Die Kombination im Überblick
Martin Miller's Dry Gin und das 1724 Tonic Water verbindet zunächst ein gemeinsames Grundprinzip: Beide Produkte legen ihren gesamten Anspruch auf die Reinheit des verwendeten Wassers. Martin Miller's wird zwar klassisch in der englischen Langley Distillery destilliert, aber mit Gletscherwasser aus der isländischen Selyri-Quelle auf Trinkstärke verdünnt – ein auf über 800 Jahre altem Schnee basierendes, durch vulkanisches Gestein gefiltertes Wasser, wegen dem der Gin formal nicht als "London Dry Gin" gelten darf, obwohl er stilistisch genau in diese Kategorie passt. Das 1724 setzt mit seinem Patagonien-Quellwasser einen ganz ähnlichen Anspruch um, wenn auch auf der Tonic-Seite. Zwei Produkte, die ihre jeweilige Reinheit zum zentralen Verkaufsargument machen, treffen hier folgerichtig aufeinander – die Frage ist, ob sich diese gemeinsame Philosophie auch geschmacklich in eine stimmige Kombination übersetzt. Entstanden ist Martin Miller's, nachdem der britische Antiquitätenhändler Martin Miller nach einem enttäuschenden Gin & Tonic in einer Notting-Hill-Bar beschloss, es gemeinsam mit Master Distiller Dr. Jonathan Clark und dem Isländer Vali Petursson besser zu machen – eine Entstehungsgeschichte, die zeigt, wie zentral der fertige Gin & Tonic für das Selbstverständnis der Marke von Anfang an war.
Warum diese Kombination funktioniert
Das 1724 ist darauf ausgelegt, komplexen Gins möglichst wenig entgegenzusetzen, statt mit eigener Bitterkeit zu konkurrieren. Bei Martin Miller's trifft dieses Konzept auf einen Gin, der zwar klassisch auf Wacholder und Bitterorange aufgebaut ist, durch die getrennte Destillation von Wurzel- und Zitrusbotanicals sowie die ungewöhnlich weiche Verdünnung mit Gletscherwasser aber deutlich sanfter und seidiger wirkt als die meisten anderen wacholderbetonten London-Dry-Gins. Genau diese Weichheit kommt dem zurückhaltenden 1724 entgegen: Statt den Gin mit kräftiger Chinin-Struktur zu unterstützen, wie es klassische Indian Tonics tun, lässt das 1724 die von Natur aus schon abgerundete Textur von Martin Miller's ungestört bestehen. Die feine Gurkennote und die kühlende Frische aus Zitrone und Limette fügen sich zudem gut in die milde Mandarinennote des Tonics ein, ohne dass eine der beiden Fruchtebenen die andere verdrängt. Die getrennte Destillation – Wacholder, Angelika- und Iriswurzel werden über Nacht eingeweicht, Zitronen- und Orangenschale dagegen kürzer und separat mazeriert – sorgt zusätzlich dafür, dass die Zitrusnoten frisch und klar bleiben, statt in einer gemeinsamen Destillation an Kontur zu verlieren; genau diese Klarheit kommt der insgesamt zurückhaltenden Frucht- und Säurestruktur des 1724 entgegen.
Verkostung der Kombination
In der Nase zeigt sich der Drink weich und rund, mit erdigem Wacholder und bitterer Orangenschale im Zentrum, ergänzt um eine dezente Mandarinennote aus dem Tonic. Am Gaumen bleibt die für Martin Miller's typische seidige Textur klar erkennbar: Wacholder und Zitrus führen, während Süßholz und die feine Gurkennote im Hintergrund für zusätzliche Frische sorgen. Die Säure bleibt moderat präsent, ohne spritzig zu wirken, während die Süße insgesamt zurückhaltend bleibt. Es fehlt der Kombination allerdings an der zusätzlichen Struktur, die ein kräftigeres Tonic dem an sich schon weichen Gin geben könnte – der Drink bleibt dadurch elegant, aber etwas konturarmer als bei einer Paarung mit mehr Chinin-Rückgrat. Der Abgang ist mittellang, sauber und leicht wacholdrig, mit einem letzten Hauch Bitterorange.
Serviervorschlag
Serviert wird die Kombination im großen Ballonglas mit reichlich Eis, im Verhältnis von etwa 1:3 Gin zu Tonic. Als Garnitur passt eine Zeste Orange besonders gut, da sie die Bitterorangenaromen von Martin Miller's zusätzlich zur Geltung bringt und sich mit der milden Mandarinennote des Tonics zu einer stimmigen, aber nicht zu süßen Fruchtebene verbindet. Von kräftigeren Kräutergarnituren sollte eher abgesehen werden, da sie die ohnehin schon zurückhaltende Struktur der Kombination weiter verwässern würden, statt für zusätzliche Kontur zu sorgen.
Einordnung & Vergleich
Innerhalb der klassisch gebauten, wacholderbetonten Gins zeigt sich im Vergleich zum ebenfalls im Katalog vorhandenen Sipsmith London Dry Gin, der mit dem 1724 nur 3/5 erreicht, ein interessanter Unterschied: Sipsmith setzt auf einen schärfer konturierten, klassischeren Wacholderauftakt, dem die Zurückhaltung des 1724 zu wenig Struktur bietet. Martin Miller's dagegen profitiert von seiner ungewöhnlich weichen, durch die Icelandic-Water-Verdünnung geglätteten Textur: Weil der Gin von sich aus schon auf Sanftheit statt auf Schärfe angelegt ist, wirkt das Fehlen zusätzlicher Tonic-Struktur weniger wie ein Manko als bei schärfer gebauten London-Dry-Gins. Wer Martin Miller's normalerweise mit einem klassischen Fever-Tree Premium Indian Tonic Water genießt, findet im 1724 eine spürbar leisere, aber nicht schlechtere Variante – nur eben eine mit weniger Struktur und mehr Fokus auf die reine, weiche Textur des Gins.
Fazit
4/5 Punkte. Eine solide, elegante Kombination, die von der ungewöhnlichen Weichheit des Martin Miller's profitiert, aber nicht ganz an die Bestnoten anderer 1724-Paarungen mit botanicals-reicheren, komplexeren Gins heranreicht. Empfehlenswert für alle, die Martin Miller's wegen seiner seidigen Textur schätzen und einen ruhigen, nicht zu bitteren Gin & Tonic suchen. Wer dagegen mehr Struktur und Biss im Glas möchte, ist mit einem klassischen Indian Tonic wie dem Fever-Tree Premium besser bedient – für die pure, unverstellte Weichheit des Gins ist das 1724 aber eine durchaus überzeugende Wahl.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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