Blended Whisky

Black Bottle Blended Scotch Whisky

3,5/5 Redaktionsbewertung
40 % vol.EinstiegsklasseMalt- und Grain-Whiskys ohne Altersangabe, Fassdetails nicht veröffentlichtSchottland (Blend aus mehreren Regionen, Marke aus Aberdeen)
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Black Bottle Blended Scotch Whisky – Rauchspur statt Torfkeule

Der Black Bottle ist ein Blended Scotch ohne Altersangabe, der mit 40 % vol. abgefüllt wird und im Regal sofort durch die dunkle Flasche auffällt. Sein Ruf ist zwiespältig: Lange galt er als der Blend für alle, die Islay-Rauch mögen, ohne gleich eine Flasche Single Malt zu kaufen. Seit der Neuausrichtung von 2013 ist er deutlich zurückhaltender geworden und versteht sich eher als würziger, leicht rauchiger Alltagswhisky mit Speyside-Anteil.

Wer ihn probiert, sollte also nicht den Rauch von früher erwarten, sondern einen Blend, bei dem Honig, Eiche und eine dezente Räuchernote zusammenspielen. Wie das bei Blends üblich ist, kommt der Charakter aus dem Zusammenspiel vieler Komponenten; einen Überblick über das Prinzip gibt der Beitrag Single Malt vs. Blended Whisky.

Geschichte: Von der Aberdeener Teehandlung zu Burn Stewart

Die Marke geht auf die Brüder Charles, David und Gordon Graham zurück, die in Aberdeen als Teekaufleute arbeiteten und 1879 einen eigenen Whisky-Verschnitt auf den Markt brachten. Ihren Namen bekam der Whisky von der schwarzen Glasflasche, die aus Deutschland geliefert wurde. Mit dem Ersten Weltkrieg endete diese Lieferkette, und die Flasche wurde grün. Erst die Neuauflage von 2013 brachte nach Herstellerangaben wieder die dunkle Flasche zurück, wie sie die Grahams ursprünglich vorgesehen hatten.

Die Eigentümer wechselten im Lauf des 20. Jahrhunderts mehrfach; laut dem Nachschlagewerk Whiskypedia gehörte die Marke zuletzt zur Edrington Group. 2003 kaufte Burn Stewart Distillers sie zusammen mit der Islay-Brennerei Bunnahabhain. Burn Stewart besitzt außerdem Deanston und Tobermory und wurde 2013 von der südafrikanischen Distell Group übernommen, die inzwischen zu Heineken gehört. Bei der Frage, wann Burn Stewart die Marke erstmals auffrischte, gehen die Quellen auseinander: Wikipedia nennt 1990, Whiskypedia führt den Eintritt erst 2003 auf. Sicher ist nur der Stand seit der 2003er-Übernahme.

Der Black Bottle im Speziellen

Die Standardabfüllung trägt keine Altersangabe. Hierzulande wird sie mit 40 % vol. abgefüllt, für den US-Markt werden laut Wikipedia 43 % vol. genannt. Das ist die Variante, um die es hier geht: 0,7 Liter, 40 %. Zu Kühlfilterung und Färbung liegen uns keine verlässlichen Herstellerangaben vor. Wer sich für den Hintergrund interessiert, findet ihn in unserem Beitrag zu Etikettenbegriffen bei Scotch.

Im Sortiment der Marke ist er die Basisabfüllung. Frühere Varianten mit 10 und 15 Jahren sind eingestellt, das 10-jährige Modell kam 2020 zeitweise in einigen Märkten zurück. Die späteren Sonderreihen der Alchemy Series, etwa der Island Smoke mit 46,3 % vol., sind eigenständige Produkte und nicht Gegenstand dieses Tastings.

Herstellung: Weniger Islay, mehr Speyside

Der Blend besteht aus Malt- und Grain-Whiskys aus verschiedenen Regionen. In den 1990er-Jahren soll nach einer Blogquelle Malt aller damals aktiven Islay-Brennereien enthalten gewesen sein, was dem Whisky seinen Ruf als rauchiger Blend einbrachte. 2013 hat Master Distiller Ian MacMillan die Rezeptur überarbeitet: weniger Islay-Anteil, mehr Speyside-Malt, mit dem Ziel eines runderen, ausgewogeneren Stils im Stil des schottischen Nordostens. Laut Whiskypedia stammt der verbleibende Islay-Anteil seither von Bunnahabhain; eine vollständige, offiziell bestätigte Liste der Komponenten gibt es nicht.

Bei einem Blend zählt die Mischung, nicht ein einzelner Torfwert. Wie sich Torf in Zahlen ausdrückt, erklärt der Beitrag zum Phenolwert (ppm), und zur Rolle der Fässer lohnt der Blick in die Fassreifung.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Bernstein bis Kupfergold.
  • Nase: Honig, Heu und trockenes Holz, darunter eine leise Räuchernote, die eher an Lagerfeuer als an Medizin erinnert; mit etwas Zeit kommen reife Birne und Leder dazu.
  • Gaumen: Honigsüß am Anfang, dann Apfel, Zimt und schwarzer Pfeffer; der Rauch bleibt im Hintergrund, der Körper ist mittelschwer.
  • Abgang: Mittellang, würzig mit Muskat, Vanille und einem Hauch Asche.

Gerade bei Black Bottle fallen die Urteile weit auseinander. Manche loben das lederartig-würzige Profil, andere empfinden es als etwas unrund, und wer die frühere Islay-Version kennt, vermisst den Torf. Wir sehen ihn als solide gebauten Blend mit eigenem Charakter, dem es allerdings an Tiefe und Eleganz fehlt, wenn man ihn mit den besseren Vertretern der Klasse vergleicht.

Genuss-Empfehlung

Im Nosing-Glas zeigt der Black Bottle pur am meisten von seinem Profil. Ein paar Tropfen Wasser öffnen Honig und Frucht und nehmen der Räuchernote die Schärfe. Auf Eis wird er milder und eignet sich als unkomplizierter Begleiter für den Abend. Mit Ginger Ale oder Soda und einer Zitronenzeste ergibt er einen Highball, in dem die Rauchspur angenehm präsent bleibt. Kulinarisch passt er zu gegrilltem Fleisch, kräftigen Würsten, Räucherfisch oder einem reifen Cheddar, dessen Würze die Pfeffernote des Whiskys aufgreift.

Einordnung & Alternativen

  • Johnnie Walker Black Label: der Maßstab unter den rauchig angehauchten Blends, runder und komplexer, aber weniger kantig.
  • Ballantine's Finest: deutlich weicher und honigsüßer, ohne nennenswerten Rauch, für alle, die es gefälliger mögen.
  • The Famous Grouse: malzig und fruchtig statt würzig-rauchig, ein ruhigerer Alltagsblend.

Fazit

Der Black Bottle ist ein Blend mit Eigenheiten: würzig, honigsüß und mit einer zurückhaltenden Rauchspur, die seit 2013 nicht mehr nach Islay-Schlagseite klingt. Als Einstieg in leicht rauchige Blends und als Highball-Basis funktioniert er gut, für Liebhaber kräftigen Torfs ist er zu zahm, und in der Klasse der Alltagsblends bieten einige Konkurrenten mehr Harmonie. Wer Charakter über Glätte stellt und einen unkomplizierten Whisky für den Abend sucht, liegt hier richtig, deshalb 3,5 Punkte.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf2/5
Fruchtigkeit2/5
Würze/Eiche2/5

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