Auf einer Flasche Scotch steht mehr Recht, als man vermutet: Die Kategorie auf der Vorderseite, die Altersangabe und sogar die Frage, welche Wörter überhaupt benutzt werden dürfen, sind in den Scotch Whisky Regulations 2009 festgelegt. Wer diese Regeln kennt, kann Etiketten nüchtern lesen, statt auf Wortschöpfungen hereinzufallen.
Die Rechtsgrundlage
Die Scotch Whisky Regulations 2009 (SI 2009/2890) gelten seit dem 23. November 2009 und lösten den Scotch Whisky Act 1988 ab. Anders als das alte Gesetz, das nur die Herstellung regelte, umfassen sie auch Etikettierung, Verpackung und Werbung. Regulation 3 definiert, was überhaupt „Scotch Whisky“ ist. Danach muss der Whisky in Schottland hergestellt sein und unter anderem diese Bedingungen erfüllen:
- destilliert aus Wasser und gemälzter Gerste, optional mit ganzen Körnern anderer Getreidearten, wobei Maischen, Vergären und Destillieren in derselben Destillerie stattfinden;
- destilliert mit weniger als 94,8 % vol., damit Aroma und Geschmack der Rohstoffe erhalten bleiben;
- gereift ausschließlich in Eichenfässern mit höchstens 700 Litern Fassungsvermögen, in Schottland und mindestens drei Jahre lang;
- mit Wasser und einfacher Zuckerkulör („plain caramel colouring“) als einzig erlaubten Zusätzen;
- abgefüllt mit mindestens 40 % vol.
Dass die Zuckerkulör nur in der einfachen Form E150a erlaubt ist, bestätigt auch der Leitfaden der Scotch Whisky Association (SWA). Was Färbung und Filtration für Etikett und Glas bedeuten, behandelt der Artikel Kühlfiltrierung und Naturfarbe.
Die fünf Kategorien
Regulation 8 schreibt vor, dass die Kategorie als „Sales Description“ gut sichtbar auf der Vorderseite der Flasche steht – gut lesbar und so auffällig wie andere Beschreibungen, ausgenommen Marke und die Angabe „Scotch Whisky“. Es gibt genau fünf zulässige Bezeichnungen:
| Kategorie | Definition nach den Regulations |
|---|---|
| Single Malt Scotch Whisky | aus einer einzigen Destillerie, nur aus Wasser und gemälzter Gerste, in Brennblasen (Pot Stills) destilliert |
| Single Grain Scotch Whisky | aus einer einzigen Destillerie, aber kein Single Malt und kein Blend – die Definition ist also negativ |
| Blended Malt Scotch Whisky | Mischung aus zwei oder mehr Single Malts verschiedener Destillerien |
| Blended Grain Scotch Whisky | Mischung aus zwei oder mehr Single Grains verschiedener Destillerien |
| Blended Scotch Whisky | Mischung aus mindestens einem Single Malt und einem Single Grain |
Für Single Malt gilt seit 23. November 2012 zusätzlich: Er darf nicht als Fassware exportiert, sondern muss in Schottland abgefüllt werden. Der Unterschied von Malt und Blend im Geschmack ist im Artikel Single Malt vs. Blended Whisky beschrieben, die Einordnung neben Bourbon, Irish und Co. in Whisky-Sorten im Überblick. Wie Grain-Whisky und Blends entstehen, zeigt Grain Whisky und Blended Scotch.
Praktisch heißt das: „Single“ bezieht sich auf eine Destillerie, nicht auf ein Fass. Ein Single Malt darf aus Hunderten Fässern stammen, nur eben aus einer Brennerei. Ein einzelnes Fass kennzeichnen Hersteller zusätzlich, etwa als „Single Cask“ – das gehört nicht zu den fünf Kategorien, sondern ist eine freiwillige Angabe.
Was nicht auf das Etikett darf
Mehrere Begriffe sind seit 2009 ausdrücklich oder faktisch verschwunden:
- „Pure Malt“: Regulation 11 verbietet diese Formulierung samt Ableitungen, ebenso die Kombination von „pure“ mit „malt“, auch wenn beide Wörter getrennt stehen.
- „Vatted Malt“: Die Mischung mehrerer Malts heißt nur noch Blended Malt. Der Wechsel war einer der umstrittensten Punkte der Neuordnung, viele Fachleute hätten „Vatted Malt“ bevorzugt.
- Zusätze zur Kategorie: Die Sales Description darf nicht überlagert oder durch zusätzliche Wörter ergänzt werden. Ausnahme: Ein schottischer Orts- oder Regionsname darf vorangestellt werden, wenn der Whisky tatsächlich dort destilliert wurde – siehe Scotch-Regionen im Überblick.
- Irreführende Brennereinamen: Markennamen dürfen nach dem SWA-Leitfaden nur dann einen Brennereinamen verwenden, wenn der Whisky dort destilliert wurde.
Altersangabe und Jahrgang
Regulation 12 verlangt, dass Alter oder Reifezeit in Jahren angegeben werden und sich auf den jüngsten Bestandteil beziehen. Enthält ein Blend Whiskys mit 8, 12 und 15 Jahren, darf nur „8 Jahre“ auf dem Etikett stehen. Warum viele Hersteller auf eine Zahl verzichten, ist in NAS-Whisky erklärt. Möchte jemand ein Destillationsjahr nennen, muss der gesamte Whisky aus diesem einen Kalenderjahr stammen, und zusätzlich müssen Abfüllungsjahr, Reifezeit oder Alter im selben Sichtfeld erscheinen. Zahlen, die mit Alter oder Jahrgang verwechselt werden könnten, sind unzulässig.
„Distilled, matured and bottled in Scotland“
Dass Scotch in Schottland destilliert und gereift sein muss, folgt bereits aus der Definition in Regulation 3. Eine ausdrückliche Abfüllpflicht kam 2012 für Single Malt hinzu (siehe oben); für die übrigen Kategorien haben wir in den geprüften Quellen keine solche Pflicht gefunden. „Bottled in Scotland“ beantwortet daher nur, wo die Flasche befüllt wurde – über Alter, Fass oder Brennerei sagt der Satz nichts aus.
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