Wer mit der Fähre nach Port Askaig kommt, sieht sie fast sofort: Caol Ila, ein heller Gebäudekomplex direkt am Wasser des Sound of Islay, mit Blick auf die Paps of Jura. Der Name ist gälisch und bedeutet sinngemäß „Sund von Islay“. Die Brennerei wurde 1846 gegründet, in den 1970er-Jahren abgerissen und modern neu errichtet und gilt seither als die volumenstärkste Brennerei Islays. Der Großteil des Destillats wandert bis heute in Blends wie Johnnie Walker, doch als Single Malt hat sich Caol Ila einen eigenen Ruf erarbeitet: Rauch ist vorhanden, steht aber oft im Dienst eines klaren, zitrisch-maritimen Charakters, der ungewöhnlich zugänglich ist.
Überblick
- Name: Caol Ila Distillery
- Ort: nahe Port Askaig, Isle of Islay, Argyll and Bute, Schottland
- Gegründet: 1846
- Region: Islay (Nordostküste, am Sound of Islay)
- Besitzer: Diageo
- Typ: Single Malt Scotch Whisky, getorftes Malz; daneben auch ungetorfter Brand für Blends
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1846 | Hector Henderson gründet die Brennerei an der Küste des Sound of Islay |
| ab 1850er | Henderson zieht sich zurück; das Glasgower Handelshaus Bulloch, Lade & Co. übernimmt den Betrieb (je nach Quelle ab 1857 bzw. 1863) und baut die Anlagen aus |
| 1927 | Die Distillers Company Limited (DCL) erwirbt die Mehrheit; ab 1930 liegt die Brennerei vollständig bei deren Tochter Scottish Malt Distillers |
| 1930er/40er | Zeitweilige Stilllegungen (nach Wikipedia 1930–1937 und 1942–1945, im Zweiten Weltkrieg wegen Gerstebeschränkungen) |
| 1972–74 | Das alte Gebäude wird bis auf ein Lagerhaus abgerissen; der Neubau bringt sechs Brennblasen statt zuvor zwei |
| 1997 | Mit der Gründung von Diageo geht die Brennerei in den heutigen Konzern über |
| 2002 | Der Caol Ila 12 Jahre wird dauerhafter Teil des Kernsortiments |
| 2011 | Erweiterung der Anlage; die Kapazität liegt seither bei rund 6,5 Millionen Litern Alkohol pro Jahr |
| Heute | Größte Brennerei Islays, deren Destillat zum weit überwiegenden Teil in Blends fließt |
Besonderheiten bei der Herstellung
Malz und Torf
Das Gerstenmalz stammt überwiegend aus den Port-Ellen-Mälzereien auf Islay. Für die getorfte Produktion werden je nach Quelle Phenolwerte im Bereich von rund 30 bis 35 ppm genannt – eine Herstellerangabe dazu ist uns nicht bekannt. Daneben entsteht nach Bedarf ungetorfter Brand, vor allem für Blends.
Maischen und Gärung
Ein großer Läuterbottich (Full-Lauter-Mash-Tun) erzeugt klare Würze. Vergoren wird in zehn Gärbottichen, nach Quellenlage acht aus Oregon-Kiefer und zwei aus Edelstahl, mit Gärzeiten von mindestens rund 55 Stunden.
Brennblasen
Seit dem Neubau arbeiten hier sechs kupferne Brennblasen: drei Wash Stills (je nach Quelle 19.000 bis 20.000 Liter) und drei Spirit Stills mit je etwa 12.000 Litern. Die Wash Stills haben absteigende, die Spirit Stills gerade Lyne Arms.
Wasser und Lage
Das Prozesswasser kommt aus einem Loch oberhalb der Brennerei (in Quellen als Loch nam Ban bzw. Loch nam Burn geführt). Eine Pier-Anlage erleichterte früh den Seetransport von Gerste und Whisky.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Caol Ila 12 Jahre | 43 % | Zarter Rauch, Zitrus, Meeresluft und leichte Süße – der klassische Einstieg |
| Caol Ila Moch | 43 % | Ohne Altersangabe, mild rauchig und fruchtig-zitrisch |
| Caol Ila 18 Jahre | 43 % | Würziger und gewichtiger, Pfeffer, Rauch und salzige Herbe |
| Caol Ila Distillers Edition | 43 % | Mit zusätzlichem Finish; mehr Süße und Fruchtigkeit bei erhaltenem Rauch |
| Caol Ila Cask Strength | je nach Abfüllung | Fassstark abgefüllt, kräftigerer Rauch bei klarem Grundcharakter |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Caol Ila 12 Jahre, Caol Ila 18 Jahre und Caol Ila Moch.
Stil & Wiedererkennungswert
Caol Ila verbindet Torfrauch mit Klarheit: Zitrus, Salz und eine fast kräuterartige Frische stehen neben dem Rauch, der weniger ölig und teerig wirkt als bei manchem Nachbarn im Süden der Insel.
Dass der größte Teil der Produktion in Blends geht, ist kein Widerspruch zur Qualität der Einzelabfüllungen, sondern erklärt die Rolle der Brennerei: Als Islay-Baustein liefert sie Johnnie Walker und anderen Mischungen maritimen Rauch.
Fazit
Caol Ila ist die Industrie-Brennerei Islays im besten Sinn: groß, technisch modern und trotzdem mit unverkennbarem Charakter. Interessant ist sie für Einsteiger, die rauchigen Whisky ohne Wucht kennenlernen wollen, ebenso wie für Kenner, die Altersstufen vergleichen. Wer die kompromisslose Torfwucht von Ardbeg oder Laphroaig sucht, wird hier eher Eleganz als Kraft finden – und genau das ist der Reiz.