Tequila

Casamigos Blanco

3,6/5 Redaktionsbewertung
40 % vol.MittelklasseJalisco, Mexiko
TequilaBlanco
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Herstellung des Casamigos Blanco:

Dass Casamigos als Marke so bekannt wurde, liegt weniger an der Brennerei als an den Gründern: George Clooney und Rande Gerber hatten sich in Cabo San Lucas Häuser Tür an Tür gebaut und ließen sich mit einem Brenner aus Jalisco einen Tequila nach ihrem Geschmack abstimmen. Ein Geschäftsmodell war das zunächst nicht; erst Lizenzvorgaben zwangen sie, eine Firma zu gründen. Gemeinsam mit dem Immobilienunternehmer Mike Meldman brachten sie den Tequila 2013 auf den Markt. Der Aufstieg war rasant: Im Juni 2017 kündigte Diageo die Übernahme an, mit 700 Millionen US-Dollar Sofortzahlung und bis zu 300 Millionen weiteren, die an Verkaufsziele geknüpft waren. Abgeschlossen wurde der Kauf im August 2017. Die Reposado-Version der Marke und ihre Hausgeschichte findest du im Artikel zum Casamigos Reposado.

Der Blanco ist ein 100 % Agave-Tequila aus Blauer Weber-Agave aus den Highlands von Jalisco. Nach Händler- und Herstellerangaben werden die Piñas rund 72 Stunden in Steinöfen gegart und anschließend etwa 80 Stunden vergoren, deutlich länger, als es bei zügigen Industrieabläufen üblich ist. Gebrannt wird zweimal; eine Quelle nennt Edelstahl-Brennblasen mit Kupferspirale. Vor der Abfüllung ruht der Blanco nach Händlerangaben etwa zwei Monate, ein Teil der Quellen spricht von amerikanischen Eichenfässern. Abgefüllt wird mit 40 % vol. Zur Art der Zerkleinerung (Walzenmühle, Tahona oder Diffusor) gibt es keine eindeutig belegte Angabe; die Quellen widersprechen sich oder schweigen, daher bleibt dieser Punkt offen.

Verkostung des Casamigos Blanco:

Im Glas ist der Casamigos Blanco klar und farblos. In der Nase dominiert eine cremige Vanille, dazu kommen gekochte Agave und ein Hauch Zitrus; Karamell ist ebenfalls zu erkennen. Für einen Tequila, der nie ein Fass von innen gesehen haben soll, ist diese Süße bemerkenswert und teilt die Tester: Manche empfinden sie als angenehm einladend, andere als künstlich. Am Gaumen setzt sich das Bild fort. Die Textur ist weich und leicht ölig, die Süße moderat, die Agave eher im Hintergrund und kaum erdig oder vegetal. Rauch fehlt praktisch ganz. Im Abgang tritt eine trocknende, milde Pfeffernote auf, begleitet von einem Anflug Agave, der aber schnell verklingt. Insgesamt ist das ein glatter, unkomplizierter Blanco, der bewusst keine Reibung sucht. Wer gerade am Blanco die rohe Agave schätzt, wird ihn möglicherweise als zu glatt empfinden.

Steckbrief Casamigos Blanco:

Alkoholgehalt: 40 % vol.
Kategorie: Tequila Blanco
Agave: Agave Tequilana Weber 'Azul', Highlands von Jalisco
Hersteller: Casamigos (Diageo), Brennerei NOM 1609, Atotonilco El Alto, Jalisco, Mexiko

Herstellung im Detail: Die NOM auf dem Etikett und was sie verrät

Auf jeder Tequila-Flasche steht eine vierstellige NOM-Nummer, die die Brennerei identifiziert. Bei Casamigos lohnt der Blick darauf besonders: Neuere Flaschen tragen die NOM 1609, die laut Spirited Agave zu einer Diageo-Anlage in Atotonilco El Alto gehört; ältere Flaschen weisen eine andere Nummer auf (1416). Wie die Produktion vor dem Wechsel organisiert war, ist öffentlich nicht eindeutig dokumentiert; wir nennen deshalb keine Brennerei für die frühe Zeit. Wer verstehen will, wie solche Angaben zu lesen sind, findet das im Beitrag zu den NOM-Nummern bei Tequila.

Spannend wird es beim Aroma. Ein Blanco, der kaum Holzkontakt hat, zeigt hier ungewöhnlich viel Vanille. Wie diese Note zustande kommt, lässt sich von außen nicht belegen. Die kurze Ruhe, die langsame Fermentation und die Röstung der Agave können süße Töne begünstigen; die Tequila-Regeln erlauben zudem geringe Mengen bestimmter Zusätze, ohne dass das auf dem Etikett stehen muss. Ob und wie Casamigos davon Gebrauch macht, ist nicht dokumentiert, und Spekulation hilft niemandem. Bewerten lässt sich nur das Ergebnis im Glas: ein süß-weicher, gefälliger Stil, der sich vom Blanco-Ideal der Agave-Puristen deutlich unterscheidet. Mehr zu den Grundlagen steht im Artikel über die Herstellung von Tequila und Mezcal.

Verwendung des Casamigos Blanco

  • Margarita oder Paloma: Die Milde nimmt Limette und Grapefruit die Schärfe, der Drink bleibt rund und süffig.
  • Tequila Soda mit Zitrusschale: Ein schlichter Highball, in dem Vanille und Zitrus gut zusammenspielen.
  • Pur, gut gekühlt: Für Einsteiger machbar, weil kaum Alkoholschärfe auftritt; tiefe Agave sollte man nicht erwarten.
  • Zu Ceviche oder Fish Tacos: Die zurückhaltende Süße stört frische, säuerliche Gerichte nicht.

In der Kategorie sitzt der Casamigos Blanco klar am weichen, süßlichen Ende. Er richtet sich an Trinker, die Tequila bislang für zu rau hielten, und an Bars, die einen verlässlichen, gefälligen Basis-Blanco für Longdrinks suchen. Ein Referenzblanco für Kenner ist er nicht, was angesichts seiner Zielgruppe auch nicht der Anspruch ist.

Wichtig für die Einordnung: Prominente Gründer und hohe Absatzzahlen sind keine Qualitätsaussage. Die Mischung aus Zugänglichkeit und Marketingreichweite macht Casamigos erfolgreich; im Direktvergleich mit handwerklich orientierten Blancos wirkt er aber weniger charaktervoll. Wer die Kategorien noch einmal sortieren möchte, schaut in den Überblick zu Blanco, Reposado und Añejo.

Einordnung & Alternativen

  • Fortaleza Blanco – das Gegenstück: Tahona, Holzbottiche und viel erdige Agave statt Vanille-Glätte, dafür deutlich schwerer erhältlich.
  • Espolòn Blanco – ähnlich unkompliziert für Longdrinks, aber weniger süß und mit klarerer Agave und Pfefferwürze, dazu preislich eine Stufe darunter.
  • Patrón Silver – ebenfalls ein weicher Mainstream-Blanco, jedoch mit deutlich präsenterer Agave und Pfefferwürze statt Vanille-Süße.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Agave/Erdigkeit2/5
Rauch1/5
Schärfe/Pfeffer2/5

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