt von seiner ungewöhnlich weichen, beerig-blumigen Aromatik: Die samtige Süße von Blaubeere und Aroniabeere trägt den Gin ebenso wie der zurückhaltende, nie aufdringliche Lavendel, während Wacholder und Koriander bewusst nur eine dezente Unterlage bilden. Genau dieses fein austarierte, auf Milde ausgelegte Gleichgewicht gerät mit Thomas Henry unter Druck. Die kräftige Chinin-Bitterkeit des Tonics – deutlich stärker als bei den vom Hersteller empfohlenen Alternativen – dominiert schnell das Glas, weil ihr auf der Gin-Seite kein vergleichbar kräftiger Wacholderkern entgegensteht, der als Gegengewicht dienen könnte. Statt sich mit der Beeren- und Lavendelnote zu verbinden, überdeckt die Bitterkeit große Teile davon; übrig bleibt ein herberer, deutlich weniger fruchtig-floraler Drink, der die eigentliche Stärke des feel! – sein weiches, zugängliches Profil – kaum noch erkennen lässt. Das bestätigt im Kern die eigene Empfehlung des Herstellers: Milde, beeren- und blütenbetonte Gins wie der feel! brauchen ein zurückhaltendes Tonic, das ihnen Raum lässt, statt eines, das mit einer so ausgeprägten Bitterkeit dagegenhält wie Thomas Henry.
Verkostung der Kombination
In der Nase zeigt sich zunächst die harzig-trockene Chinin-Note des Tonics, unter der sich Blaubeere und Lavendel nur noch gedämpft bemerkbar machen. Am Gaumen dominiert die spürbare Bitterkeit, die zwar von der Limettenfrische begleitet wird, die weiche Beerensüße des Gins aber deutlich zurückdrängt – Blaubeere und Aroniabeere sind noch vorhanden, wirken jedoch eher wie ein ferner Unterton als wie die tragende Aromenschicht, die sie im puren Gin darstellen. Der Lavendel blitzt gelegentlich auf, bleibt aber unter der Bitterkeit meist verborgen. Insgesamt wirkt der Drink herber und weniger rund als der Gin selbst vermuten lässt, mit einer Säure, die durch die Limette zwar vorhanden ist, das Bitterkeits-Übergewicht aber nicht ausgleichen kann. Der Abgang ist mittellang, spürbar bitter und lässt nur einen schwachen Nachklang von Beere und Blüte zurück.
Serviervorschlag
Wer die Kombination dennoch testen möchte, sollte das Verhältnis bewusst zugunsten des Gins verschieben – etwa 1:2,5 statt der sonst üblichen 1:3 –, damit die Beeren- und Lavendelnote gegen die kräftige Tonic-Bitterkeit überhaupt eine Chance hat. Ein großes Ballonglas mit reichlich Eis bleibt Pflicht, ebenso eine Garnitur, die die fruchtige Seite des Gins zusätzlich stützt: Ein paar frische Blaubeeren oder ein Zweig Lavendel bringen einen Teil der Aromatik zurück, die vom Tonic sonst überdeckt wird. Wer die eigentliche Stärke des feel! ungefiltert erleben möchte, ist allerdings besser beraten, direkt zu einem der beiden vom Hersteller empfohlenen, milderen Tonics zu greifen statt das Verhältnis zu kompensieren.
Einordnung & Vergleich
Der Hersteller selbst weist mit den Empfehlungen Goldberg & Sons Tonic Water und Fever-Tree Elderflower Tonic Water den naheliegenderen Weg: Beide Tonics sind spürbar milder und weniger bitter als Thomas Henry und lassen der beerig-blumigen Note des feel! entsprechend mehr Raum, besonders die Holunderblüte des Fever-Tree-Tonics, die sich thematisch gut mit dem Lavendel des Gins verbindet. Im Vergleich zu den übrigen Thomas-Henry-Kombinationen dieses Batches zeigt sich der feel! als klarer Gegenpol zu einem wacholderbetonten Klassiker wie Sipsmith London Dry Gin: Wo der dichte, wacholderstarke Sipsmith der kräftigen Bitterkeit von Thomas Henry souverän standhält, fehlt dem bewusst milden feel! genau diese Substanz, um im selben Maß zu bestehen. Diese Kombination bestätigt damit eine grundsätzliche Regel: Je zurückhaltender und fruchtig-floraler ein Gin angelegt ist, desto eher lohnt sich ein ebenso zurückhaltendes Tonic statt eines besonders bitteren.
Fazit
3/5 Punkte. Keine schlechte Kombination, aber eine, bei der die kräftige Bitterkeit von Thomas Henry der eigentlichen Stärke des feel! – seiner weichen, beerig-blumigen Milde – spürbar entgegensteht. Wer neugierig ist, wie sich der Gin in einer herberen, weniger fruchtigen Variante schlägt, kann die Kombination als Experiment durchaus probieren. Für alle, die den feel! Munich Dry Gin so erleben möchten, wie er konzipiert wurde, führt an den beiden vom Hersteller selbst empfohlenen, milderen Tonics aber kein Weg vorbei.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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