Die Arran Distillery in Lochranza an der Nordspitze der Isle of Arran gehört zu den jüngeren Brennereien der schottischen Inseln und ist eine der wenigen, die keinem Großkonzern angehören. Der frühere Chivas-Manager Harold Currie brachte nach über 150 Jahren ohne legale Whiskyproduktion die Brennerei zurück auf die Insel; das erste Destillat entstand 1995. Heute gehört sie der Isle of Arran Distillers Ltd., die seit 2019 mit Lagg an der Südküste einen zweiten Standort betreibt. Der Hausstil ist ungetorft, fruchtig und ohne Kühlfiltrierung: ein leichter Spirit, der Bourbon-, Sherry- und Weinfässer gut verträgt.
Überblick
- Name: Arran Distillery (Lochranza Distillery)
- Ort: Lochranza, Isle of Arran, Nordwestschottland
- Gegründet: 1995 (Baubeginn Dezember 1994)
- Region: Islands (Isle of Arran)
- Besitzer: Isle of Arran Distillers Ltd., unabhängiges Unternehmen ohne Konzernanbindung
- Typ: Single Malt Scotch Whisky, überwiegend ungetorft
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1994 | Harold Currie beginnt mit dem Bau der Brennerei bei Lochranza; nistende Steinadler verzögern die Arbeiten zeitweise |
| 1995 | Erstes Destillat im Sommer, offizielle Eröffnung im August |
| 1997 | Das Besucherzentrum wird eröffnet, nach Berichten durch Queen Elizabeth II. |
| 2010 | Mit „Machrie Moor“ erscheint der erste getorfte Arran-Malt |
| 2016 | Der Bau einer zweiten Brennerei in Lagg wird genehmigt |
| 2017 | Zwei weitere Brennblasen verdoppeln die Anlage in Lochranza auf vier |
| 2019 | Lagg nimmt die Produktion auf; die getorfte Linie zieht nach Süden um |
| Heute | Zwei Brennereien auf einer Insel, ein Kernsortiment von 10 bis 18 Jahren sowie Cask-Finishes |
Besonderheiten bei der Herstellung
Wasser vom Loch na Davie
Das Brauwasser stammt aus dem Loch na Davie oberhalb der Brennerei und fließt nach Herstellerangaben über den Easan Biorach und mehrere Wasserfälle zu Tal. Es ist weich und gilt als ein Grund für die Standortwahl.
Washbacks und Brennblasen
Vergoren wird in hölzernen Washbacks, überwiegend aus Oregon-Kiefer; spätere Ergänzungen kamen hinzu. Die Gärzeit liegt nach Fachquellen bei etwa 65 bis 85 Stunden. Gebrannt wird in Brennblasen von Forsyths in Rothes, zunächst einem Paar, seit 2017 zwei Wash und zwei Spirit Stills mit bewusst gleicher Bauart, damit der Spirit gleich bleibt. Die Form lässt eher leichte Dämpfe passieren und stützt den fruchtigen Charakter.
Fassreifung und Finishes
Der Schwerpunkt liegt auf Ex-Bourbon-Fässern, hinzu kommen Sherryfässer (Oloroso, nach Quellen auch Palo Cortado). Dazu kommen Finishes in Fässern von Port, Amarone, Bordeaux oder Calvados. Der Whisky wird ohne Kühlfiltrierung und ohne Zuckerkulör abgefüllt.
Lagg und die getorfte Linie
In der Lagg Distillery an der Südküste wird seit 2019 die getorfte Linie gebrannt. Nach Handelsangaben liegt der Torfgrad dort bei rund 50 ppm. Die frühere, leicht getorfte Machrie-Moor-Linie (je nach Quelle rund 10 bis 15 ppm) wird in dieser Form offenbar nicht mehr gebrannt.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Arran Barrel Reserve | 43 % | Reiner First-Fill-Bourbon-Ausbau mit Vanille, Apfel und Zimt |
| Arran 10 Jahre | 46 % | Zitrus, Honig und Apfel, leicht und süß |
| Arran 14 Jahre | 46 % | Rundere Frucht mit mehr Würze und Eiche |
| Arran 18 Jahre | 46 % | Sherryprägung mit dunkler Schokolade und gebackener Birne |
| Arran Sherry Cask | chargenabhängig, zuletzt rund 55,8 % | Kräftiger Sherry-Auftritt mit Trockenfrucht und Gewürz |
| Arran Quarter Cask „The Bothy“ | chargenabhängig, etwa 53 bis 56 % | Nachreifung in kleinen Fässern, mit Apfeltarte, Ananas und Brioche |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Arran 10 Jahre und Arran 18 Jahre.
Stil & Wiedererkennungswert
Arran steht für einen unrauchigen, fruchtigen Inselstil: Äpfel, Zitrus, Vanille und Malz stehen vorn, kräftiger Torf fehlt im Kernsortiment bewusst. Das unterscheidet die Brennerei von den rauchigen Whiskys Islays und macht sie zu einem leichten Einstieg in die Island-Malts.
Ein weiteres Merkmal ist die Experimentierfreude bei den Fässern: Neben den Kernabfüllungen erscheinen regelmäßig limitierte Editionen mit Wein- und Sherry-Finishes. Dank ungefärbter Abfüllung zeigt sich der Einfluss des Holzes direkt im Glas.
Fazit
Arran ist die richtige Adresse für alle, die einen zugänglichen, fruchtigen Single Malt mit klarer Handschrift suchen, aber keinen Rauch wollen. Die Brennerei zeigt, wie eine junge, unabhängige Anlage innerhalb weniger Jahrzehnte einen eigenen Stil aufbauen kann. Wer Torf sucht, findet ihn künftig eher bei Lagg als im klassischen Arran, und gerade für Sammler wird spannend sein, wie sich die zweite Brennerei entwickelt.