Herstellung des Santa Teresa 1796:
Die Hacienda Santa Teresa in der venezolanischen Provinz Aragua wurde bereits 1796 von Martín Tovar Ponte gegründet und zählt damit zu den traditionsreichsten Rum-Häusern Venezuelas. 1885 erwarb Gustavo Julio (Gustav Julius) Vollmer aus der deutschstämmigen Familie Vollmer das Gut; die Marke wurde 1909 eingetragen, während der Beginn der Rum-Produktion je nach Quelle auf 1830, 1896 oder 1911 datiert wird. Bis heute befindet sich das Unternehmen in Familienbesitz; Alberto C. Vollmer, der die Geschäfte in fünfter Generation führt, hat die Hacienda zu einer der bekanntesten Premium-Rum-Marken Venezuelas ausgebaut. International bekannt ist Santa Teresa zudem für sein soziales Engagement: Seit 2003 holt das Projekt "Proyecto Alcatraz" junge Bandenmitglieder aus der Region über Arbeit und Rugby-Training in ein ziviles Leben zurück – nach Angaben des Hauses rund 200 junge Menschen.
Der 1796 ist die Premium-Abfüllung des Hauses und wird nach dem klassischen Solera-Verfahren hergestellt, bei dem jüngere Rums schrittweise mit älteren Fassbeständen – nach einer Quelle von vier bis zu 35 Jahren – vermählt werden, ein Verfahren, das ursprünglich aus der spanischen Sherry-Produktion stammt. Destilliert wird mit einer Kombination aus Pot Stills und Kolonnen, gereift in Fässern aus amerikanischer und französischer Eiche, was dem 1796 seine Komplexität verleiht. Mit 40 % vol. bleibt der Rum dabei zugänglich genug für den puren Genuss. Mehr zum Haus hinter der Marke steht in unserem Porträt: Santa Teresa in Venezuela.
Verkostung des Santa Teresa 1796:
In der Nase präsentiert sich der 1796 in tiefem Mahagoni und zeigt Trockenfrucht, Karamell und eine feine Sherry-Würze, die von einem Hauch reifer Rosine und dunkler Nuss begleitet wird. Am Gaumen zeigt sich der Rum komplex und vollmundig, mit klar erkennbarer Trockenfrucht und Karamell sowie einer warmen, leicht rauchigen Würze, die für zusätzliche Tiefe sorgt. Das Zusammenspiel aus Pot-Still- und Kolonnen-Destillaten sowie der Solera-Reifung macht sich dabei als vielschichtige Mischung aus Frucht, Röstung und Süße bemerkbar, ohne dass eine einzelne Note zu dominant wirkt. Der Abgang ist lang und klingt mit nachklingender Eichen- und Fruchtsüße aus, begleitet von einem Hauch Rauch. Diese vielschichtige, fassgeprägte Statur macht den 1796 zu einem der komplexesten Rums Venezuelas.
Steckbrief Santa Teresa 1796:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Basis: Melasse aus Zuckerrohr
Fassreifung: Solera-Verfahren, Destillate nach einer Quelle von 4 bis 35 Jahren, amerikanische und französische Eiche
Hersteller: Hacienda Santa Teresa, Aragua, Venezuela
Herstellung im Detail: Pot Still, Kolonne und Solera
Grundlage ist Melasse aus Zuckerrohr, das nach Herstellerangaben auf dem Gut und bei Bauern der Region wächst. Destilliert wird mit einer Kombination aus Pot Stills und Kolonnen, sodass ein Spektrum von leichteren und schwereren Rums entsteht, das später im Blend wieder aufgegriffen wird. Gereift wird in Fässern aus amerikanischer und französischer Eiche; nach venezolanischem Recht muss Rum mindestens zwei Jahre im Fass liegen, bevor er als gereift verkauft werden darf.
Im Solera-System wird jeweils ein Teil des ältesten Fasses abgefüllt und mit jüngerem Rum aufgefüllt, sodass jede Flasche Anteile älterer Jahrgänge enthält. Das Haus betreibt nach eigenen Angaben mehr als 30 Soleras; nach Angaben eines Fachmagazins entstand die erste Solera im Haus 1992. Die Abfüllung, aus der später der 1796 hervorging, erschien 1996 zum 200. Jubiläum der Hacienda. Innerhalb eines dynamischen Solera-Systems werden die unterschiedlich gereiften Bestände kontinuierlich neu vermählt, sodass mit jeder Abfüllung ein komplexes, aber konsistentes Geschmacksbild entsteht. Stilistisch wirkt der 1796 dabei etwas trockener und weniger dominant süß als viele gesüßte Solera-Rums.
Verwendung des Santa Teresa 1796
- Pur oder mit einem Tropfen Wasser: So entfalten sich die unterschiedlichen Fassnoten am deutlichsten.
- Rum Old Fashioned: Die fruchtig-würzige Komplexität macht den 1796 zu einer hervorragenden Basis für diesen Klassiker.
- Als Digestif nach dem Essen: Im Tulpenglas bei Zimmertemperatur entfaltet sich das volle Aromenspektrum.
- Zu Trockenfrüchten oder dunkler Schokolade: Die Rosinen- und Karamellnoten harmonieren hervorragend mit intensiven Süßspeisen.
- Mit einem Espresso danach: Die Röstnoten des 1796 ergänzen sich gut mit einem starken, dunklen Kaffee zum Ausklang.
Im Vergleich zu anderen südamerikanischen Solera-Rums wie dem guatemaltekischen Ron Zacapa 23 zeigt der Santa Teresa 1796 durch den Pot-Still-Anteil eine weniger einheitlich süße Stilistik. Innerhalb des venezolanischen Rum-Segments zählt er neben dem Diplomático Reserva Exclusiva zu den bekannten Vertretern gereifter Premium-Rums aus dem Land. Preislich bewegt sich der 1796 im Premium-Segment und rechtfertigt dies durch die aufwendige Solera-Reifung – wobei Santa Teresa sich stilistisch etwas trockener und weniger dominant süß präsentiert als das ebenfalls fasslastige, aber deutlich weichere Diplomático-Sortiment.
Einordnung & Alternativen
- Ron Zacapa 23 Solera Rum – weicher und gleichmäßiger süß, ebenfalls im Solera-Stil.
- Diplomático Reserva Exclusiva Rum – ähnlich preispositioniert, aber runder und weniger trocken im Abgang.
- Ron Millonario Solera 15 Reserva Especial – aus Peru, mit stärkerer Sherryfass-Prägung.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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