Herstellung des Hennessy XO:
Hennessy wurde 1765 von Richard Hennessy in der Stadt Cognac gegründet, ist damit eines der ältesten Häuser der Region und gehört heute mehrheitlich zu LVMH (66 Prozent), während Diageo die restlichen 34 Prozent hält. Der Hennessy XO geht auf eine persönliche Idee des Urenkels des Gründers zurück: Maurice Hennessy komponierte die Cuvée 1870 zunächst als privates Geschenk für Freunde und Familie, bevor sie 1872 offiziell auf den Markt kam und damit die Kategorie "Extra Old" im Cognac überhaupt erst begründete – noch bevor die Bezeichnung XO zu einer branchenweiten Klassifikation wurde.
Wie jeder Cognac entsteht auch der XO aus der Rebsorte Ugni Blanc, die in der Charente zu einem sauren Grundwein vergoren und anschließend in kupfernen Charentais-Brennblasen doppelt destilliert wird. Der entscheidende Unterschied zum VS liegt im Blend selbst: Für den Hennessy XO werden mehr als 100 verschiedene Eaux-de-Vie aus allen sechs Cognac-Terroirs – darunter Grande Champagne, Petite Champagne und Borderies – zusammengeführt, deren Alter von rund zehn bis über 30 Jahre reicht. Seit einer Regeländerung des BNIC (Bureau National Interprofessionnel du Cognac) im Jahr 2018 muss die jüngste im Blend enthaltene Eau-de-Vie mindestens zehn Jahre gereift sein, zuvor lag die Grenze bei sechs Jahren; Hennessy XO lag mit seiner tatsächlichen Reifedauer aber schon lange deutlich über diesem neuen Mindestmaß.
Verkostung des Hennessy XO:
In der Nase präsentiert sich der Hennessy XO in tiefem Mahagoni-Bernstein und zeigt eine dichte, oxidative Aromatik aus getrockneten Früchten, kandierter Orangenschale, Nuss und Leder, unterlegt von warmen Gewürznoten wie Zimt und einem Hauch Tabak. Am Gaumen entfaltet sich eine samtige, konzentrierte Süße aus Trockenobst und dunkler Schokolade, getragen von ausgeprägten Eichenholz-Noten, die von der langen Reifung in französischer Eiche herrühren, sowie einer feinen Würze aus Nelke und Muskat. Die für jüngere Cognacs typische, klare Traubenfrucht tritt hier zugunsten von Tiefe und Komplexität in den Hintergrund. Der Abgang ist lang, warm und dicht, mit nachklingenden Röstaromen und einer sanften, alkoholisch gut eingebundenen Wärme. Mit 40 % vol. zeigt sich der XO als voller, gereifter Gegenentwurf zum frischen VS.
Steckbrief Hennessy XO:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Klassifikation: XO (Extra Old)
Fassreifung: mindestens 10 Jahre, Blend aus über 100 Eaux-de-Vie, französische Eiche
Hersteller: Hennessy (Moët Hennessy / LVMH), Cognac, Frankreich
Herstellung im Detail: Die Multi-Cru-Assemblage als Grundprinzip
Der eigentliche Aufwand hinter dem Hennessy XO liegt nicht in einem einzelnen Produktionsschritt, sondern in der schieren Größe und Sorgfalt der Assemblage: Über 100 Eaux-de-Vie unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft aus den sechs Anbaugebieten der Cognac-Region werden vom Kellermeisterteam so kombiniert, dass jede Charge dem seit 1870 etablierten Geschmacksprofil entspricht, obwohl sich die einzelnen Ausgangsfässer von Jahr zu Jahr unterscheiden. Diese Aufgabe wird durch die enorme Lagerkapazität von Hennessy erleichtert, die mit mehr als 470.000 Fässern die größte Cognac-Reserve weltweit darstellt und dem Blending-Team so einen entsprechend breiten Fundus an reifen Eaux-de-Vie zur Auswahl stellt.
Historisch war der Hennessy XO der erste Cognac, der überhaupt unter dieser Bezeichnung vermarktet wurde, und er gilt bis heute als Referenzpunkt der Kategorie – andere Häuser orientierten ihre eigenen XO-Abfüllungen später an diesem Vorbild. Die 2018 verschärfte BNIC-Mindestreifezeit von zehn Jahren für die jüngste Komponente hat die Kategorie XO insgesamt näher an die tatsächliche Praxis der etablierten Häuser herangeführt, ohne den Charakter des Hennessy XO selbst wesentlich zu verändern, da seine Eaux-de-Vie ohnehin traditionell deutlich länger reifen als gesetzlich gefordert.
Zum 150-jährigen Jubiläum der Abfüllung ließ Hennessy 2020 zudem eine limitierte Sonderedition von Stararchitekt Frank Gehry gestalten, deren skulpturale Karaffenform die lange Geschichte der Cuvée zusätzlich unterstrich. Solche Sonderauflagen ändern nichts an der eigentlichen Assemblage, verdeutlichen aber, welchen Stellenwert der XO als Prestigeträger innerhalb des Hauses seit Maurice Hennessys ursprünglicher Idee von 1870 bis heute einnimmt.
Genuss-Empfehlung
Der Hennessy XO gehört pur in ein bauchiges Cognac-Schwenkglas, leicht in der Hand erwärmt, damit sich die dichten, oxidativen Aromen vollständig entfalten können; auf Eis würde die Komplexität unnötig verwässert. Als Digestif nach dem Essen entfaltet er seine volle Tiefe, besonders in Begleitung von dunkler Schokolade mit hohem Kakaoanteil oder einer milden Zigarre, deren Röst- und Tabaknoten sich mit den Gewürzaromen des Cognacs ergänzen. Auch zu gereiftem Hartkäse zeigt sich der XO harmonisch, da dessen Umami-Tiefe die fruchtig-nussige Süße des Cognacs kontrastiert.
Innerhalb des Hennessy-Sortiments markiert der XO die etablierte Premium-Stufe deutlich oberhalb des VS und unterhalb der raren Prestige-Cuvées wie Paradis; im Vergleich zu Martells ähnlich hochpreisigem Cordon Bleu, das stärker auf die florale Borderies-Note setzt, zeigt sich der Hennessy XO breiter und Multi-Cru-geprägter. Für Einsteiger in gereifte Cognacs gilt er seit über 150 Jahren als der historische Referenzpunkt der XO-Kategorie.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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