Cognac

Rémy Martin XO

4,6/5 Redaktionsbewertung
40 % vol.PremiumFine Champagne (85 % Grande Champagne, 15 % Petite Champagne), Eaux-de-Vie 10–37 Jahre (Ø 25 Jahre), Limousin-EicheGrande & Petite Champagne, Frankreich
CognacXO
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Herstellung des Rémy Martin XO:

Der XO wurde 1981 in das Sortiment von Rémy Martin aufgenommen und zunächst in einer markanten, gerillten Rundkaraffe präsentiert, die intern bis heute als "Sun Decanter" bekannt ist. 2003 überarbeitete das Haus die Abfüllung unter dem Namen XO Excellence grundlegend und hob dabei die Mindestreifezeiten deutlich an; seither gilt die heutige Zusammensetzung. Verantwortlich für den Blend ist seit 2014 Baptiste Loiseau, der jüngste Kellermeister in der Geschichte des Hauses. Er trat die Nachfolge von Pierrette Trichet an, die als erste Frau überhaupt die Position eines Kellermeisters bei einem großen Cognac-Haus übernommen hatte – vor ihr prägten Georges Clot und André Giraud den Hausstil.

Wie bei jedem Cognac bildet die Rebsorte Ugni Blanc den Ausgangspunkt; der daraus gewonnene Grundwein wird zweifach in kleinen kupfernen Charentais-Brennblasen destilliert. Für den XO verschneidet Rémy Martin bis zu 400 verschiedene Eaux-de-Vie streng nach der Fine-Champagne-Formel, allerdings mit einem gegenüber VSOP und 1738 deutlich höheren Grande-Champagne-Anteil: 85 Prozent Grande Champagne, nur 15 Prozent Petite Champagne. Die einzelnen Bestandteile sind zwischen zehn und 37 Jahren alt, das durchschnittliche Verkostungsalter liegt bei rund 25 Jahren. Die Reifung erfolgt in Fässern aus Limousin-Eiche; auf Kältefiltration und zugesetzte Farbstoffe verzichtet das Haus bei dieser Abfüllung bewusst.

Verkostung des Rémy Martin XO:

In der Nase zeigt der XO ein dichtes Bild aus getrockneten Feigen, Pflaumen und kandierter Orangenschale, unterlegt von Walnuss und einer deutlichen, aber nicht aufdringlichen Röstholznote. Am Gaumen entfaltet sich eine seidige Textur mit reifer Frucht, feinen Gewürzen und einem Hauch Kakao, während die für Fine Champagne typische florale Grundnote auch nach Jahrzehnten Fassreifung noch durchscheint – ein Beleg für die Balance, die Rémy Martin über den hohen Grande-Champagne-Anteil anstrebt. Verglichen mit dem 1738 Accord Royal wirkt der XO dichter und zugleich ruhiger: weniger rohe Würze, dafür mehr integrierte, über Jahrzehnte abgerundete Komplexität. Der Abgang ist lang, warm und elegant, mit einem Nachklang aus Honig, Marmelade und leichtem Gewürzkuchen, ohne in Richtung Rauch oder Leder zu kippen, wie es bei breiter angelegten XO-Cognacs anderer Häuser vorkommt. Mit 40 % vol. bleibt der Alkohol dabei gut eingebunden und tritt hinter der Aromatiefe zurück.

Steckbrief Rémy Martin XO:

Alkoholgehalt: 40 % vol.
Klassifikation: XO (Fine Champagne, 85 % Grande Champagne, 15 % Petite Champagne)
Fassreifung: Eaux-de-Vie 10–37 Jahre, Ø 25 Jahre, Limousin-Eiche
Hersteller: Rémy Martin (Rémy Cointreau), Cognac, Frankreich

Herstellung im Detail: Warum ausschließlich Fine Champagne den XO prägt

Während Häuser wie Hennessy oder Martell für ihre XO-Abfüllungen gezielt auf mehrere, teils gegensätzliche Crus setzen – Hennessy auf Blend-Breite über die gesamte Charente, Martell Cordon Bleu auf einen hohen Anteil der blumigen Borderies –, bleibt Rémy Martin auch auf der höchsten regulären Reifestufe strikt bei seiner Fine-Champagne-Formel. Das bedeutet: Selbst unter bis zu 400 verschiedenen Eaux-de-Vie im XO stammt keine einzige aus Borderies, Fins Bois oder einem der anderen Crus der Region – ausschließlich Grande und Petite Champagne kommen zum Einsatz. Diese Selbstbeschränkung verringert die verfügbare Rohstoffbasis erheblich, sichert aber über alle Reifestufen hinweg denselben floral-fruchtigen Grundcharakter, der VSOP, 1738 und XO trotz unterschiedlicher Tiefe als Familie erkennbar macht.

Möglich wird diese Konsequenz durch eine außergewöhnlich stabile Kellermeister-Tradition: Von Georges Clot über André Giraud bis zu Pierrette Trichet und schließlich Baptiste Loiseau reicht eine ungebrochene Linie an Verantwortlichen, die jeweils über Jahrzehnte am selben Stil gefeilt haben, statt bei jedem Wechsel neu anzusetzen. Loiseau selbst beschreibt seine Aufgabe weniger als reine Frage des Alters der Eaux-de-Vie, sondern als Zusammenspiel von Handwerk und Leidenschaft bei der Auswahl aus den hauseigenen Lagerbeständen – eine Haltung, die erklärt, warum der XO trotz eines Durchschnittsalters von 25 Jahren nie plump oder rein holzgetrieben wirkt, sondern die florale Fine-Champagne-Linie bis in die höchste reguläre Reifestufe trägt.

Genuss-Empfehlung

Der XO zeigt seine Tiefe am besten pur im Cognac-Schwenkglas bei Zimmertemperatur, idealerweise nach einer kurzen Standzeit, in der sich die Aromen weiter öffnen können. Von Eis oder Mixern sollte bei dieser Reifestufe abgesehen werden, da sie die über Jahrzehnte gewachsene Komplexität unnötig verdecken würden. Als Digestif passt der XO hervorragend zu dunkler Schokolade mit hohem Kakaoanteil, getrockneten Feigen oder einem kräftigen Blauschimmelkäse, deren Intensität die Fruchttiefe des Cognacs nicht überdeckt. Auch als Begleiter zu einer mittelkräftigen bis kräftigen Zigarre entfaltet er durch seine Tanninstruktur und Röstholznoten genügend Standvermögen, ohne an floraler Eleganz zu verlieren.

Einordnung & Alternativen

  • Rémy Martin VSOP – die florale Basis des Hauses mit deutlich kürzerer Reifung.
  • Rémy Martin 1738 Accord Royal – die Zwischenstufe mit mehr Würze, aber niedrigerem Grande-Champagne-Anteil.
  • Hennessy XO – breiter angelegter Multi-Cru-Blend als Kontrast zur strikten Fine-Champagne-Philosophie.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Fruchtigkeit4/5
Süße3/5
Eiche/Vanille4/5
Blumig/Würzig2/5

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