Die Kombination im Überblick
Sipsmith V.J.O.P. Navy Strength Gin – "Very Junipery Over Proof" – verwendet die dreifache Menge an Wacholder gegenüber dem regulären Sipsmith London Dry Gin und wird mit mindestens 57,7 % vol. in historischer Navy Strength abgefüllt. Das Fentimans Tonic Water wird seit 1905 nach einem botanischen Brauverfahren hergestellt, bei dem Chinarinde und Botanicals über mehrere Tage mit Hefe fermentieren, was dem Tonic eine ungewöhnlich kräftige, erdig-bittere Tiefe verleiht. Zwei Produkte, die beide bewusst auf maximale Intensität statt auf Zurückhaltung setzen, treffen hier aufeinander – eine Paarung für erfahrene Gin-Trinker, die Kraft und Kontur einem sanften, ausgewogenen Profil vorziehen. Der Begriff "Navy Strength" geht dabei auf die britische Königliche Marine zurück, die im 18. und frühen 19. Jahrhundert sicherstellen musste, dass verschütteter Gin das an Bord gelagerte Schießpulver nicht funktionsunfähig machte – bei mindestens 57 % vol. blieb es zündfähig, weshalb Spirituosen dieser Stärke bis heute diesen Namen tragen.
Warum diese Kombination funktioniert
Der V.J.O.P. ist mit seiner dreifachen Wacholdermenge und der hohen Trinkstärke ein Gin, der bei den meisten Standard-Tonics regelrecht durchbricht – seine intensive, harzige Wacholdernote bleibt auch bei starker Verdünnung klar erkennbar und verlangt entsprechend nach einem ebenso kräftigen Gegenüber. Ein mildes, neutrales Tonic würde neben dieser geballten Wacholderwucht schlicht verblassen. Das Fentimans Tonic Water ist eines der wenigen Produkte im Sortiment, das dieser geballten Wacholderwucht tatsächlich etwas entgegenzusetzen hat: Die erdig-bittere Tiefe aus dem botanischen Brauverfahren übertönt den dominanten Wacholder nicht, lässt sich von ihm aber auch nicht einfach verdrängen, sondern behauptet sich als eigenständige zweite Kraft im Glas. Die feinperlige Kohlensäure, ein Nebeneffekt der mehrtägigen Fermentation, mildert zudem die Alkoholschärfe des hochprozentigen V.J.O.P. spürbar ab, ohne der Kombination dabei ihre grundsätzliche Wucht zu nehmen.
Verkostung der Kombination
In der Nase dominiert intensiver, harzig-nadeliger Wacholder, unterlegt von der erdig-fermentierten Tiefe des Tonics – zwei kräftige Aromen, die sich hier gegenseitig Kontur verleihen, statt sich zu bekämpfen. Am Gaumen zeigt sich der Drink kraftvoll und konzentriert: Wacholder und Koriander bilden das Zentrum, die warme Würze aus Angelika- und Iriswurzel bleibt auch in Verdünnung deutlich spürbar, während die kräftige Bitterkeit des Fentimans für das nötige Gegengewicht sorgt, damit der Drink nicht in reine Alkoholschärfe abdriftet. Der Abgang ist lang, intensiv wacholderbetont und erdig-bitter zugleich – eine Kombination, die auch nach mehreren Schlucken nichts von ihrer Kraft verliert.
Serviervorschlag
Großes Ballonglas, reichlich Eis, Verhältnis eher 1:2 statt der sonst üblichen 1:3, da die hohe Ausgangsstärke des V.J.O.P. auch bei stärkerer Verdünnung noch klar erkennbar bleibt. Eine Zitronenzeste als Garnitur setzt einen dezenten frischen Akzent, ohne die kräftige Grundstruktur zu stören. Wer es noch intensiver mag, kann das Verhältnis weiter zugunsten des Gins verschieben – die kräftige Bitterkeit des Fentimans hält auch einem höheren Gin-Anteil gut stand, ohne von der Wacholderwucht überrannt zu werden.
Einordnung & Vergleich
Sipsmith selbst empfiehlt für den V.J.O.P. auf der eigenen Produktseite ein kräftiges Tonic wie Fever-Tree Premium Indian – das Fentimans Tonic Water geht mit seiner fermentierten, noch erdigeren Bitterkeit einen konsequenten Schritt weiter in Richtung Intensität und bestätigt, dass bei diesem Gin eher mehr als weniger Tonic-Kraft gefragt ist. Im Vergleich zum milderen Sipsmith London Dry Gin aus demselben Haus, der mit demselben Tonic deutlich ausgewogener und zugänglicher wirkt, zeigt sich beim V.J.O.P. die volle Wirkung der verdreifachten Wacholdermenge und der höheren Trinkstärke. Auch ein Vergleich mit dem ebenfalls kräftigen Tanqueray London Dry Gin, der bereits in seiner Standardstärke von 47,3 % vol. robust auftritt, lohnt sich – der V.J.O.P. geht mit 57,7 % vol. jedoch noch einen deutlichen Schritt weiter in Richtung kompromissloser Navy-Strength-Kategorie. Das Haus dahinter ist vergleichsweise jung: Sam Galsworthy und Fairfax Hall eröffneten Sipsmith 2009 und schufen damit Londons erste neue Destillerie mit Kupferbrennblasen seit fast 200 Jahren. Erst später kam der V.J.O.P. hinzu, gedacht als bewusst radikalere Spielart für Kenner – für alle, denen die schon kräftige Standardabfüllung nicht reicht und die lieber den kompromisslosen Wacholdergeschmack klassischer Navy-Strength-Gins im Glas haben.
Fazit
4/5 Punkte. Eine kompromisslose Kombination für erfahrene Gin-Trinker, die Intensität und Kontur einem sanften, ausgewogenen Profil vorziehen: Zwei Produkte, die beide auf maximale Kraft setzen, ergänzen sich hier zu einem außergewöhnlich robusten, wacholderbetonten Gin & Tonic. Empfehlenswert für alle, die den V.J.O.P. auch in Verdünnung noch klar erkennen möchten und keine Angst vor einem kräftigen, erdig-bitteren Tonic haben. Wer stattdessen einen milderen, zugänglicheren Gin & Tonic sucht, ist mit dem regulären Sipsmith London Dry Gin deutlich besser bedient. Für die eigene Hausbar eignet sich der V.J.O.P. zudem hervorragend für einen direkten Vergleich mit seinem milderen Geschwister: Da beide Gins auf derselben Grundrezeptur basieren, lässt sich anschaulich nachvollziehen, wie stark allein die verdreifachte Wacholdermenge und der höhere Alkoholgehalt den Gesamtcharakter eines Gins verändern können. Der Premium-Gin zeigt sich auch neben dem preislich deutlich zugänglicheren Mittelklasse-Tonic von seiner besten Seite, ohne dass die Bewertung darunter leidet.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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