Gin

Bembel Gin

3,5/5 Redaktionsbewertung
43 % vol.Hessen, Deutschland
Gin
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Herstellung des Bembel Gin:

Der Bembel Gin stammt aus Seligenstadt in Hessen, einer Main-Stadt rund 25 Kilometer südöstlich von Frankfurt, deren Geschichte bis in die Zeit Karls des Großen zurückreicht: Das dortige Benediktinerkloster wurde im 9. Jahrhundert von Einhard, dem Biografen Karls des Großen, gegründet, und die Stadt erhielt ihren Namen ("selige Stadt"), nachdem 828 die Reliquien der Märtyrer Marcellinus und Petrus dorthin überführt wurden und Seligenstadt zu einem Wallfahrtsort wurde. Der Gin selbst wird in der Fachklassifikation als aromatisierter Gin ("Flavoured Gin") eingeordnet, erreicht 43 % vol. und positioniert sich damit klar über der gesetzlichen Mindeststärke.

Namensgebend ist der "Bembel", das traditionelle bauchige Steinzeugkrug-Gefäß aus dem Westerwald, in dem in Hessen traditionell Apfelwein ausgeschenkt wird. Mit seiner grauen Salzglasur und den meist blaugrauen Verzierungen zählt der Bembel zu den bekanntesten Symbolen hessischer, insbesondere Frankfurter Trinkkultur und ist in verschiedenen Größen von "4er" bis "24er" gebräuchlich, oft verziert mit stilisierten Apfelzweigen. Serviert wird der Apfelwein traditionell im "Gerippten", einem Glas mit rautenförmigem Schliffmuster, das ursprünglich verhindern sollte, dass beim Essen ohne Besteck fettige Finger am Glas abrutschen. 2022 wurde die hessische Apfelweinkultur sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt – erst die zweite derartige Auszeichnung für Hessen überhaupt. Dass eine Gin-Marke aus der Region diesen kulturell tief verankerten Begriff aufgreift, ordnet sich in eine wachsende Zahl deutscher Manufakturen ein, die regionale Trinktraditionen bewusst als Namensgeber für neue Spirituosenkonzepte nutzen, ohne dabei mit dem historischen Ursprungsprodukt Apfelwein in direkter Konkurrenz zu stehen.

Verkostung des Bembel Gin:

In der Nase präsentiert sich der Bembel Gin zugänglich und fruchtig-würzig, mit Wacholder als Fundament, das durch weitere Aromakomponenten des als Flavoured Gin klassifizierten Profils ergänzt wird. Am Gaumen zeigt sich eine Balance aus Zitrusfrische und dezenter Würze, die den Gin von rein klassischen, savory-geprägten Dry Gins unterscheidet und ihn zugänglicher für ein breiteres Publikum macht. Der Abgang ist mittellang, mit einem angenehm runden, leicht würzigen Nachklang, der die aromatisierte Grundausrichtung des Gins bis zuletzt erkennbar hält.

Steckbrief Bembel Gin:

Zutaten: Wacholder als Basis, ergänzt um weitere Frucht- und Gewürzaromen entsprechend der Einordnung als Flavoured Gin; die genaue Rezeptur veröffentlicht der Hersteller nicht
Alkoholgehalt: 43 % vol.
Hersteller: Seligenstadt, Hessen, Deutschland

Der Bembel als kulturelles Vorbild

Kaum ein Trinkgefäß ist so eng mit einer deutschen Region verknüpft wie der Bembel mit Hessen und insbesondere mit dem Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen, dem Zentrum der hessischen Apfelwein-Kultur. Der Name geht vermutlich auf ein regionales Verb für "baumeln" oder "schwingen" zurück, das ursprünglich Glockenklöppel bezeichnete, bevor sich der Begriff im 19. Jahrhundert auf das Trinkgefäß übertrug. Bekanntheit über die Region hinaus erlangte der Bembel zusätzlich durch eine populäre hessische Fernsehsendung, bei der Gästen traditionell ein Bembel überreicht wurde. Dass sich eine Gin-Marke explizit nach diesem Gefäß benennt, verweist auf eine bewusste Markenstrategie: Statt sich an internationalen Gin-Traditionen wie London Dry oder New Western Style zu orientieren, sucht der Bembel Gin seine Identität in einer dezidiert regionalen, mit Geselligkeit und Trinkkultur verbundenen Symbolik – ähnlich wie es viele Craft-Spirituosen-Marken versuchen, die sich über lokale statt internationale Bezüge positionieren. Historisch gewann der Apfelwein in Hessen vor allem deshalb an Bedeutung, weil die Reblaus-Plage der 1860er-Jahre die Weinreben der Region weitgehend vernichtete und Trauben-Wein dadurch knapp und teuer wurde – aus einer wirtschaftlichen Notlösung entwickelte sich so über die Jahrzehnte das kulturelle Aushängeschild, an das der Bembel Gin mit seinem Namen anknüpft.

Verwendung des Bembel Gin

  • Gin & Tonic: Ein mildes, wenig bitteres Tonic Water wie Fever-Tree Naturally Light Tonic Water passt gut zum zugänglichen, fruchtig-würzigen Profil des Bembel Gin und überdeckt die feineren Aromen nicht.
  • Fruchtig-frisch: Alternativ ergänzt Fentimans Valencian Orange Tonic Water die fruchtige Seite des Gins um eine zusätzliche Zitrusebene.
  • Im Gerippten serviert: Wer die hessische Trinkkultur konsequent aufgreifen möchte, kann den Gin & Tonic augenzwinkernd im traditionellen "Gerippten"-Glas servieren statt im klassischen Longdrinkglas – ein kleiner, aber passender Verweis auf die Herkunft der Marke.

Der Bembel Gin richtet sich an alle, die einen zugänglichen, regional verwurzelten deutschen Gin abseits der klassischen London-Dry- oder New-Western-Kategorien suchen und sich von der markanten, kulturell aufgeladenen Namensgebung angesprochen fühlen. Im Vergleich zu einem ebenfalls aromatisierten deutschen Gin wie dem Ferdinand's Saar Quince Gin, der seine Fruchtnote über die Quitte aus dem Saartal bezieht, setzt der Bembel Gin auf eine kulturelle statt auf eine primär landwirtschaftliche Regionalgeschichte: Hier steht nicht die Frucht einer Anbauregion im Mittelpunkt, sondern ein jahrhundertealtes Trinkgefäß, das die hessische Geselligkeitskultur bis heute prägt.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Wacholder2/5
Zitrus3/5
Kräuter/Blumig2/5
Würze3/5

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