Die Kombination im Überblick
Tanqueray No. Ten Gin ist die Premium-Abfüllung des Londoner Traditionshauses, die seit dem Jahr 2000 auf frische statt getrocknete Zitrusfrüchte setzt: Ganze weiße Grapefruits, Orangen und Limetten werden von Hand geviertelt und zum sogenannten „Citrus Heart" destilliert, wobei rund 40 Prozent des Destillats zugunsten maximaler Reinheit verworfen werden – ein Verfahren, das den No. Ten deutlich heller und zitrusintensiver macht als den klassischen Tanqueray London Dry Gin. 1724 Tonic Water verfolgt einen entgegengesetzten Ansatz zur Zurückhaltung: handgeerntete Chinarinde aus dem peruanischen Hochland, Patagonien-Quellwasser und eine feine Mandarinennote, ursprünglich für den kräuterbetonten Gin Mare entwickelt. Anders als beim eigens vom Hersteller empfohlenen Fever-Tree Premium Indian Tonic Water handelt es sich bei dieser Paarung um keine offizielle Empfehlung, sondern um die Frage, ob ein derart mildes, mandarinbetontes Tonic der ausgefeilten Frischzitrusfülle des No. Ten tatsächlich gerecht werden kann – oder ob ihr dabei etwas Entscheidendes fehlt.
Warum diese Kombination funktioniert
Das Citrus Heart des No. Ten lebt von der Reinheit und Helligkeit frischer Grapefruit, Orange und Limette, unterlegt von einer feinen Kamillennote. Das 1724 tritt dieser Fülle nicht mit einer eigenen, profilierten Aromenlinie entgegen, wie es etwa das Bitterorangenöl im Fever-Tree Premium Indian tut, sondern bleibt bewusst zurückhaltend: kaum Bitterkeit, eine dezente Süße, eine milde Mandarinennote. Das Ergebnis ist ein Drink, der die Zitrusfülle des Gins nicht verstärkt oder mit ihr in einen aktiven Dialog tritt, sondern sie lediglich sanft umschließt – weicher und runder, aber auch weniger prägnant als beim Zusammenspiel mit einem chininbetonteren Partner. Die Kamillenblüte des No. Ten bleibt dabei gut erkennbar, weil kein dominantes Tonic-Aroma sie überlagert, und auch die spürbare Grapefruit- und Limettensäure des Gins bekommt durch die zurückhaltende Süße des 1724 genug Raum, ohne von ihr übertönt zu werden. Was der Kombination fehlt, ist der von Fever-Tree bekannte Echo-Effekt, bei dem die Bitterorangen-Note des Tonics gezielt an die Orangenseite des Citrus Heart andockt und sie hörbar verstärkt – beim 1724 bleibt dieser Effekt aus, weil ihm dafür schlicht das eigene Aroma fehlt.
Verkostung der Kombination
In der Nase zeigt sich eine helle, saftige Zitrusfülle aus Grapefruit und Orange, ergänzt um die milde Mandarinennote des Tonics und einen zarten Hauch Kamille. Am Gaumen wirkt der Drink weich und rund: Die Limetten- und Grapefruitsäure des No. Ten bleibt präsent, wird aber weniger scharf konturiert als bei einem strukturgebenderen Tonic, während die dezente Süße des 1724 die Kombination insgesamt zugänglicher und gefälliger macht. Komplexität entsteht eher durch das feine Zusammenspiel der verschiedenen Zitrusfrüchte selbst als durch ein zusätzliches Aroma des Tonics. Der Abgang ist mittellang, zitrusbetont und angenehm sauber, mit einem letzten, leisen Hauch Kamille und Mandarine – ein heller, unaufgeregter Gin & Tonic, dem im Vergleich zu den anderen No.-Ten-Kombinationen im Katalog etwas an Struktur und Prägnanz fehlt.
Serviervorschlag
Im großen Ballonglas mit reichlich Eis servieren, in einem Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic), damit die feine Zitrusfülle nicht zu stark verdünnt wird. Als Garnitur eignet sich, wie auch bei den anderen No.-Ten-Kombinationen üblich, eine Zeste weißer Grapefruit besonders gut, da sie der insgesamt etwas weicheren Kombination zusätzliche Frische und Kontur verleiht, die das milde Tonic allein nicht liefert. Auf süße oder kräuterige Garnituren sollte verzichtet werden, um die ohnehin schon zurückhaltende Struktur des Drinks nicht noch weiter zu verwässern.
Einordnung & Vergleich
Der direkte Vergleich zur vom Hersteller selbst empfohlenen Kombination Tanqueray No. Ten Gin & Fever-Tree Premium Indian Tonic Water macht den Unterschied deutlich: Dort verstärkt das natürliche Bitterorangenöl gezielt die Orangenseite des Citrus Heart und verleiht dem Drink einen spürbaren, fein austarierten Kontrast aus Säure und Bitterkeit. Das 1724 verzichtet auf diesen aktiven Part und liefert stattdessen eine deutlich mildere, mandarinbetontere Interpretation, die eher an einen leichten Sommerdrink als an die vom Hersteller intendierte, strukturierte Zitrusbetonung erinnert. Auch gegenüber der ebenfalls puristisch ausgerichteten Kombination mit Franklin & Sons Premium Indian Tonic Water, die dem Gin mit klassischer, aber zurückhaltender Chinin-Struktur begegnet, wirkt das 1724 noch eine Stufe leiser – wo Franklin & Sons dem No. Ten Halt gibt, ohne ihm zu widersprechen, lässt das 1724 ihn fast völlig sich selbst überlassen. Wer die helle Frische des Citrus Heart pur und ohne jede tonic-eigene Prägung erleben möchte, kann mit dem 1724 gut fahren; wer die vom Hersteller vorgesehene, strukturiertere Zitrusbetonung sucht, ist mit den beiden anderen Kombinationen besser beraten.
Fazit
4/5 Punkte. Eine durchaus angenehme, aber merklich weichere und weniger prägnante Variante des No. Ten als die beiden vom Hersteller näher stehenden Kombinationen mit Fever-Tree Premium Indian und Franklin & Sons. Empfehlenswert für alle, die den No. Ten als leisen, milden Sommerdrink ohne viel Eigencharakter des Tonics genießen möchten. Wer dagegen die ausgefeilte Zitrusarchitektur des Citrus Heart in ihrer vollen, vom Hersteller intendierten Struktur erleben will, sollte eher zur Fever-Tree- oder Franklin-&-Sons-Kombination greifen – als Alternative für ruhigere Momente bleibt das 1724 dennoch eine solide, wenn auch nicht die aufregendste Wahl.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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