Die Kombination im Überblick
Greenall's Wild Berry Gin baut auf der seit 1761 in Warrington produzierten Original-Rezeptur von G&J Distillers auf und wird nach der Destillation mit schottischen Brombeeren und Himbeeren versetzt – ganz ohne zugesetzten Zucker, was die Marke ausdrücklich als "Sugar-free Flavoured Gin" bewirbt. Auf das Franklin & Sons Rhubarb Tonic Water with Hibiscus trifft damit ein Gin, dessen Fruchtsüße ausschließlich aus den Beeren selbst stammt, auf ein Tonic, das seine kräftige Rotfärbung ebenfalls allein aus natürlichem Hibiskus-Extrakt bezieht, ohne künstliche Farb- oder Süßstoffe. Beide Produkte verfolgen damit eine ähnliche Philosophie – Fruchtcharakter aus der Zutat selbst statt aus zugesetztem Zucker oder Aroma –, kommen dabei aber von unterschiedlichen Seiten: Greenall's verzichtet bewusst ganz auf zusätzliche Süße, während Franklin & Sons zwar Zucker verwendet, die Rhabarber- und Hibiskusnoten aber ebenfalls konsequent aus echten Fruchtaromen gewinnt statt aus künstlichen Zusätzen. Anders als die kalt zugesetzten Extrakte, mit denen etwa der Brockmans Premium Gin seine Beerennoten erzeugt, wird die Wild-Berry-Variante nach der Destillation lediglich mit natürlichem Frucht-Aroma versehen – ein drittes, wiederum eigenständiges Verfahren, das zeigt, wie unterschiedlich sich beerenbetonte Gins heute herstellen lassen.
Warum diese Kombination funktioniert
Der Wild Berry Gin bringt aus seiner Greenall's-Basis noch ein Mindestmaß an Koriander- und Angelikawurzel-Struktur mit, die im fertigen Gin zwar deutlich zurücktritt, aber nicht vollständig verschwindet. Genau dieses Rückgrat trifft im Rhubarb-Hibiscus-Tonic auf eine Chinarinden-Basis, die ihre eigene Bitterkeit bewusst zurückhält, um der Frucht Raum zu lassen – zwei Komponenten, die einander in derselben Zurückhaltung begegnen, statt sich gegenseitig zu überdecken. Weil dem Wild Berry Gin selbst jeder zugesetzte Zucker fehlt, übernimmt die moderate, aus echtem Rohrzucker stammende Süße des Tonics eine wichtige Ausgleichsfunktion: Sie rundet die reine, unverfälschte Himbeer- und Brombeernote des Gins ab, ohne sie in Richtung Sirup zu verschieben. Die herbe Hibiskusblüte und die eingekochte Rhabarbernote des Tonics steuern zusätzlich eine leicht säuerliche Gegenspielerin bei, die den insgesamt hellen, unkomplizierten Beerencharakter des Gins um eine dunklere, herbere Facette ergänzt.
Verkostung der Kombination
In der Nase zeigt sich eine helle, unverkennbar fruchtige Himbeer- und Brombeernote, die sich mit der eingekochten Rhabarbernote und dem blumig-herben Hibiskus des Tonics zu einem vielschichtigen Beerenbild verbindet. Am Gaumen wirkt der Drink angenehm ausgewogen: Die natürliche Beerensüße des Gins trifft auf eine moderate, nie aufdringliche Süße des Tonics, während Rhabarber und Hibiskus für eine leichte, erfrischende Säure sorgen, die den Gesamteindruck vor reiner Süße bewahrt. Koriander und Angelikawurzel bleiben als feiner Unterton im Hintergrund erkennbar. Der Abgang ist mittellang, fruchtig-herb und schließt mit einem letzten Hauch Hibiskus, der die kräftige Farbe des Tonics auch geschmacklich noch einmal bestätigt – ein rundes, aber nicht eindimensionales Fruchtbild.
Serviervorschlag
Serviert wird die Kombination am besten im großen Ballonglas mit reichlich Eis im Verhältnis von etwa 1:3. Frische oder tiefgefrorene Himbeeren und Brombeeren als Garnitur unterstreichen den fruchtigen Charakter des Gins zusätzlich, ganz wie es der Hersteller selbst für den Wild Berry Gin empfiehlt; alternativ passt auch eine getrocknete Hibiskusblüte, die die Rotfärbung des Tonics optisch aufgreift. Auf zusätzliche Zitrusgarnituren sollte eher verzichtet werden, da sie eine dritte, nicht angelegte Säurenote einführen würden, die der fein austarierten Balance zwischen Beerenfrucht und Rhabarber-Hibiskus eher im Weg steht.
Einordnung & Vergleich
Der direkte Vergleich mit dem Gordon's Premium Pink Gin am selben Tonic zeigt einen interessanten Unterschied: Der Gordon's Pink bringt seine eigene, bereits ausbalancierte Süße samt leichter Johannisbeersäure mit, während der Wild Berry Gin ganz auf zugesetzten Zucker verzichtet und stattdessen auf die moderate Süße des Tonics selbst angewiesen ist, um nicht zu herb zu wirken – zwei unterschiedliche Wege, mit derselben Grundfrage umzugehen. Innerhalb der eigenen Greenall's-Familie zeigt sich außerdem, wie flexibel sich die über 260 Jahre alte Original-Rezeptur des Hauses in fruchtigere Richtungen entwickeln lässt, ohne die Wacholder-Basis vollständig aufzugeben. Wer stattdessen erleben möchte, wie dasselbe Tonic mit einem konsequent kräuterbetonten, gar nicht fruchtigen Gin harmoniert, findet in der Kombination mit dem The Botanist Islay Dry Gin den passenden Gegenentwurf.
Fazit
4/5 Punkte. Eine stimmige, angenehm unaufdringliche Beerenkombination, die von der zuckerfreien Machart des Greenall's Wild Berry profitiert: Weil der Gin selbst keine zusätzliche Süße mitbringt, kann das Tonic seine eigene, moderate Süße gezielt zum Ausgleich einsetzen, statt zu einem insgesamt zu süßen Drink beizutragen. Für die Höchstwertung fehlt es an zusätzlicher botanischer Tiefe – wer mehr Komplexität sucht, sollte zu einer der struktureicheren Kombinationen des Katalogs greifen. Für alle, die einen natürlichen, nicht überzuckerten Fruchtgin & Tonic bevorzugen, ist diese Paarung dagegen eine der ehrlichsten Optionen im gesamten Rhubarb-Hibiscus-Programm.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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