Herstellung des Trois Rivières X.O.:
Die Geschichte von Trois Rivières reicht bis ins Jahr 1660 zurück, als Nicolas Fouquet, der Finanzminister Ludwigs XIV., im Süden Martiniques eine große Landkonzession von rund 2.000 Hektar erhielt. Fouquet fiel jedoch in Ungnade, bevor er seine Pläne verwirklichen konnte, und das Anwesen wechselte in den folgenden Jahrzehnten mehrfach den Besitzer, ehe ab 1770 die Zuckerproduktion in größerem Umfang begann. 1905 übernahm der Industrielle Amédée Aubéry das Anwesen und stellte die Produktion vollständig von Zucker auf Rhum um. Ihren Namen erhielt die Marke von den drei Wasserläufen Osman, Bois d'Inde und Saint-Pierre, die die rund 1.700 Hektar große Zuckerrohrplantage umgeben – eine geografische Besonderheit, die sich bis heute im markanten Logo der Flaschen widerspiegelt. 1953 erwarb die Familie Marraud des Grottes das Anwesen und vermarktete den Rhum zunächst unter dem Namen Duquesne, bevor 2004 die Produktion in die neue Anlage nach Rivière-Pilote verlegt wurde, wo bis heute die historische Destillationskolonne des ursprünglichen Standorts weiterverwendet wird.
Wie bei allen Rhum-Agricole-Häusern Martiniques wird auch bei Trois Rivières frisch gepresster Zuckerrohrsaft statt Melasse destilliert – ein Verfahren, das unter der geschützten Herkunftsbezeichnung AOC Martinique genauen Vorgaben zu Zuckerrohrsorten, Erntezeitpunkt und Destillationsverfahren unterliegt. Für den X.O. reift das Destillat mindestens sechs Jahre in Eichenfässern unter dem tropischen Klima der Insel, was die Fassreifung im Vergleich zu gemäßigteren Klimazonen deutlich beschleunigt und dem X.O. bereits nach dieser Zeit spürbare Tiefe verleiht.
Verkostung des Trois Rivières X.O.:
In der Nase zeigt sich der X.O. golden-kupferfarben mit einer harmonischen Mischung aus mazerierten Früchten, Lakritz und feinen Gewürzen; nach kurzer Zeit im Glas treten zusätzlich Quittenpaste, Curry und ein Hauch Zigarrenaroma hervor. Am Gaumen präsentiert sich der Rhum strukturiert und holzbetont, mit würzigen Noten, die sich zu süßem Pfeffer hin entwickeln, während die für Rhum Agricole typische Zuckerrohrfrische im Hintergrund erhalten bleibt. Der Abgang ist lang und anhaltend, geprägt von Lakritznoten und einem mineralischen Unterton. Mit 43 % vol. ist der X.O. kräftiger als der hausübliche VSOP und zeigt die für gereifte Agricoles typische Kombination aus Fasswürze und verbliebener Zuckerrohr-Eleganz.
Steckbrief Trois Rivières X.O.:
Alkoholgehalt: 43 % vol.
Basis: Frisch gepresster Zuckerrohrsaft (Rhum Agricole)
Fassreifung: Ex-Bourbon-/Eichenfässer, mindestens 6 Jahre
Hersteller: Distillerie Trois Rivières, Rivière-Pilote, Martinique
Herstellung im Detail: Die Windmühle als Wahrzeichen
Auf dem historischen Anwesen von Trois Rivières steht bis heute eine alte Windmühle, die einst zur Zuckerrohrverarbeitung diente und die die Destillerie inzwischen als Wahrzeichen und wiederkehrendes Bildmotiv auf mehreren ihrer Abfüllungen nutzt – ein sichtbarer Verweis auf die lange landwirtschaftliche Geschichte des Anwesens, die bis in die Zuckerrohrzeit des 17. und 18. Jahrhunderts zurückreicht. Auch nach dem Umzug der eigentlichen Produktion nach Rivière-Pilote im Jahr 2004 blieb die historische Destillationskolonne vom ursprünglichen Standort in Betrieb, sodass der Charakter des Destillats trotz des neuen Produktionsstandorts weitgehend erhalten blieb. Für den X.O. wählt Trois Rivières gezielt ältere Fasspartien aus dem Portfolio der Destillerie aus, die über die reguläre AOC-Mindestreifezeit hinaus gelagert wurden, um eine erkennbar dichtere, komplexere Struktur zu erreichen als bei den jüngeren VO- und VSOP-Abfüllungen des Hauses.
Verwendung des Trois Rivières X.O.
- Pur, bei Zimmertemperatur: So entfalten sich Lakritz-, Gewürz- und Zuckerrohrnoten des X.O. am vollständigsten.
- Rum Old Fashioned: Die würzig-holzige Struktur des X.O. verleiht diesem Klassiker eine für Rhum Agricole ungewöhnlich kräftige, kantige Note.
- Ti' Punch (gehobene Variante): Auch als Basis für Martiniques Nationaldrink zeigt der X.O. eine deutlich gereiftere Seite als jüngere weiße Agricoles.
- Zu dunkler Schokolade oder Zigarrenbegleitung: Die Gewürz- und Röstnoten des X.O. eignen sich gut als Digestif zu intensiven Aromen.
Innerhalb des eigenen Sortiments markiert der X.O. die gereifteste reguläre Stufe oberhalb von VO und VSOP und zeigt, wie stark sich der grasig-frische Charakter des jungen Agricole durch mehrjährige Fassreifung zu einer würzig-holzigen Komplexität wandelt. Im Vergleich zum Clément VSOP aus der Nachbarregion Le François wirkt der Trois-Rivières-X.O. spürbar kräftiger und würziger, was auch am höheren Alkoholgehalt und der längeren Reifezeit liegt. Wer die Bandbreite der Martinique-Agricoles jenseits der bekanntesten Häuser entdecken möchte, findet in Trois Rivières mit seiner jahrhundertealten Anbaugeschichte und dem markanten Windmühlen-Logo einen der traditionsreichsten, aber international noch immer unterschätzten Namen der Insel. Bei den Rum & Cachaça Masters 2025 wurde der X.O. mit einer Master-Medaille ausgezeichnet, was die anhaltende Qualität der Abfüllung auch aus unabhängiger Fachjury-Perspektive bestätigt.
Auch verpackungsseitig hat sich das Haus zuletzt weiterentwickelt: Die gesamte gereifte Rhum-Linie wurde optisch überarbeitet, wobei nach Angaben der Destillerie der Inhalt der einzelnen Abfüllungen unverändert blieb – die Neugestaltung betraf also ausschließlich Etikett und Flaschendesign, nicht die eigentliche Assemblage oder Fassreifung des X.O. Für Sammler und Wiedereinsteiger bedeutet das, dass ältere und neuere Flaschen desselben X.O. geschmacklich vergleichbar bleiben sollten, auch wenn sich die äußere Aufmachung der Reihe im Zeitverlauf verändert hat.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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