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Cardhu Distillery – Speyside

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Die Cardhu Distillery liegt bei Knockando am Nordufer des Spey in der Speyside und blickt auf eine Geschichte zurück, die von Frauen geprägt wurde: Helen Cumming und später ihre Schwiegertochter Elizabeth Cumming führten den Betrieb. Die legale Brennerei besteht seit 1824, 1893 ging sie an John Walker & Sons, und heute gehört sie zu Diageo. Cardhu ist ein doppeltes Gesicht der Speyside: ein Großteil des Destillats fließt in Blends der Johnnie-Walker-Reihe, der Rest erscheint als weicher, honigsüßer Single Malt.


Überblick

  • Name: Cardhu Distillery (früher Cardow)
  • Ort: Knockando, Moray, Schottland
  • Gegründet: 1824 (legale Brennerei, je nach Quelle 1823/24)
  • Region: Speyside
  • Besitzer: Diageo
  • Typ: Single Malt Scotch Whisky, weich, süß und fruchtig; der Name stammt nach verbreiteter Deutung vom gälischen „Carn Dubh“ („Schwarzer Fels“)

Historische Entwicklung

Jahr Ereignis
1824 John Cumming erhält nach dem Excise Act von 1823 eine Lizenz; zuvor wurde auf der Farm Cardow nach Überlieferung bereits illegal gebrannt
um 1884–1886 Elizabeth Cumming lässt eine größere Brennerei in der Nähe bauen, die alten Brennblasen gehen an William Grant für Glenfiddich (die Jahresangabe schwankt je nach Quelle)
1893 Die Familie verkauft Cardhu an John Walker & Sons, es bleibt unter ihrer Leitung
1899 Die Zahl der Brennblasen verdoppelt sich von zwei auf vier
1925 John Walker & Sons wird Teil der Distillers Company Limited (DCL)
1960er Die Produktionsräume werden umgebaut, es gibt nun sechs Brennblasen
1981 Aus Cardow wird der Markenname Cardhu
1997 Mit der Fusion von Guinness und Grand Metropolitan entsteht Diageo
2003/2004 Der Streit um den „Pure Malt“ endet 2004 mit der Rückkehr zum Single Malt
2014 Der Cardhu Gold Reserve erscheint

Besonderheiten bei der Herstellung

Frauen an der Spitze

Helen Cumming gilt als Figur der Whiskylegende. Als Schmugglerin soll sie den Nachbarn ein Zeichen gegeben haben, wenn Zollbeamte nahten: Ein rotes Tuch signalisierte, dass die Brennblasen zu verstecken waren. Dieses Detail ist eine Überlieferung, Quellen erzählen es unterschiedlich. Gesichert ist, dass nach dem Tod ihres Sohnes Lewis seine Witwe Elizabeth das Geschäft ausbaute und die Brennerei 1893 an John Walker & Sons verkaufte.

Anlage und Wasser

Cardhu arbeitet mit sechs dampfbeheizten Brennblasen: drei Wash Stills mit je rund 12.000 Litern und drei Spirit Stills mit je etwa 10.500 Litern. Es gibt einen Maischebottich aus Edelstahl von etwa 8 Tonnen und zehn Gärbottiche; nach einer Quelle sind es vier aus Lärche, vier aus Douglasie und zwei aus Edelstahl, die Gärung dauert etwa 75 Stunden. Die Kapazität liegt bei rund 3,4 bis 3,5 Millionen Litern im Jahr. Das Wasser stammt aus den Quellen der Mannoch Hills und dem Lyne Burn. Zur Herkunft des Malzes und zum Torfanteil widersprechen sich die Quellen, daher verzichten wir auf Angaben dazu.

Johnnie Walker und der Pure-Malt-Streit

Nach verbreiteten Angaben gehen etwa 70 % der Produktion in Johnnie-Walker-Blends und nur rund 30 % als Single Malt in die Flasche. Als die Nachfrage nach Cardhu in den frühen 2000ern wuchs, kündigte Diageo 2003 an, die Single-Malt-Abfüllung durch einen „Pure Malt“ zu ersetzen, einen Verschnitt mehrerer Brennereien unter dem Cardhu-Namen. Die Branche protestierte, der Verband Scotch Whisky Association drohte mit Maßnahmen, und im März 2004 nahm Diageo den Schritt zurück. Je nach Quelle kehrte der Single Malt in Europa 2004 oder erst 2006 vollständig zurück.


Produkte & Charakter

Produkt Alkoholvolumen Charakteristik
Cardhu 12 Jahre 40 % Reife Birne, Honig und Vanille, weich mit trocknendem Ausklang; Ex-Bourbonfässer
Cardhu Gold Reserve 40 % Ohne Altersangabe, nach Herstellerangaben aus „handverlesenen, gerösteten Eichenfässern“, süß und leicht
Cardhu 15 Jahre 40 % (nach Wikipedia) Ältere Stufe der Kernreihe, zeitweise im Sortiment
Cardhu 18 Jahre 40 % (nach Wikipedia) Älteste Stufe der Kernreihe, zeitweise im Sortiment
Cardhu 16 Jahre Special Release ca. 58 % Fassstarke Sonderedition (Ausgabe 2022)

Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Cardhu 12 Jahre und Cardhu Gold Reserve.


Stil & Wiedererkennungswert

Cardhu steht für den sanften Teil der Speyside: Birne, Honig, Malz und Vanille, dazu ein weicher Körper, den Diageo auf Einstieg und Alltag ausrichtet. Das passt zur Rolle in den Blends, in denen das Destillat Rundheit und Süße beisteuert. Der Single Malt zeigt also, welchen Baustein eine ganze Blend-Familie nutzt. Bei uns ist die Johnnie-Walker-Reihe zum Beispiel mit dem Black Label vertreten. Den Unterschied zwischen beiden Welten erklärt der Beitrag Single Malt und Blended Whisky.

Ein Nachbar im Diageo-Portfolio mit ähnlich milder Linie ist Knockando. Die Verbindung zu Glenfiddich ist eine Anekdote: Die ausgemusterten Brennblasen sollen den Grundstein für William Grants Brennerei gelegt haben.


Fazit

Cardhu eignet sich für alle, die einen milden, süßen Speyside-Malt mit ordentlicher Geschichte suchen. Der Cardhu 12 Jahre ist die naheliegende Einstiegsabfüllung, der Gold Reserve ein leichter, altersloser Vergleichsmalt. Einschränkungen: Bei 40 % bleibt der Körper schlank, die Komplexität liegt unter den schwereren Sherry-Malts der Region, und der Gold Reserve macht keine Altersangabe. Für Geschichtsinteressierte lohnt vor allem der Hintergrund, denn selten steht eine Brennerei so deutlich für weibliche Unternehmerinnen in der Whiskyindustrie wie Cardhu.