Kanadischer Whisky

Lot No. 40 Canadian Rye Whisky

4/5 Redaktionsbewertung
43 % vol.MittelklasseNeue Eichenfässer (nach Händler- und Testangaben)Windsor (Hiram-Walker-Brennerei), Ontario, Kanada
Kanadischer WhiskyRyeWhisky
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Lot No. 40 – der kantige Roggenwhisky aus Windsor

Der Lot No. 40 ist ein kanadischer Roggenwhisky, der bewusst vom Bild des milden, glatten Canadian Whisky abweicht. Er stammt aus der Hiram-Walker-Brennerei in Windsor, Ontario, wird mit 43 % Vol. abgefüllt und basiert auf Roggen, gebrannt in einer Kupfer-Pot-Still. Das Ergebnis ist trocken, würzig und deutlich ernsthafter als die großen Massenmarken des Landes.

Er richtet sich an alle, die Rye mögen und neugierig auf eine andere Interpretation sind. Wer Weichheit und Süße sucht, sollte eher zu einem klassischen Blend greifen.

Geschichte: Rückkehr eines Verschwundenen

Die Marke taucht zum ersten Mal in den 1990er-Jahren auf, als Corby sie als anspruchsvollen Whisky für Kenner im nordamerikanischen Markt positionierte. Nach Aussage von Master Blender Dr. Don Livermore fand der Stil damals nicht genug Käufer; der Markt war schlicht noch nicht reif für einen kantigen Roggenwhisky. Die Flasche verschwand und wurde unter Sammlern zur Rarität.

Im Jahr 2012 brachte Corby den Lot No. 40 neu heraus, als das Interesse an kanadischem Whisky wieder wuchs. Hergestellt wird er in der Brennerei von Hiram Walker & Sons, die zu Pernod Ricard gehört; Corby Spirit and Wine, an dem Pernod Ricard die Mehrheit hält, vermarktet ihn. Zur Frühgeschichte der Marke kursieren unterschiedliche Erzählungen, etwa zu einer alten Familienrezeptur. Wir lassen sie weg, weil wir sie nicht sicher belegen konnten. Den Gründer der Brennerei, Hiram Walker, kennt man vor allem von Canadian Club.

Der Lot No. 40 im Speziellen

Die Bezeichnung „Lot No. 40“ steht auf der Flasche zusammen mit dem Hinweis auf den Pot-Still-Brand und die Kleinchargen-Herstellung. Er trägt keine Altersangabe. Der Alkoholgehalt liegt laut Händlerlisten bei 43 % Vol. und damit etwas über dem üblichen Standard von 40 %.

Im Sortiment ist er die Gegenposition zum glatten Blend: Während die großen Marken Mais als Basis nutzen und Roggen als Würze beimischen, ist hier der Roggen die Basis des Ganzen. In Kanada hat Roggen seit Langem einen guten Ruf als Aromakorn; warum der Begriff „Rye“ dort oft für einen ganzen Stil steht, erklärt unser Beitrag Canadian Whisky erklärt. Bei Lot No. 40 meint er tatsächlich die Zutat.

Herstellung: Roggen, Pot Still, neues Holz

Beim Mash sind die Quellen unterschiedlich genau. Das Etikett spricht schlicht von Roggen; eine Fachseite nennt reinen, unvermälzten Roggen unter Einsatz von Enzymen, wobei die frühere Version einen kleinen Teil Malzroggen enthalten haben soll. Wir geben das als „je nach Quelle“ wieder. Ein Tester sprach von einem einzelnen Kupferkessel von rund 12.000 Litern, ein Detail, das wir nur aus dieser einen Quelle kennen.

Gereift wird nach Etikettenangabe und Testberichten in neuer Eiche. Das passt zum Charakter: Neues Holz gibt deutlich mehr Gerbstoffe, Vanille und Würze ab als gebrauchte Bourbonfässer und stützt den trockenen Roggenkern. Warum das so ist, erklärt der Artikel Whisky-Fassreifung erklärt. Die Chargen können von Jahr zu Jahr leicht variieren, weil Roggen als Naturprodukt schwankt.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Mittleres Gold bis Kupfer.
  • Nase: Frisches Roggenbrot, Karamell, Pfeffer, dazu Vanille und reife Banane, mit Zeit auch Zitrus. Manche Verkoster erwähnen Heu und Eichenholz.
  • Gaumen: Mittlerer Körper, anfangs würzig und pfeffrig, dann Karamell, Nuss und ein Hauch Minze. Die Roggenschärfe bleibt präsent, ohne zu dominieren.
  • Abgang: Mittellang, trocken, mit Pfeffer, Gewürznelke und gebranntem Karamell.

Der Lot No. 40 ist kein sanfter Begleiter, sondern ein Whisky mit Ecken. Süße und Frucht sind vorhanden, treten aber hinter die Würze zurück. Die Meinungen reichen von begeistert über „ausgewogen“ bis zu der Feststellung, dass man sich an den trockenen Biss gewöhnen müsse. Rauch spielt keine Rolle.

Genuss-Empfehlung

Pur im Nosing-Glas zeigt er am meisten Struktur; ein paar Tropfen Wasser öffnen die Frucht und zähmen den Pfeffer. Auf Eis wird er zugänglicher, verliert aber etwas Schärfe und Tiefe. Als Cocktailbasis ist er prädestiniert für Manhattan, Old Fashioned oder Whiskey Sour, wo seine Würze nicht in der Mischung untergeht. Zum Essen passt er zu geräuchertem Fleisch, Pastrami-Sandwich, Gebäck mit Zimt und Nüssen oder kräftigem Käse wie altem Gouda.

Einordnung & Alternativen

  • Canadian Club 12 Jahre: Die weiche Seite derselben Brennerei, mit Mais als Basis und Bourbonfass-Süße.
  • Crown Royal: Der bekannteste kanadische Blend, bewusst glatt und süßlich, ein guter Kontrast zu Lot No. 40.
  • Pike Creek 10 Jahre: Ebenfalls aus Windsor, mit Rumfass-Finish und mehr Süße bei moderater Roggenwürze.

Fazit

Der Lot No. 40 ist ein charaktervoller kanadischer Roggenwhisky mit Pfeffer, Roggenbrot und Eichenwürze. Er ist trocken und kantig, aber in sich stimmig und eignet sich für Pur-Genießer ebenso wie für Barfreunde, die einen Manhattan mit Biss wollen. Weil er weniger zugänglich ist als ein glatter Blend und die Quellenlage zu Mash und Fass teils dünn bleibt, vergeben wir 4 Punkte.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße2/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit2/5
Würze/Eiche4/5

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