Magellan Gin & 1724 Tonic Water (3/5)

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Magellan Gin & 1724 Tonic Water (3/5)

3/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Magellan Gin aus dem französischen Cognac-Gebiet und das 1724 Tonic Water treffen zwei Produkte mit auffällig ähnlicher Erzähllogik aufeinander: Magellan ist nach dem portugiesischen Entdecker Ferdinand Magellan benannt und bezieht seine elf Botanicals – darunter Gewürznelke, Zimt und Cassia – konzeptionell von historischen Gewürzhandelsrouten. Das 1724 wiederum benennt mit seiner Chinarinden-Erntehöhe von 1724 Metern im peruanischen Hochland eine ebenso konkrete geografische Herkunftsgeschichte. Anders als bei den kräuterbetonten mediterranen Gins, für die das 1724 ursprünglich konzipiert wurde, handelt es sich bei Magellan jedoch um einen ausgesprochen gewürzintensiven Gin mit warmer, weihnachtlicher Aromatik – eine Kombination, die aufgrund der Vorerfahrung mit ähnlich gewürzbetonten Gins im Katalog mit Vorsicht zu betrachten ist. Hergestellt wird Magellan von Maison Ferrand in der Distillerie d'Angeac, wo der Gin vier Destillationsschritte durchläuft: dreimal wird der aus Capet-Weizen gewonnene Grundalkohol in einer Kolonnenanlage gereinigt, bevor eine vierte, eigenständige Destillation in einer kleinen Kupferbrennblase die Botanicals einbringt. Die charakteristische, kräftig blaue Farbe entsteht dabei ausschließlich durch die Infusion von Iriswurzel und Irisblüte – ganz ohne künstliche Farbstoffe.

Warum diese Kombination nur bedingt funktioniert

Das 1724 wurde für aromenreiche, aber eher kräuterig-leise Gins wie Gin Mare entwickelt und verzichtet bewusst auf ausgeprägte Chinin-Bitterkeit, um deren feinen Botanicals Raum zu lassen. Bei Magellan zeigt sich dabei ein ähnliches Problem wie bereits beim ebenfalls gewürzbetonten Opihr: Ohne ein kräftiges bitteres Gegengewicht dominieren Gewürznelke, Zimt und Cassia das Glas fast ungebremst, und die für Magellan typische kakaoartige Würzetiefe tritt deutlich stärker hervor, als es einem ausgewogenen Gin & Tonic zuträglich wäre. Die florale, pudrige Note der für vier Jahre gelagerten Iriswurzel mildert diese Dominanz zwar etwas, da sie dem Drink eine zusätzliche, kühlere Ebene jenseits der reinen Gewürzwärme verleiht, kann die fehlende Bitterstruktur aber nicht vollständig kompensieren. Immerhin bringt die im Gin enthaltene Orangenschale eine gewisse Frische mit, die zusammen mit der milden Mandarinennote des Tonics wenigstens eine dünne fruchtige Gegenlinie zur Würze zieht. Auch die im Rezept enthaltene Süßholzwurzel trägt eine milde, bindende Süße bei, die zusammen mit der ohnehin zurückhaltenden Süße des 1724 verhindert, dass die Kombination zusätzlich noch bitter oder trocken wirkt – was die Würzedominanz insgesamt eher weicher, aber nicht weniger präsent macht.

Verkostung der Kombination

In der Nase dominieren Gewürznelke und Zimt, begleitet von einer zarten, pudrig-floralen Irisnote und einem Hauch Orangenschale aus Gin und Tonic gemeinsam. Am Gaumen zeigt sich der Drink warm, würzig und bittersüß: Die kakaoartige Tiefe von Gewürznelke und Cassia bleibt klar im Zentrum, während Kardamom und Muskatnuss für zusätzliche Würzekomplexität sorgen. Säure ist praktisch nicht vorhanden, die Süße bleibt moderat, aber spürbar präsent – ein Ergebnis, das eher an einen winterlichen Chai-Aufguss als an einen klassischen, spritzigen Sommerdrink erinnert. Wacholder tritt kaum wahrnehmbar in Erscheinung. Der Abgang ist lang, würzig-zestig, mit einer nachklingenden Gewürzwärme, die erst spät wieder in einen saubereren, floralen Irishauch übergeht.

Serviervorschlag

Auch hier ist das große Ballonglas mit reichlich Eis Pflicht, im Verhältnis von etwa 1:3 Gin zu Tonic, damit die intensive Gewürzwürze über die Zeit etwas an Schärfe verliert. Eine Orangenzeste als Garnitur bringt zusätzliche Frische ins Glas und unterstreicht die vorhandene, aber schwache Zitrusnote des Gins. Von zusätzlichen Gewürzgarnituren wie Zimtstangen sollte trotz der thematischen Naheliegenheit abgesehen werden, da sie die ohnehin dominante Würze weiter verstärken würden, statt für Ausgleich zu sorgen.

Einordnung & Vergleich

Der direkte Vergleich zum ebenfalls gewürzintensiven Opihr Oriental Spiced London Dry Gin, der mit dem 1724 ebenfalls nur 3/5 erreicht, liegt hier besonders nahe – beide Gins erzählen ihre Rezeptur über historische Gewürzhandelsrouten, und beide zeigen mit diesem Tonic dieselbe grundsätzliche Schwäche: Ohne Gegenbitterkeit bekommt die Würze zu viel Raum. Magellan schneidet dabei minimal besser ab, weil die florale Iriswurzel und die etwas höhere Süße dem Gesamtbild mehr Balance verleihen als Opihrs schärfere Kardamom-Kreuzkümmel-Achse, doch grundsätzlich bestätigt sich hier der bereits beim Opihr beobachtete Zusammenhang: Sehr gewürzbetonte Gins profitieren kaum von einem Tonic, das explizit für kräuterig-komplexe, aber nicht scharf-würzige Aromatik konzipiert wurde. Für Magellan wäre ein aromatisches, selbst würzig strukturiertes Tonic die naheliegendere Wahl gewesen.

Fazit

3/5 Punkte. Wie beim thematisch verwandten Opihr zeigt sich auch bei Magellan: Ein Tonic, das auf Zurückhaltung setzt, kann einer sehr gewürzintensiven Rezeptur nicht das Gegengewicht bieten, das sie eigentlich bräuchte. Die florale Irisnote rettet die Kombination vor einer noch niedrigeren Bewertung, macht aus ihr aber keinen echten Volltreffer. Für kalte Jahreszeiten, in denen ein warmer, chai-artiger Drink gefragt ist, kann die Kombination durchaus überzeugen; als klassischer Sommer-Gin-Tonic eignet sie sich dagegen kaum. Wer die Gewürzfülle von Magellan besser eingebunden erleben möchte, sollte zu einem selbst aromatisch-würzig gebauten Tonic greifen.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance3/5
Komplexität4/5
Säure/Frische1/5
Süße3/5