Die Edradour Distillery liegt in den Hügeln östlich von Pitlochry in Perthshire und gilt als eine der kleinsten Brennereien Schottlands. Ihre Gebäude erinnern an einen Bauernhof, die Anlage arbeitet mit nur einem Paar sehr kleiner Brennblasen. Seit 2002 gehört sie dem unabhängigen Abfüller Signatory Vintage, der sie von einem Lieferanten für Blends zu einer Single-Malt-Marke mit vielen Fassvarianten umgebaut hat. Neben dem ungetorften Edradour entsteht hier auch der getorfte Ballechin.
Überblick
- Name: Edradour Distillery
- Ort: Pitlochry, Perthshire, Schottland
- Gegründet: 1825 (zunächst als Glenforres, seit 1837 Edradour)
- Region: Highlands
- Besitzer: Signatory Vintage Scotch Whisky Company (seit 2002; Inhaber Andrew Symington)
- Typ: Single Malt Scotch Whisky, ungetorft, dazu die getorfte Linie Ballechin
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1825 | Offizielle Gründung durch einen Zusammenschluss von Landwirten, zunächst unter dem Namen Glenforres |
| 1837 | Umbenennung in Edradour |
| 1933 | Die Familie Mackintosh verkauft an William Whiteley & Co. |
| 1982 | Campbell Distillers, eine Tochter von Pernod Ricard, übernimmt die Brennerei |
| 2002 | Signatory Vintage kauft Edradour und konzentriert sich auf Single Malt statt Blend-Lieferungen |
| 2003 | Beginn der Destillation von getorftem Spirit, der später als Ballechin erscheint |
| 2006 | Der erste Ballechin kommt auf den Markt |
| 2018 | Ausbau um einen zweiten Brennereibau (Edradour II) mit nachgebauten Brennblasen; die Kapazität steigt |
Besonderheiten bei der Herstellung
Kleinster Maßstab
Die Brennerei besitzt nach den Wikipedia-Angaben je eine Wash Still mit rund 4.200 Litern und eine Spirit Still mit rund 2.200 Litern. Das ist sehr wenig im Vergleich zu den meisten schottischen Brennereien, und entsprechend überschaubar ist die Belegschaft. Edradour selbst bewirbt sich als kleinste traditionelle Brennerei des Landes. Wie klein die Produktion tatsächlich ist, hängt vom Zeitpunkt ab: Vor dem Ausbau werden je nach Quelle etwa 90.000 bis 125.000 Liter im Jahr genannt, danach liegt die Höchstkapazität laut deutscher Wikipedia bei bis zu 500.000 Litern. Die genaue Zahl lässt sich nicht gegenprüfen, deshalb sollte man sie als Größenordnung lesen.
Wasser
Das Wasser stammt nach Angaben der deutschsprachigen Wikipedia aus einer Quelle am Mhoulin Moor. Der Name Edradour wird in Führungen als „zwischen zwei Wassern“ gedeutet.
Ballechin und Fassvielfalt
Das getorfte Destillat läuft nur an wenigen Tagen pro Woche und wird als Ballechin abgefüllt, benannt nach einer früheren Brennerei in der Gegend. Die Torfung liegt nach Händlerangaben bei etwa 50 ppm. Der ungetorfte Edradour reift häufig in Sherryfässern und wird oft in Wein- und Portweinfässern oder Sauternesfässern nachgereift.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Edradour 10 Jahre | 40 % (ältere Chargen), 43 % (aktuelle Neuauflage) | Sherryprägung mit dunkler Schokolade, Nuss, Beerenfrucht und Gewürz |
| Edradour Cask Strength | fassstark, je Abfüllung unterschiedlich | Kräftigere Variante mit mehr Fasseinfluss, wechselnde Fasstypen |
| Edradour Weinfass-Finishes | je nach Abfüllung | Nachreifung in Wein- oder Portfässern, süßer und fruchtiger |
| Ballechin | je nach Abfüllung | Getorfter Single Malt, meist mit Wein- oder Sherry-Finish |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Edradour 10 Jahre.
Stil & Wiedererkennungswert
Edradour verbindet drei Dinge, die zusammen ungewöhnlich sind: Kleinstbetrieb mit Hofcharakter, ein Eigentümer aus dem Abfüllergeschäft und eine Vorliebe für Fassexperimente. Der Hausstil ist sherrybetont, ölig und weich, wobei der Fasseinfluss je nach Abfüllung stark variiert. Wer die Marke kennenlernen will, sollte sich daher weniger an einem einheitlichen Profil orientieren als an der jeweiligen Fassentscheidung.
Die zweite Linie, Ballechin, bildet den Gegenpol zum ungetorften Edradour. Sie zeigt, dass eine Highland-Brennerei auch im Kleinen mit Torf arbeiten kann, und erscheint in wechselnden Fassvarianten. Der Name erinnert an eine frühere Brennerei in der Umgebung, die Marke selbst ist vergleichsweise jung und startete erst Mitte der 2000er-Jahre.
Fazit
Edradour ist etwas für Whiskyfreunde, die kleine Brennereien und Fasseinflüsse schätzen. Der Edradour 10 Jahre ist die naheliegende Einstiegsabfüllung mit einem klaren, dunkel-fruchtigen Sherryprofil. Wer lieber Rauch mag, kann zum Ballechin greifen. Die Alkoholstärke des 10-Jährigen hat sich im Lauf der Zeit geändert, sodass ein Blick aufs Etikett sinnvoll ist. Bei den Wein-Finishes sind die Unterschiede zwischen den Chargen groß.

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