Portobello Road No. 171 London Dry Gin & Fentimans Tonic Water (4/5)

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Portobello Road No. 171 London Dry Gin & Fentimans Tonic Water (4/5)

4/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Portobello Road No. 171 London Dry Gin aus dem Notting-Hill-Ginstitute orientiert sich an den robusten, wacholderbetonten Gin-Stilen des viktorianischen Londons: Cassiarinde und Muskatnuss verleihen ihm eine warme, weihnachtlich anmutende Würze, die deutlich kräftiger ausfällt als bei vielen reduzierteren London-Dry-Rezepturen. Das Fentimans Tonic Water wird nach einem 1905 entstandenen Verfahren botanisch gebraut statt lediglich aromatisiert – Chinarinde und Botanicals fermentieren dabei über mehrere Tage mit Hefe, was dem Tonic eine erdig-würzige, fast bierähnliche Komplexität verleiht. Zwei kräftige, traditionsbewusste britische Produkte treffen hier aufeinander, die beide ihre historische Herkunft bewusst zum Aushängeschild machen, statt sie zu kaschieren. Die Portobello Road Distillery destilliert dabei über der eigenen Kneipe im Notting Hill der 2010er-Jahre – nach eigenen Angaben die erste Gin-Destillerie seit über 200 Jahren, die wieder im Zentrum Londons eröffnete –, während Fentimans seine Rezeptur bis ins Jahr 1905 zurückverfolgt, als der Eisenwalzer Thomas Fentiman ein Ingwerbier-Rezept als Darlehensrückzahlung erhielt.

Warum diese Kombination funktioniert

Der No. 171 ist mit seiner robusten Würze aus Cassiarinde, Muskatnuss und kräftigem Wacholder kein zurückhaltender Gin, der ein neutrales Tonic bräuchte – im Gegenteil, ein zu mildes Tonic würde neben dieser Würzefülle regelrecht verblassen. Das Fentimans Tonic Water begegnet dieser Kräftigkeit auf Augenhöhe: Seine durch den Brauprozess gewonnene, erdig-bittere Tiefe hält der weihnachtlichen Gewürzwürze des Gins gut stand, statt von ihr überdeckt zu werden. Beide Komponenten ergänzen sich damit über vergleichbare Intensität statt über Kontrast – die feinperlige, durch die Fermentation gewonnene Kohlensäure des Tonics sorgt zudem für eine geschmeidigere Textur als bei industriell karbonisierten Tonics, was der ohnehin schon vollmundigen Würze des Gins zusätzlich entgegenkommt.

Verkostung der Kombination

In der Nase zeigt sich kräftiger Wacholder neben warmer Muskatnuss und Cassiarinde, unterlegt von der erdig-würzigen, leicht fermentierten Note des Tonics. Am Gaumen entfaltet sich ein vollmundiges, würziges Bild: Koriander und Cassiarinde bilden mit der kräftigen Bitterkeit des Fentimans ein stimmiges Gegengewicht, während die feine Iriswurzel des Gins im Hintergrund für pudrige Struktur sorgt. Die zurückhaltende Süße beider Komponenten verhindert, dass die Kombination in Richtung Weihnachtsgebäck kippt, und lässt stattdessen ein trocken-würziges, herbstliches Geschmacksbild entstehen. Der Abgang ist lang, würzig-erdig und bemerkenswert kräftig – eine Kombination für kühlere Jahreszeiten und für alle, die einen Gin & Tonic mit spürbarem Charakter suchen.

Serviervorschlag

Großes Ballonglas, reichlich Eis, Verhältnis etwa 1:3. Eine Zeste Orange oder eine Scheibe Zitrone als Garnitur bringt zusätzliche Frische ins Glas, ohne die kräftige Würze zu überdecken. Wer es noch traditioneller mag, kann eine Muskatnuss darüberreiben – eine kleine Geste, die die weihnachtliche Würze des No. 171 direkt aufgreift und der Kombination eine zusätzliche aromatische Ebene verleiht, ohne dass dafür ein zusätzliches Botanical benötigt wird. Wer die Kombination im Sommer servieren möchte, kann das Verhältnis leicht zugunsten des Tonics verschieben, etwa auf 1:4, um die Würze insgesamt etwas leichter und zugänglicher wirken zu lassen, ohne den grundsätzlichen Charakter der Paarung zu verändern.

Einordnung & Vergleich

Auf seiner eigenen Produktseite empfiehlt der No. 171 ein herbes Indian Tonic mit Zitronenscheibe – das Fentimans Tonic Water geht mit seiner fermentierten Tiefe noch einen Schritt weiter in Richtung Kräftigkeit und passt damit besonders gut zur robusten, viktorianisch inspirierten Würze dieses Gins. Innerhalb der Fentimans-Familie ist das klassische Tonic Water die kräftigste und am wenigsten zugängliche Variante – wer es milder mag, findet mit dem fruchtigeren Pink Grapefruit Tonic oder dem süßeren Valencian Orange Tonic deutlich zugänglichere Alternativen. Auch ein Vergleich mit dem deutlich reduzierteren No. 3 London Dry Gin lohnt sich: Mit demselben kräftigen Fentimans Tonic Water zeigt sich, wie viel Würze und Tiefe der No. 171 gegenüber schlankeren London-Dry-Rezepturen tatsächlich mitbringt, ohne dabei unbalanciert zu wirken.

Fazit

4/5 Punkte. Eine kräftige, traditionsbewusste Kombination für kühlere Tage: Zwei britische Produkte mit ausgeprägter historischer Erzählung treffen aufeinander und ergänzen sich über vergleichbare Intensität zu einem würzig-erdigen, bemerkenswert vollmundigen Gin & Tonic. Empfehlenswert für alle, die einen robusten, weihnachtlich-würzigen Gin schätzen und bereit sind, auf spritzige Sommerfrische zugunsten von Tiefe und Charakter zu verzichten. Wer einen leichteren, zitrusfrischeren Drink sucht, ist mit einem milderen Tonic aus der Fentimans-Range besser bedient. Auch als Absacker nach einem herzhaften Wintergericht macht die Kombination eine gute Figur, da die kräftige Würze des Gins und die erdige Bitterkeit des Tonics gemeinsam an einen klassischen Digestif erinnern, ohne dabei auf die kühlende Frische eines echten Gin & Tonic zu verzichten.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance4/5
Komplexität4/5
Säure/Frische2/5
Süße2/5