Glen Moray steht in Elgin am River Lossie im Norden der Speyside und ist eine Brennerei, die ihre Geschichte in einer ehemaligen Brauerei begann. Seit 1897 wird hier gebrannt, mit Unterbrechungen, wechselnden Eigentümern und mehreren Ausbauten. Seit 2008 gehört sie dem französischen Spirituosenkonzern La Martiniquaise. Ein großer Teil des Destillats fließt in Blends, daneben gibt es eine breite Single-Malt-Reihe, die auf amerikanische Eiche und einen leichten, zugänglichen Stil setzt.
Überblick
- Name: Glen Moray Distillery
- Ort: Elgin, Moray, Schottland (am River Lossie)
- Gegründet: 1897
- Region: Speyside
- Besitzer: La Martiniquaise (seit 2008)
- Typ: Single Malt Scotch Whisky, überwiegend aus Ex-Bourbonfässern, dazu Finishes und eine getorfte Linie
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1897 | Die Produktion beginnt in einer zur Brennerei umgebauten Brauerei (West Brewery), zunächst mit zwei Brennblasen |
| 1910 | Die Brennerei schließt; sie wird später kurz wieder geöffnet und erneut geschlossen |
| 1920/23 | Macdonald & Muir, die Eigentümer von Glenmorangie, kaufen die Brennerei, der Betrieb läuft 1923 wieder an |
| 1958 | Umbau mit neuer Mälzanlage (Saladin-Box); die eigene Mälzerei endet laut deutscher Wikipedia 1978 |
| 1996 | Macdonald & Muir firmieren als Glenmorangie plc |
| 2004 | Der Luxuskonzern LVMH übernimmt Glenmorangie und damit Glen Moray |
| 2008 | LVMH verkauft Glen Moray an La Martiniquaise |
| seit 2010er | Die Kapazität wird mehrfach erweitert; die Angaben zu Blasenzahl und Menge schwanken je nach Quelle |
Besonderheiten bei der Herstellung
Anlage und Kapazität
Die ursprünglich nur zwei Brennblasen wurden im Lauf der Zeit ausgebaut. Wie viele Blasen heute laufen, nennen die Quellen unterschiedlich: Die englische Wikipedia spricht von vier Wash und sechs Spirit Stills, andere Quellen von anderen Zahlen. Auch die Jahreskapazität schwankt zwischen etwa 5,7 und 8,5 Millionen Litern reinen Alkohols. Sicher ist nur, dass Glen Moray eine Brennerei mit großer Menge ist, die sowohl Single-Malt-Bedarf als auch Blends (etwa Label 5) beliefert.
Wasser und Malz
Das Wasser kommt aus dem River Lossie, an dem die Brennerei liegt. Gemälzt wird heute extern, die eigene Mälzerei ist seit den 1970er-Jahren Geschichte. Daneben gibt es nach einer Fachquelle seit 2010 kleine Produktionsläufe mit getorftem Malz, die nur wenige Tage im Jahr laufen und einen kleinen Teil der Produktion ausmachen.
Fassreifung
Die Hauptreihe reift in Fässern aus amerikanischer Eiche, vor allem ehemalige Bourbonfässer. Der Zwölfjährige besteht nach einer Fachquelle überwiegend aus erstbefüllten Fässern, der 18-Jährige komplett aus Erstfüllungen. Hinzu kommen Finishes in Port-, Chardonnay-, Oloroso- und Cognacfässern sowie die Experimentierreihe Warehouse 1.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Glen Moray Elgin Classic | 40 % | Leichte Basisabfüllung ohne Altersangabe mit Shortbread, Butterscotch und Gerste |
| Glen Moray Port Cask Finish | 40 % | Classic mit Portfass-Finish, rote Beeren, Vanille und Zimt |
| Glen Moray 12 Jahre | 40 % | Heritage-Reihe aus Bourbonfässern mit Apfel, Shortbread und Honig |
| Glen Moray 18 Jahre | 47,2 % | Ältere Stufe der Heritage-Reihe, ausschließlich aus erstbefüllten Bourbonfässern |
| Glen Moray Peated | 40 % | Getorfte Variante der Reihe, eher eine Ausnahme im sonst rauchfreien Hausstil |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Glen Moray 12 Jahre, Glen Moray Elgin Classic und Glen Moray Port Cask Finish.
Stil & Wiedererkennungswert
Glen Moray ist ein typischer Vertreter des leichten, fruchtigen Speyside-Stils: Gerste, Honig, Vanille und Apfel dominieren, dazu kommen Butterscotch und Shortbread aus dem Bourbonfass. Anders als Sherry-Spezialisten setzt die Brennerei auf amerikanische Eiche. Finishes in Port-, Wein- oder Cognacfässern sind damit eher eine Ergänzung zum Bourbonfass-Kern als der Normalfall.
Wiedererkennbar ist weniger ein starkes Aroma als eine konstante, unaufdringliche Handschrift. Die Reihe ist breit, von der einfachen Basis über Finishes bis zu Fassstärken aus der Warehouse-Reihe, und deckt damit viele Geschmäcker ab, ohne wie ein Spezialist aufzutreten.
Fazit
Glen Moray ist eine gute Adresse für alle, die einen unkomplizierten Speyside-Malt suchen. Der Elgin Classic ist die Einstiegsabfüllung, der 12-Jährige legt Tiefe und Reife nach, und das Port Cask Finish zeigt, was ein Finish bei einem leichten Destillat bewirkt. Wer kräftige Sherrywucht oder starken Torf erwartet, wird hier eher enttäuscht, denn der Stil bleibt bewusst sanft. Als Alltagsmalt für Einsteiger ist die Reihe gut geeignet, und die einfachen 40-Prozent-Abfüllungen eignen sich auch für Highballs oder Mixgetränke.

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