Herstellung des Williams Chase Seville Orange Gin:
Der Williams Chase Seville Orange Gin stammt wie der klassische Chase GB Extra Dry Gin aus der Chase Distillery von William Chase, dem früheren Gründer der Kartoffelchips-Marke Tyrrells, der nach deren Verkauf 2008 auf seiner Rosemaund Farm in Herefordshire mit dem Brennen von Kartoffelspirituosen begann. Die "Williams"-Linie trägt dabei bewusst seinen eigenen Vornamen und bildet innerhalb des Chase-Sortiments die Reihe der aromatisierten Gins, zu der neben der Sevilla-Orange auch Sorten wie Rhabarber oder rosa Grapefruit gehören – abgegrenzt vom puristischeren Chase GB, der als reiner London-Dry-Stil firmiert. Basis ist auch hier das hauseigene Kartoffeldestillat, das auf demselben Hof angebaut und in der markentypischen, rund 21 Meter hohen Rektifikationskolonne der Destillerie in Preston Wynne bis zu 119-mal umgewälzt und dadurch besonders rein gebrannt wird – ein aufwendigeres, aber für Chase charakteristisches Verfahren, das dem fertigen Gin seine samtige Grundtextur verleiht.
Für den Seville Orange Gin wird dieses Kartoffeldestillat zunächst mit einem kleinen Satz an Botanicals wie Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Süßholz, Holunderblüte und Bittermandel neu gebrannt, bevor der eigentliche Clou folgt: Schalen von Sevilla-Orangen, jener bitteren Orangensorte, die traditionell vor allem zu Marmelade verarbeitet wird, mazerieren rund zwölf Stunden lang im fertigen Destillat, statt gemeinsam mit den übrigen Botanicals mitgebrannt zu werden. Dieses nachgelagerte Aroma-Bad sorgt dafür, dass die charakteristische Bitterkeit und die ätherischen Öle der Schale besonders frisch und direkt im Glas ankommen, statt durch den Brennvorgang geglättet zu werden. Die Idee zu dieser Spirituose entstand bei Chase, nachdem die hauseigene Sevilla-Orangen-Marmeladen-Wodka-Variante gut ankam und die Destillerie beschloss, dasselbe Aroma auch für einen Gin zu erschließen; manche Händler führen das Produkt seither wahlweise unter dem Namen "Chase Seville Marmalade Gin", was auf genau diese Herkunft aus der Marmeladentradition verweist.
Verkostung des Williams Chase Seville Orange Gin:
In der Nase zeigt sich der Williams Chase Seville Orange Gin hell und ausgesprochen zitrisch, mit intensiver, leicht bitterer Sevilla-Orangenschale im Zentrum, umspielt von natürlichen floralen Ölen und einem zarten Hauch Zitronenzeste. Am Gaumen ist er trockener, als man es von einem Citrus-Gin erwarten würde: Zunächst tritt Holunderblüte fragrant hervor, gefolgt von der markanten, leicht marmeladigen Bitterorangen-Note, die von Wacholder und einer feinen Koriander-Würze getragen wird, ohne dass der Wacholder dominant würde – er bleibt hier klar in unterstützender Rolle. Der Abgang ist warm und trocken, mit einem letzten Aufblitzen von Koriander und bitterer Orangenschale, das angenehm lange nachklingt. Die samtige Textur der Kartoffelbasis sorgt dafür, dass selbst die kräftige Bitterorangen-Note nie kantig oder aufdringlich wirkt, sondern rund bleibt.
