Citadelle Gin & Dr. Polidori's Dry Tonic Water (3/5)

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Citadelle Gin & Dr. Polidori's Dry Tonic Water (3/5)

3/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Citadelle Gin aus dem französischen Cognac und Dr. Polidori's Dry Tonic Water aus Saarbrücken treffen zwei Produkte aufeinander, die auf den ersten Blick beide auf botanische Vielfalt setzen, sich in der Umsetzung aber deutlich unterscheiden. Der Citadelle wird von Maison Ferrand in kleinen Charentais-Kupferbrennblasen über offener Flamme gebrannt, wobei die 19 Botanicals teils einzeln mazeriert und anschließend zum fertigen Gin vermählt werden – ein Verfahren, das dem Destillat eine für Gin ungewöhnliche Reichhaltigkeit verleiht, geprägt von warmem Zimt, Cassia und Paradieskörnern. Beim Dry Tonic aus Saarbrücken bilden dagegen Basilikum und Thymian das kräuterige Rückgrat, ergänzt um Wacholder, Kubebenpfeffer und einen bewusst gedrosselten Zucker- und Chiningehalt, der dem jeweiligen Gin eigentlich möglichst viel Spielraum lassen soll. Diese Kombination testet, wie gut ein sehr würzereicher, wärmender Gin mit einem Tonic harmoniert, das ihm kaum eigene Bitterkeit oder Säure entgegensetzt.

Warum diese Kombination nur bedingt funktioniert

Das Dry Tonic wurde konzipiert, um komplexen Botanicals durch reduzierte Süße und Bitterkeit möglichst wenig entgegenzusetzen – ein Konzept, das bei zurückhaltenderen Gins gut funktioniert, beim würzereichen Citadelle aber an seine Grenzen stößt. Ohne eine kräftige Chinin-Bitterkeit, die als Gegengewicht wirken könnte, dominiert die warme Zimt-Cassia-Note des Citadelle das Glas fast ungebremst, unterstützt von Paradieskörnern und Kubebenpfeffer, die sowohl im Gin als auch im Tonic vorkommen und sich dadurch gegenseitig verstärken, statt sich auszubalancieren. Die kräuterige Basilikum-Thymian-Note des Tonics, die bei einem klassischeren London Dry Gin für zusätzliche Frische sorgen würde, geht im intensiven Gewürzbild des Citadelle weitgehend verloren. Anders als etwa bei einem stark botanisch geprägten, aber ausgewogeneren Gin fehlt dem Citadelle in dieser Kombination somit ein echtes Gegenüber, das seiner Würze Kontur verleihen könnte.

Verkostung der Kombination

Der erste Eindruck in der Nase gehört klar dem Zimt: Cassia und ein harziger Hauch Wacholder legen sich über eine grün-frische Koriandernote, während echte Zitrusspitzen kaum auszumachen sind. Am Gaumen verschiebt sich das Gewicht noch weiter in Richtung Gewürz, als es der pure Citadelle ohnehin schon zeigt – Kardamom und ein feiner Mandelton mischen sich unter die dominante Zimt-Cassia-Achse, während Basilikum und Thymian aus dem Tonic zwar mitschwingen, aber kaum genug Gegendruck aufbauen, um sich durchzusetzen. Zumindest bleibt der Drink dank der gedrosselten Süße des Tonics trocken und nie klebrig-süß. Im Abgang hält sich die Gewürzwärme lange, mit Zimt als letztem, bestimmendem Eindruck.

Serviervorschlag

Auch hier gilt: großes Ballonglas, viel Eis, ein Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic) – nur so bekommt die Gewürzfülle über die Zeit etwas Verdünnung und wird milder. Eine Orangenzeste als Garnitur setzt zumindest einen kleinen frischen Akzent gegen die Zimtwärme, ohne die Würze zusätzlich anzuheizen. Auf Deko-Ideen wie eine Zimtstange oder ein Sternanis-Stück sollte man dagegen verzichten, weil damit genau jene Note verdoppelt würde, die im Glas bereits überrepräsentiert ist. Eine spürbare Verbesserung bringt es, das Verhältnis stärker zugunsten des Tonics zu verschieben – am grundlegenden Ungleichgewicht ändert das allerdings wenig.

Einordnung & Vergleich

Deutlich runder wirkt der Citadelle im Katalog mit einem klassischen, chininbetonteren Tonic: Die Kombination Citadelle Gin & Fever-Tree Premium Indian Tonic Water setzt der Gewürzfülle mehr Bitterkeit entgegen, und mit dem Fever-Tree Aromatic Tonic Water findet der Gin sogar einen Partner, dessen eigene Angostura-Würze gezielt zur Zimt-Cassia-Note passt, statt nur zurückzutreten. Das Muster erinnert an eine andere, bereits im Katalog dokumentierte Kombination: Auch Opihr Oriental Spiced London Dry Gin & 1724 Tonic Water zeigt, wie ein sehr würzereicher Gin von einem zu zurückhaltenden Tonic kaum gebremst wird und dadurch schnell eindimensional wirkt. Immerhin bringt das Dry Tonic mit seiner spürbaren, wenn auch moderaten Chinin-Bitterkeit etwas mehr Struktur mit als ein noch neutraleres Tonic es täte – weshalb diese Kombination nicht ganz so einseitig ausfällt wie das Opihr-Beispiel, aber dennoch klar hinter den besseren Citadelle-Pairings zurückbleibt.

Fazit

3/5 Punkte. Trinkbar und in seiner Art durchaus stimmig, aber klar limitiert: Weil dem intensiven Zimt-Cassia-Charakter des Citadelle in dieser Kombination die nötige Bitterkeit als Gegenspieler fehlt, bleibt die eigentlich vorhandene Kräuterseite des Dry Tonic fast unbemerkt, und der Drink rutscht insgesamt in eine recht einseitige Gewürzrichtung. Für den ersten Kontakt mit dem Citadelle Gin lohnt sich eher ein Griff zu einer der chininbetonteren Fever-Tree-Kombinationen aus dem Katalog. Wer den Gin schon kennt und gezielt eine warme, an Glühwein oder Chai erinnernde Herbst- und Wintervariante sucht, kann mit diesem Dry-Tonic-Pairing trotzdem etwas anfangen – als Standard-Empfehlung für den Citadelle taugt es aber nicht.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance3/5
Komplexität3/5
Säure/Frische1/5
Süße2/5