Haig Club Clubman – Sanfter Single Grain für den lockeren Einstieg
Der Haig Club Clubman ist ein Single Grain Scotch Whisky, also ein Getreidewhisky aus einer einzigen Destillerie, der nicht aus reiner Gerste besteht. Er stammt aus Cameronbridge in der Grafschaft Fife und wird ausschließlich in gebrauchten Bourbonfässern gereift. Das Ergebnis ist ein bewusst weicher, süßer und unkomplizierter Whisky mit 40 % vol., der weniger auf Tiefe als auf Zugänglichkeit zielt.
Wer bisher vor allem Single Malts oder klassische Blends getrunken hat, begegnet hier einem anderen Stil: kein Rauch, kaum Brennereicharakter im Malt-Sinn, dafür Getreidesüße, Vanille und Karamell. Das macht den Clubman zu einem Kandidaten für Longdrinks und für alle, die Whisky erst kennenlernen möchten.
Geschichte: Von John Haig zu Diageo
Die Wurzeln der Marke reichen nach Herstellerangaben fast 400 Jahre zurück; die Familie Haig wird dabei oft als eine der ältesten Brennerfamilien Schottlands beschrieben. Als gesichert gilt vor allem das 19. Jahrhundert: John Haig gründete 1824 die Destillerie Cameronbridge, die später zu den Pionieren der kontinuierlichen Destillation zählte. Wann dort genau die erste Säulenbrennanlage lief, nennen die Quellen unterschiedlich, meist ist von 1826 bis 1830 die Rede. John Haig & Co. ging 1877 in der Distillers Company auf, die wiederum Teil von Guinness und seit 1997 von Diageo wurde.
Cameronbridge gilt heute als größte Grain-Destillerie Schottlands. Ein großer Teil der Produktion geht als neutraler Getreidealkohol in Spirituosen anderer Kategorien, ein weiterer als Grain Whisky in Blends. Als eigenständige Single-Grain-Abfüllung erschien 2014 der erste Haig Club, vermarktet mit Unterstützung von David Beckham und Simon Fuller und erkennbar an der blauen, kantigen Flasche. Wie sich Grain Whisky vom Malt unterscheidet, erklärt unser Beitrag Grain Whisky und Blended Scotch.
Der Clubman im Speziellen
Der Clubman kam im August 2016 als zweite Abfüllung der Marke hinzu und ist die schlichtere, alltagstauglichere Variante neben dem ursprünglichen Haig Club. Während dieser Whisky aus drei Fasstypen zusammengestellt wird, reift der Clubman laut Hersteller ausschließlich in amerikanischen Ex-Bourbonfässern. Eine Altersangabe trägt er nicht; die Bedeutung dieser Angabe behandeln wir in unserem Überblick zu den Begriffen auf dem Whisky-Etikett.
Der Name geht auf Werbung aus den 1920er-Jahren zurück, in der Haig als „Whisky des Clubmans“ angepriesen wurde. Zu Kühlfilterung und Farbstoff finden sich in den eingesehenen Quellen keine Angaben, daher lassen wir dies offen. Die Abfüllstärke beträgt 40 % vol.
Herstellung: Weizen und Säulenbrennanlage
Cameronbridge verarbeitet nach Branchenangaben überwiegend Weizen und destilliert ihn in Säulenbrennanlagen, der von Robert Stein entwickelten Technik. Sie liefert ein leichteres, reineres Destillat als eine Brennblase. Die Destillationsstärke liegt dabei unter der gesetzlichen Obergrenze für Scotch, damit Getreidearoma erhalten bleibt.
Entscheidend für den Geschmack ist damit vor allem das Fass. Ex-Bourbonfässer aus amerikanischer Eiche geben Vanille, Karamell und Kokos ab und beeinflussen einen leichten Grain-Spirit stärker als einen kräftigen Malt. Genaue Reifezeiten und Rezepturdetails gibt der Hersteller nicht an.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles Gold.
- Nase: Sanft und frisch, mit Vanillefudge, Butterscotch und etwas Honig; dahinter grüner Apfel, ein Hauch Holzwürze und leichte Lösungsmittelnoten.
- Gaumen: Weich und süß mit Fudge, Heidehonig und Vanille, dazu Getreide, grüner Apfel, Zimt und etwas weiße Schokolade. Je nach Verkoster tritt auch Kokos oder Holz in den Vordergrund.
- Abgang: Kurz bis mittellang, warm, mit Zimt und Getreide.
Der Clubman schmeckt rund und gefällig, bleibt aber einfach gestrickt. Wer Komplexität, Rauch oder Gewürztiefe sucht, wird sie nicht finden; dafür gibt es keine scharfen Kanten, und der Alkohol ist bei 40 % gut eingebunden.
Genuss-Empfehlung
Pur gelingt der Clubman im Tumbler oder Nosing-Glas, am besten leicht gekühlt oder mit einem Eiswürfel, der die Süße etwas bändigt. Ein Schuss Wasser ist kaum nötig. Besonders passend ist er als Highball mit Ginger Ale oder Ginger Beer und einer Zitronenscheibe, ebenso mit Apfelsaft und Ingwer. Auch Cola verträgt er gut; hier spielt er seine Süße aus, ohne zu dominieren.
In klassischen Rezepten funktioniert er als sanfte Basis, etwa in einem Old Fashioned mit Orangenbitter und etwas Zuckersirup, in dem er weniger Würze liefert als ein Bourbon oder Rye. Zum Essen passen mild gebratenes Geflügel, Pancakes mit Ahornsirup oder ein einfacher Vanilleeisbecher.
Einordnung & Alternativen
- Ballantine's Finest: ähnlich weich und süß, aber als Blend mit Malt-Anteil etwas vielschichtiger.
- Famous Grouse: ein Blend mit mehr Körper und Würze für alle, die Malt-Charakter im Glas wollen.
- Johnnie Walker Red Label: ein Standard-Blend mit mehr Würze, ebenfalls gut für Highballs geeignet.
Fazit
Der Haig Club Clubman ist ein zugänglicher Single Grain für Einsteiger und für Longdrinks. Er überzeugt durch Weichheit, Vanille und Honig und leistet sich keine Fehler, bleibt aber in Tiefe und Länge bescheiden. Für alle, die pur auf Komplexität setzen, sind Blends mit Malt-Anteil oder Single Malts die bessere Wahl; als sauberer, süßer Mixer-Whisky ist er solide. Wegen sauberer Verarbeitung und Gefälligkeit, aber überschaubarer Tiefe vergeben wir 3,5 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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