Die George Dickel Distillery liegt im Cascade Hollow bei Tullahoma im US-Bundesstaat Tennessee und ist nach Jack Daniel's die zweite große Tennessee-Brennerei. Die Marke geht auf den deutschstämmigen Kaufmann George A. Dickel zurück, die heutige Anlage entstand allerdings erst 1958/59 neu; der Whisky gehört heute zu Diageo. Besonders macht sie das Zusammenspiel aus Holzkohle-Filtration nach dem Lincoln-County-Verfahren und einer ausgeprägten Kälte vor dem Filtern. Sogar die Schreibweise fällt auf: Dickel schreibt „Whisky“ ohne e.
Überblick
- Name: George Dickel Distillery (auch Cascade Hollow Distillery)
- Ort: Cascade Hollow, Tullahoma, Tennessee, USA
- Gegründet: 1870er-Jahre (je nach Quelle 1870, 1877 oder 1878); heutiger Standort seit 1958/59
- Region: Tennessee
- Besitzer: Diageo
- Typ: Tennessee Whisky, aus Mais, Roggen und gemälzter Gerste, holzkohlegefiltert
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1860er | George A. Dickel, 1818 in Deutschland geboren, handelt in Nashville mit Spirituosen (je nach Quelle ab 1861 oder 1866) |
| 1870er | Im Cascade Hollow wird Whisky gebrannt, den Dickels Firma vertreibt; die Gründungsangaben schwanken |
| 1894 | George Dickel stirbt, seine Geschäftspartner um die Familie Shwab führen das Geschäft weiter |
| 1910 | Tennessee verbietet Alkohol, die Produktion weicht nach Louisville in Kentucky aus |
| 1920 | Mit der nationalen Prohibition kommt die Herstellung ganz zum Erliegen |
| 1937 | Schenley erwirbt die Marke, gebrannt wird zunächst in Kentucky |
| 1958/59 | Nach lokaler Genehmigung entsteht die Brennerei im Cascade Hollow neu, die erste Maische läuft am 4. Juli 1959 an |
| 1964 | Der erste George Dickel Tennessee Whisky kommt in die Flaschen |
| ca. 1999–2003 | Die Produktion ruht wegen Überbeständen und startet 2003 wieder, nach Fachquellen |
Besonderheiten bei der Herstellung
Rohstoffe und Anlage
Die Maische besteht aus 84 % Mais, 8 % Roggen und 8 % gemälzter Gerste. Nach dem Bericht eines Besuchers arbeitet die Brennerei mit einer mehrstöckigen Kolonne und Gärbottichen. Sie setzt stark auf Handarbeit: Körner werden von Hand eingewogen, die Holzkohle bewegen Mitarbeiter manuell. Über das Wasser sind sich die Quellen nicht einig, genannt werden eine Quelle in der Nähe und das Wasser aus dem Cascade Branch.
Kälte und Holzkohle
Wie bei Jack Daniel's wird das Destillat vor der Fassreifung durch Holzkohle gefiltert, das sogenannte Lincoln-County-Verfahren. Dickel macht daraus einen eigenen Ablauf: Das frische Destillat wird zuvor auf etwa 4 °C (40 °F) heruntergekühlt und sickert dann einige Tage durch Zuckerahorn-Holzkohle, die nach Angaben vor Ort selbst gebrannt wird. Die Idee dahinter ist ein weicheres Destillat. Wie stark sich das im Glas bemerkbar macht, lässt sich nicht objektiv festlegen. Mehr zu den Regeln für Tennessee Whiskey steht im Beitrag Tennessee Whiskey und der Lincoln-County-Prozess.
Fassreifung
Das Destillat wird nach Wikipedia mit 55 % vol. in neue, ausgebrannte Eichenfässer gefüllt und in einstöckigen Lagerhäusern gereift. Nach Wikipedia werden die Abfüllungen seit 1995 kühlgefiltert, damit sie auch bei niedrigen Temperaturen klar bleiben.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| George Dickel No. 12 | 45 % | Standardabfüllung ohne Altersangabe, Vanille, Karamell, Nuss und leichte Roggenwürze |
| George Dickel Old No. 8 | 40 % | Leichtere Einstiegsstufe der Reihe, nach Fachquelle etwa fünf bis sieben Jahre gereift |
| George Dickel Barrel Select | 43 % | Aus ausgesuchten Fässern, nach Händlerangaben zehn bis zwölf Jahre alt |
| George Dickel Bottled in Bond | 50 % | Abfüllung unter den Bottled-in-Bond-Regeln, mindestens vier Jahre gereift |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: George Dickel No. 12 Tennessee Whisky.
Stil & Wiedererkennungswert
Dickel ist der würzigere, trockenere Nachbar von Jack Daniel's: Vanille und Karamell stehen vorn, dazu kommen Nuss, Zimt und eine Roggennote. Der No. 12 liegt mit 45 % deutlich über dem Standard-Jack mit 40 %. Der Maisanteil liefert die Grundsüße, die Holzkohle die Geschmeidigkeit. Beide Brennereien arbeiten nach dem gleichen Grundprinzip, unterscheiden sich aber bei Rezept, Kühlung und Ausrichtung. Die gesetzlichen Hintergründe zu Mais, Fass und Altersangaben erklärt der Beitrag Bourbon-Regeln und Mythen.
Fazit
Dickel passt zu allen, die Tennessee Whisky jenseits des Platzhirschen kennenlernen wollen. Der No. 12 ist die sinnvolle Einstiegsflasche: ausgewogen und im Cocktail ebenso wie pur zu trinken. Der Old No. 8 ist leichter, der Barrel Select die Stufe für mehr Tiefe. Zu beachten ist, dass die Marke selten so stark im Fokus steht wie Jack Daniel's; das Sortiment wechselt zudem, und viele Angaben zu Reifezeiten stammen von der Marke und nicht von unabhängiger Seite.

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