Herstellung des Smith & Cross Traditional Jamaica Rum:
Smith & Cross wird von Hayman Distillers herausgebracht, jener Londoner Brennerei-Familie, die vor allem für ihre Gins bekannt ist, mit diesem Rum aber seit 2009 auch der jamaikanischen Pot-Still-Tradition ein eigenes, unverfälschtes Denkmal setzt. Namensgeber ist die historische Handelsfirma Smith & Cross, die im 19. Jahrhundert Jamaika-Rum nach London importierte – ein Bezug, der die lange Handelsroute zwischen der Karibik und den britischen Häfen aufgreift, ohne sich auf ein einzelnes, lückenlos belegtes Gründungsjahr zu berufen. Das Destillat stammt aus reinem Pot-Still-Betrieb in Jamaika, mit enger Anbindung an die Hampden Estate, eine der ältesten und für ihren intensiv esterreichen Stil berühmtesten Destillerien der Insel.
Basis ist Melasse sowie Zuckerrohrsaft und -sirup aus der hauseigenen Mühle. Entscheidend für den Charakter ist die wilde Spontanfermentation und die Zugabe von Dunder – konzentrierten, esterreichen Rückständen früherer Destillationen –, wodurch sich schwere, hocharomatische "Wedderburn"-Stile entwickeln, wie sie in Jamaika traditionell für Rum mit besonders hohem Estergehalt verwendet werden. Smith & Cross verschneidet diesen schweren Rum mit einem mittelschweren "Plummer"-Stil; beide Komponenten reifen 18 Monate bis drei Jahre in gebrauchten Bourbonfässern, bevor sie zusammengeführt und mit satten 57 % vol. – traditioneller "Navy Strength" – abgefüllt werden. Damit gehört Smith & Cross zu den intensivsten, esterreichsten Pot-Still-Rums, die kommerziell erhältlich sind, und wird von der Marke bewusst nicht als Sipping-Rum, sondern als Arbeitspferd für die Bar positioniert. Die Abfüllstärke von 57 % vol. orientiert sich an der historischen "Navy Strength" – jener Stärke, bei der Schießpulver auch nach einem Rum-Verschütten noch entzündbar blieb, ein früher, pragmatischer Qualitätstest der Royal Navy. Assembliert und abgefüllt wird der fertige Rum in enger Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Spirituosenhändler E&A Scheer, der seit Generationen zu den wichtigsten Umschlagplätzen für jamaikanischen Rum in Europa zählt.
Verkostung des Smith & Cross Traditional Jamaica Rum:
In der Nase begegnet einem sofort die typische Jamaika-Funkyness: oxidierte Ananas, Nelke, schwarzer Pfeffer und scharfe Chiliwürze mischen sich mit Zimt, Tabak und einem Hauch Vanille aus dem Fasskontakt. Am Gaumen zeigt sich der Rum buttrig-cremig, mit Tabaknoten und tropischer Frucht, durchzogen von Zimt- und Nelkenwürze, die den hohen Alkoholgehalt spürbar, aber nicht unangenehm scharf transportiert. Der Abgang ist cremig und lang anhaltend, mit nachwirkendem Feuer und Gewürz sowie einer eingemachten, tropischen Fruchtnote, die an Dosenananas erinnert. Für ungewohnte Gaumen kann diese Intensität zunächst herausfordernd wirken – genau darin liegt aber der Reiz für alle, die den unverdünnten, ungeschönten Charakter traditionellen Jamaika-Rums kennenlernen wollen.
Steckbrief Smith & Cross Traditional Jamaica Rum:
Alkoholgehalt: 57 % vol.
Basis: Melasse, Zuckerrohrsaft und -sirup
Fassreifung: Ex-Bourbon-Fässer, 18 Monate bis 3 Jahre
Hersteller: Hayman Distillers, in Verbindung mit Hampden Estate, Jamaika
Herstellung im Detail: Wedderburn- und Plummer-Stil im Verschnitt
Die jamaikanische Pot-Still-Tradition unterscheidet historisch mehrere Estergehalt-Klassen, benannt nach den Handelshäusern, die sie einst prägten. Der schwere Wedderburn-Stil entsteht durch lange, wilde Fermentation unter Zugabe von Dunder, wodurch sich während der Gärung erhebliche Mengen an Estern bilden – jenen chemischen Verbindungen, die für die intensive tropische Fruchtaromatik verantwortlich sind. Der leichtere Plummer-Stil durchläuft eine kürzere, kontrolliertere Fermentation und liefert einen runderen, weniger extremen Grundkörper. Laut Hersteller verschneidet Smith & Cross beide Stile bewusst, um einerseits die charakteristische Funkyness zu bewahren, andererseits eine gewisse Trinkbarkeit und Mixbarkeit zu erhalten. Dieses Zusammenspiel aus Fermentationsdauer, Dunder-Zugabe und reiner Pot-Still-Destillation erklärt, warum jamaikanischer Rum stilistisch so weit von den leichteren, meist säulendestillierten Rums Kubas oder Puerto Ricos entfernt liegt.
Verwendung des Smith & Cross Traditional Jamaica Rum
- Pur oder auf Eis: Nur für erfahrene Rum-Trinker geeignet – die 57 % vol. und die intensive Esterwürze verlangen Gewöhnung.
- Jamaican Mai Tai: Der Klassiker schlechthin: Smith & Cross bringt genau jene funky Tiefe, die einen Mai Tai von einem gewöhnlichen Fruchtcocktail unterscheidet.
- Jungle Bird: Mit Campari, Ananassaft und Limette entsteht ein moderner Tiki-Klassiker, in dem sich die Ananas- und Gewürznoten des Rums perfekt entfalten.
- Zu würzigem Karibik-Gebäck: Rumkuchen mit Nelke und Zimt spiegelt die Aromatik des Rums wider, ohne mit ihr zu konkurrieren.
- Als Blend-Baustein: Auch in kleinen Mengen zu anderen, leichteren Rums gegeben, verleiht Smith & Cross jedem Drink zusätzliche Tiefe und Würze.
Innerhalb der Jamaika-Rum-Welt markiert Smith & Cross bewusst das intensive Ende des Spektrums – ein Gegenentwurf zu den weichen, zugänglichen Trinidad- oder Guyana-Stilen, wie sie etwa der Angostura 7 Jahre verkörpert. Während solche Rums auf Ausgewogenheit setzen, feiert Smith & Cross gerade die Ecken und Kanten des Pot-Still-Handwerks. Für Barkeeper und Tiki-Enthusiasten ist er deshalb seit Jahren ein fester Bestandteil der Hausbar – nicht als Solist, sondern als aromatischer Katalysator, der klassische Rum-Cocktails erst zu dem macht, was sie historisch waren.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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