Scotch Whisky

The Singleton of Glendullan 12 Jahre Whisky

3,6/5 Redaktionsbewertung
40 % vol.EinstiegsklasseÜberwiegend amerikanische Eiche (Ex-Bourbon), kleinerer Anteil europäische Ex-Sherry-Eiche (nach Testerangaben)Dufftown, Speyside, Schottland
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The Singleton of Glendullan 12 Jahre – Der Amerikaner unter den Singletons

Dufftown gilt als eine der Whisky-Hochburgen der Speyside, und zwischen den bekannten Namen versteckt sich eine Brennerei, die als Single Malt erstaunlich wenig bekannt ist: Glendullan. Unter der Diageo-Marke The Singleton wurde sie für den nordamerikanischen Markt positioniert. Die 12 Jahre alte Kernabfüllung kommt mit 40 % vol. in die Flasche und ist nach Tester-Beschreibungen klassisch-weicher Speyside: süß, fruchtig, ohne Rauch und ohne große Ecken.

Geschichte: Königliche Lieferungen und ein Neubau nebenan

Gegründet wurde Glendullan 1897 vom Aberdeener Blender und Händler William Williams, gemeinsam mit seinem Unternehmen William Williams & Sons. Glendullan gilt als die letzte Brennerei, die in Dufftown gebaut wurde. Nach Angaben der Betreiberseite belieferte die Firma ab 1902 auf ausdrücklichen Wunsch König Edward VII. Aus dem Familienbetrieb wurde 1919 die Macdonald, Greenlees & Williams Ltd., 1926 übernahm die Distillers Company, 1939 kam sie unter die Verwaltung von Scottish Malt Distillers. Seit 1985 gehört sie über die Konzernfusionen zu dem heutigen Eigentümer Diageo.

1972 entstand direkt neben der alten Anlage eine zweite, moderne Brennerei, während die ursprüngliche 1985 geschlossen wurde. Als Singleton erschien Glendullan 2007 oder 2008 (je nach Quelle) in den USA. Erst ab 2015 hob Diageo die regionale Bindung auf, sodass der Malt heute auch auf anderen Märkten auftaucht. Wie gut er in Deutschland verfügbar ist, schwankt; der europäische Hauptvertreter der Marke bleibt der bereits besprochene Dufftown.

Der Singleton of Glendullan 12 im Speziellen

Im Sortiment ist der 12-Jährige die Einstiegsstufe, darüber stehen 15 und 18 Jahre sowie Sonderabfüllungen wie die in Muscat-Fässern veredelte Master's Art. Der Whisky reift laut einem Tester überwiegend in amerikanischen Ex-Bourbonfässern, ergänzt durch einen kleineren Anteil europäischer Ex-Sherry-Eiche. Diese Verteilung erklärt das Profil: Vanille, Toffee und Honig dürften aus dem Bourbonholz stammen, Rosinen, Sultaninen und ein Hauch Nuss eher aus den Sherryfässern. Eine offizielle Aufschlüsselung der Fässer ist uns nicht bekannt, die Angaben stützen sich also auf Testerberichte.

In den USA wurde der Whisky von Kritikern vergleichsweise freundlich aufgenommen und mit Bewertungen um 83 Punkte bedacht, ein Wert, der eher für Zuverlässigkeit als für Begeisterung steht. Ein Tester nennt ihn „zu leicht zu trinken und schwer zu kritisieren“ – ein Kompliment, das zugleich den Einsteigercharakter beschreibt.

Herstellung: Birnenförmige Brennblasen mit Übergröße

Das technische Detail, das Glendullan von vielen Nachbarn abhebt, sind die Brennblasen: Nach Angaben von whisky.com stehen im Brennhaus je drei Wash Stills mit 23.800 Litern und drei Spirit Stills mit 33.700 Litern Fassungsvermögen, alle birnenförmig mit rundem Kopf und konischem Hals. Die Spirit Stills sind also größer als die Wash Stills, eine Kombination, die selten ist. Größere Spirit Stills bieten dem Dampf mehr Raum und Kupferkontakt, was allgemein einen leichteren, sauberen Destillatstil begünstigt; wie stark das hier ins Gewicht fällt, belegen die Quellen nicht.

Das Wasser stammt nach Wikipedia aus Quellen am Conval Hill, whisky.com nennt zusätzlich den River Fiddich. Die Jahreskapazität schwankt je nach Quelle zwischen 3,7 und etwa 5 Millionen Litern reinem Alkohol. Damit zählt Glendullan nach Angaben von whisky.com zu den größten Diageo-Brennereien Schottlands, tritt als Single Malt aber vergleichsweise selten in Erscheinung.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Goldgelb bis helles Bernstein.
  • Nase: Grüner Apfel, Toffee und Malz, dazu Vanille, Sultaninen und Haselnusspraline; bei manchen Testern auch Heidehonig.
  • Gaumen: Cremig-ölig mit Rosinen, goldenem Sirup, Honig, gekochtem Apfel und karamellisierter Birne, begleitet von leichter Gewürzwärme.
  • Abgang: Mittellang, von süß zu trocken wechselnd, mit Gewürzen, Eiche und gelegentlich feinen, rauchigen Anklängen.

Genuss-Empfehlung

Der Glendullan 12 verträgt sich besser mit Eis als manch kräftigerer Malt: Mit einem großen Würfel im Tumbler bleibt der Apfel- und Honigcharakter erhalten, während die 40 % vol. angenehm gedämpft werden. Wer ihn pur trinken will, nimmt ein Nosing-Glas und lässt ihm einige Minuten. Als Highball mit Ginger Ale ist er eine einfache, fruchtige Variante. Kulinarisch passt er zu gebackenen Äpfeln, Apfelkuchen mit Zimt, Walnüssen oder einem milden Cheddar.

Einordnung & Alternativen

  • The Singleton of Dufftown 12 Jahre – aus derselben Stadt und Marke, mit mehr Röstaromen und europäischer Eiche, weniger Obst.
  • Glenlivet 12 Jahre – der bekanntere Speyside-Klassiker mit blumigerem, leichterem Profil und hohem Wiedererkennungswert.
  • Cardhu 12 Jahre – ebenfalls ein Diageo-Speysider für den sanften Einstieg, etwas honigsüßer und weicher.

Fazit

Der Singleton of Glendullan 12 Jahre ist ein ehrlicher, unaufgeregter Speyside-Malt, der seine Stärken in Weichheit und Fruchtigkeit hat. Wer die Hintergründe zur Reifung verstehen will, findet im Beitrag Whisky-Fassreifung erklärt die Grundlagen. Das Rating von 3.6 spiegelt die gute Verarbeitung und die einfache Zugänglichkeit, aber auch die dünne Stärke und das Fehlen von Besonderheiten. Für Einsteiger, die auf Rauch verzichten möchten, ist er eine solide Wahl; erfahrene Trinker finden im Sortiment der Marke mit dem 15-Jährigen mehr Tiefe.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße4/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche2/5

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