Steckbrief Williams Chase Seville Orange Gin:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Zutaten: Kartoffel-Basisdestillat, Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Süßholz, Holunderblüte, Bittermandel, Sevilla-Orangenschale (zwölfstündige Mazeration)
Hersteller: Chase Distillery Ltd., Rosemaund Farm, Herefordshire, England
Herstellung im Detail: Warum Mazeration statt Mitdestillation
Anders als bei den zehn bis zwölf Botanicals eines klassischen London Dry Gin, die meist gemeinsam im Brennkessel oder per Dampfinfusion verarbeitet werden, setzt Chase beim Seville Orange Gin bewusst auf ein zweistufiges Verfahren: Die "trockenen" Botanicals wie Wacholder, Koriander und Angelikawurzel werden klassisch mitdestilliert, während die Sevilla-Orangenschale erst danach im fertigen Destillat zieht. Der Grund dafür liegt in der Chemie der Zitrusschale: Ätherische Orangenöle können beim Mitbrennen leicht bittere oder seifige Noten entwickeln, wenn sie zu lange Hitze ausgesetzt sind. Eine nachträgliche Kaltmazeration – hier über zwölf Stunden – bewahrt dagegen die frischen, teils marmeladigen Aromen der Schale deutlich besser und erlaubt es der Destillerie, die Intensität der Orangennote gezielt über die Ziehzeit zu steuern. Dieses Verfahren ist unter Flavoured-Gin-Herstellern durchaus verbreitet, bei Chase aber besonders eng mit der eigenen Kartoffelbasis verzahnt: Weil das Grunddestillat bereits ungewöhnlich rein und texturgebend ist, kann die Sevilla-Orange ihre Aromatik voll entfalten, ohne von einem schwereren Getreidedestillat überlagert zu werden.
Verwendung des Williams Chase Seville Orange Gin
- Gin & Tonic: Ein mildes, nicht zu süßes Tonic wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water unterstreicht die Bitterorangen-Note, ohne sie zu erdrücken; eine Scheibe Blutorange oder ein Streifen Orangenzeste als Garnitur rundet das Glas stimmig ab.
- French 75 / Gin Mule: Dank seiner ausgeprägten Zitrusnote eignet sich der Seville Orange Gin gut für spritzige Longdrinks wie einen French 75 oder Gin Mule, in denen die Bitterorange als eigenständiges Element hervortreten kann.
- Pur oder auf Eis: Wer die feine Balance aus Süße, Bitterkeit und der samtigen Kartoffeltextur pur erleben möchte, sollte den Gin zunächst ganz ohne Tonic probieren.
Der Williams Chase Seville Orange Gin richtet sich an alle, die Zitrus-Gins mögen, sich dabei aber mehr Tiefe wünschen als reine Süße. Im Vergleich zum puristischen, wacholderbetonten Chase GB Extra Dry Gin aus derselben Destillerie tauscht er dessen klare Trockenheit gegen eine deutlich fruchtig-bittere Citrus-Handschrift, behält aber dieselbe samtige Kartoffelbasis als gemeinsamen Nenner beider Produkte. Der gehobene Preis im Premium-Segment lässt sich durch die aufwendige Kartoffel-Rektifikation und die separate Mazeration der Orangenschale gut begründen. Innerhalb der Kategorie aromatisierter Gins gehört er dank seiner ungewöhnlichen Basisspirituose und der eigenständigen Mazerationstechnik zu den charaktervolleren Vertretern seines Genres – ein Gin für alle, die Chase' "Farm-to-Bottle"-Philosophie auch in einer fruchtig-würzigen Variante erleben möchten.
Einordnung & Alternativen
- Malfy Gin Con Limone – setzt auf reine, strahlende Zitronenfrische statt auf die bittersüße Marmeladen-Note der Sevilla-Orange und ist zudem günstiger positioniert.
- Tanqueray Rangpur Gin – ebenfalls zitrusbetont, aber mit limettig-mandarinenartiger Rangpur-Limette statt Bitterorange und einer breiteren, mainstreamigeren Verfügbarkeit.
- Puerto de Indias Strawberry Gin – wer statt Bitterorange eine deutlich süßere, erdbeerfruchtige Richtung sucht, findet hier das fruchtig-unkomplizierte Gegenstück.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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