Herstellung des Hennessy VS:
Hennessy wurde 1765 vom irischen Offizier Richard Hennessy in der Stadt Cognac gegründet, der zuvor in der Armee König Ludwigs XV. gedient hatte und sich anschließend im Charente-Tal niederließ, um mit dem Handel von Weinbrand zu beginnen. Damit zählt das Haus zu den ältesten noch bestehenden Cognac-Häusern überhaupt. Seit der Fusion mit Moët & Chandon im Jahr 1971 firmiert das Unternehmen als Moët Hennessy, das 1987 im Zuge des Zusammenschlusses mit Louis Vuitton zum Luxuskonzern LVMH wurde; heute hält LVMH rund 66 Prozent, der britische Spirituosenkonzern Diageo die verbleibenden 34 Prozent an Hennessy. Mit mehr als 470.000 Fässern in den eigenen Kellern verfügt Hennessy über die größte Reserve an Cognac-Eaux-de-Vie weltweit – eine Grundlage, die dem Haus bei jeder Abfüllung eine enorme Auswahl an Blending-Bausteinen erlaubt.
Basis ist wie bei jedem Cognac die weiße Rebsorte Ugni Blanc, die im Charente-Gebiet zu einem sauren, alkoholarmen Grundwein vergoren wird. Dieser wird anschließend zweifach in kupfernen Charentais-Brennblasen destilliert – ein traditionelles Batch-Verfahren, das dem Destillat Reinheit und Fruchtcharakter verleiht. Der Hennessy VS ("Very Special") verschneidet über 40 verschiedene Eaux-de-Vie aus unterschiedlichen Anbaugebieten der Region, ohne dass ein einzelnes Cru dominiert; das Ergebnis reift mindestens die gesetzlich vorgeschriebenen zwei Jahre in französischer Eiche, bevor es unter Leitung des hauseigenen Kellermeisterteams zur finalen Cuvée zusammengestellt wird. Als meistverkaufter Cognac der Welt bildet der VS den Einstieg in das Hennessy-Sortiment.
Verkostung des Hennessy VS:
In der Nase zeigt sich der Hennessy VS hell bernsteinfarben und präsentiert sich frisch und fruchtbetont, mit Noten von reifer Weintraube, Orangenschale und einem Hauch Vanille, die auf die junge, aber sorgfältig ausgewählte Fassreifung hindeuten. Am Gaumen wirkt er unkompliziert und zugänglich: fruchtige Süße, ein Anflug von Karamell sowie eine dezente, noch nicht dominante Holzwürze prägen das Geschmacksbild, während florale Untertöne im Hintergrund mitschwingen. Der Abgang ist kurz bis mittellang, spritzig und klar, ohne die schwere Tiefe älterer Cognacs, dafür mit einer angenehmen, leicht pfeffrigen Schärfe im Ausklang. Mit 40 % vol. präsentiert sich der VS als der frischeste und fruchtigste Vertreter im Hennessy-Portfolio.
Steckbrief Hennessy VS:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Klassifikation: VS (Very Special)
Fassreifung: mindestens 2 Jahre, französische Eiche
Hersteller: Hennessy (Moët Hennessy / LVMH), Cognac, Frankreich
Herstellung im Detail: Warum Blend-Breite die VS-Klasse prägt
Anders als bei höheren Klassifikationen, bei denen einzelne Crus wie Grande Champagne oder Borderies gezielt hervorgehoben werden, setzt Hennessy beim VS bewusst auf Blend-Breite statt Terroir-Fokus: Über 40 Eaux-de-Vie aus verschiedenen Lagen der Charente werden so kombiniert, dass ein gleichbleibender, unkomplizierter Charakter entsteht – Konsistenz über Jahrzehnte hinweg ist bei einem Volumenprodukt dieser Größenordnung wichtiger als die Betonung eines einzelnen Anbaugebiets. Möglich wird diese Konstanz durch die schiere Größe der Hennessy-Lagerbestände, die es dem Kellermeisterteam erlaubt, aus einem enormen Fundus an Fässern unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft zu wählen, ohne auf einen einzigen Jahrgang oder eine einzige Partie angewiesen zu sein.
Der Name VS selbst geht auf die von Hennessy in den 1860er-Jahren unter Maurice Hennessy eingeführte Sterne- und Buchstaben-Systematik zurück, die später zur Grundlage der heute BNIC-weit gültigen Klassifikation VS/VSOP/XO wurde. Rechtlich basiert diese Einteilung auf dem sogenannten "Compte"-System: Jeder Cognac-Jahrgang startet zur Erntezeit bei Compte 00 und rückt jedes Jahr am 1. April eine Stufe weiter; VS verlangt mindestens Compte 2, VSOP mindestens Compte 4 und XO seit 2018 mindestens Compte 10. Innerhalb dieses Systems markiert VS also die gesetzliche Untergrenze – der Hennessy VS selbst reift jedoch in der Praxis häufig länger, um die für die Marke charakteristische Balance aus Frucht und leichter Holzwürze zu erreichen, bevor die finale Assemblage erfolgt.
Mit einem Exportanteil, der die Marke heute in mehr als 160 Länder bringt, ist Hennessy VS zugleich der mit Abstand mengenstärkste Cognac im Portfolio von Moët Hennessy und bildet damit auch wirtschaftlich das Fundament, auf dem die deutlich kleineren, aber margenstärkeren XO- und Paradis-Abfüllungen des Hauses aufbauen.
Genuss-Empfehlung
Der Hennessy VS zeigt sich am vielseitigsten im Tumbler auf großen Eiswürfeln, wo die Kälte die fruchtigen Aromen betont, ohne die Struktur zu verwässern. Als Longdrink ist Hennessy & Ginger Ale ein weltweit bekannter, unkomplizierter Klassiker, der die frische Fruchtigkeit des VS unterstreicht. Pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur eignet er sich zudem als leichter Aperitif; als Food-Pairing passen milde Nussmischungen oder helle Schokolade besser als schwere, rauchige Aromen, die die zarteren Noten des VS überdecken würden.
Innerhalb des Hennessy-Sortiments markiert der VS bewusst den zugänglichen Einstieg, während der Hennessy XO mit deutlich längerer Reifung und komplexerer Multi-Cru-Assemblage eine völlig andere, tiefere Kategorie bedient. Wer den unverfälschten, fruchtig-frischen Charakter junger Cognac-Eaux-de-Vie kennenlernen möchte, findet im VS einen verlässlichen, weltweit einheitlichen Referenzpunkt.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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