Herstellung des Kyrö Gin:
Die Geschichte des Kyrö Gin beginnt nicht in einer Brennerei, sondern in einer finnischen Sauna: Dort sollen fünf Freunde – Miika Lipiäinen, Mikko Koskinen, Kalle Valkonen, Miko Heinilä und Jouni Ritola – bei einem Glas amerikanischem Roggenwhisky die Frage gestellt haben, warum ausgerechnet Finnland, eines der bedeutendsten Roggenanbauländer Europas, keine eigene Roggenwhisky-Destillerie besaß. Am 29. August 2012 gründeten sie daraufhin die Kyrö Distillery Company, ursprünglich unter dem finnischen Namen "Rye Rye Osakeyhtiö" eingetragen. Sitz des Unternehmens ist eine ehemalige, 1908 erbaute Käserei in Isokyrö, in der einst der finnische Oltermanni-Käse produziert wurde und die heute direkt am Fluss Kyrönjoki liegt – daher auch der Markenname.
Basis des Kyrö Gin ist zu 100 Prozent finnisches Roggenkorn, das zunächst zu einem Grundspirit vergoren und destilliert wird, bevor er gemeinsam mit den Botanicals ein weiteres Mal durch die Brennblase läuft. Diese Roggenbasis ist das eigentliche Alleinstellungsmerkmal der Marke: Während die meisten Gins auf neutralem Getreide- oder Melassespirit aufbauen, verleiht der Roggen dem Kyrö Gin von Grund auf eine erdig-würzige, leicht ölige Textur, die sich deutlich von klassischen Wacholderbränden unterscheidet. Abgefüllt wird der Gin mit 42,6 % vol. in der markentypischen 50-cl-Flasche. Der frühe Erfolg der Marke – befeuert durch die Auszeichnung als "World's Best Gin for Gin & Tonic" beim International Wine and Spirit Competition 2015 – ließ die Produktion rasant von rund 23.000 auf über 100.000 Flaschen jährlich wachsen; 2022 kam ein weiterer Preis in Form der Great Taste Awards (2 Sterne, "Outstanding") hinzu.
Verkostung des Kyrö Gin:
In der Nase präsentiert sich Kyrö Gin würzig und leicht harzig, mit einer erdigen Grundnote, die unverkennbar an das Roggenkorn erinnert. Wacholder ist präsent, tritt aber nicht dominant hervor, sondern bildet zusammen mit Koriandersamen eine trockene, leicht pfeffrige Basis. Kardamom und rosa Pfefferbeeren sorgen für eine warme, orientalisch anmutende Würze, während Birkenblätter und Mädesüß dem Gin eine feine, fast teeartige florale Komponente verleihen. Am Gaumen zeigt sich Kyrö Gin kräftig und strukturiert: Die Roggenbasis sorgt für ein leicht öliges Mundgefühl, in das sich Angelikawurzel und die Gewürznoten von Kardamom einfügen, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Zitrusaromen bleiben dezent im Hintergrund. Im Abgang bleibt die würzig-erdige Roggennote am längsten erhalten, begleitet von einem sanften, leicht süßlichen Nachklang durch die Mädesüß.
Steckbrief Kyrö Gin:
Alkoholgehalt: 42,6 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriandersamen, Angelikawurzel, Kardamomsamen, rosa Pfefferbeeren, Birkenblätter, Mädesüß (Basis: 100 % finnisches Roggenkorn)
Hersteller: Kyrö Distillery Company, Isokyrö, Finnland
Herstellung im Detail: Vom Roggenfeld zur Käserei-Destillerie
Der Weg vom Sauna-Gespräch zur international ausgezeichneten Destillerie führte die fünf Gründer zunächst zu einer stillgelegten Käserei in Isokyrö, die sie zu ihrer Produktionsstätte umbauten – ein Standort, der bis heute Teil der Markenidentität ist und regelmäßig in der Kommunikation der Destillerie auftaucht. Roggen wurde bewusst als Basis gewählt, weil er in der Region traditionell angebaut wird und dem Kyrö-Sortiment, das neben dem Gin auch den Roggenwhisky Kyrö Malt sowie die Abfüllung Juuri umfasst, eine gemeinsame önologische Klammer verleiht. Neben dem klassischen Kyrö Gin bietet die Destillerie mittlerweile auch eine Dark-Gin- und eine Pink-Gin-Variante an. Bemerkenswert ist zudem, dass Kyrö während der Corona-Pandemie ab März 2020 kurzerhand auf die Produktion von Handdesinfektionsmitteln umstellte, um Entlassungen zu vermeiden und gleichzeitig Krankenhäuser in der Region zu unterstützen – ein Beleg für die pragmatische, unternehmerische Haltung, die die Marke seit der Gründung prägt. Der internationale Durchbruch nach der IWSC-Auszeichnung 2015 führte dazu, dass Kyrö Gin heute in zahlreichen europäischen Ländern gelistet ist und die kleine Destillerie am Kyrönjoki-Fluss zu einem der bekanntesten Aushängeschilder der finnischen Craft-Spirituosenszene wurde.
Verwendung des Kyrö Gin
- Gin & Tonic: Die würzig-erdige Roggenbasis harmoniert besonders gut mit einem aromatischen Tonic, das der Kardamom- und Pfeffernote Raum lässt, etwa dem Fever-Tree Aromatic Tonic Water. Wer es klassischer mag, greift zu Thomas Henry Tonic Water, dessen dezente Bitterkeit die Roggennote nicht überdeckt.
- Old Fashioned-Variante: Aufgrund seiner spirituosen, whiskyartigen Roggenbasis eignet sich Kyrö Gin auch als ungewöhnliche Alternative in Rezepturen, die klassischerweise mit Roggenwhisky zubereitet werden – ein Hinweis darauf, wie eng die Marke ihren Gin und ihren Whisky konzeptionell verwandt sieht.
Kyrö Gin richtet sich an Genießer, die abseits der klassischen, wacholderdominierten London-Dry-Rezepturen nach einem charaktervollen, deutlich vom Basisdestillat geprägten Gin suchen. Innerhalb der wachsenden Riege nordischer New-Western-Gins steht Kyrö damit in einer ähnlichen Tradition wie der schwedische Hernö Swedish Excellence Gin, der ebenfalls mit lokalen, nordischen Zutaten arbeitet – während Hernö jedoch auf einen neutraleren Weizenspirit setzt, ist es bei Kyrö gerade die Roggenbasis, die den Gin unverwechselbar macht und ihn zu einem der eigenständigsten Vertreter der finnischen Spirituosenszene werden lässt. Preislich bewegt sich Kyrö Gin im Mittelfeld der New-Western-Gins – für die aufwendige Roggenbasis und die kleinere 50-cl-Flasche ein nachvollziehbarer Gegenwert.
Einordnung & Alternativen
- Hernö Swedish Excellence Gin – ebenfalls nordisch geprägt, baut aber auf neutralerem Weizenspirit auf und wirkt dadurch floraler statt erdig-würzig.
- Isle of Harris Gin – setzt mit Sugar Kelp auf eine andere regionale Identität und schmeckt deutlich maritim-floraler als die roggenbetonte Würze des Kyrö.
- Monkey 47 Dry Gin – botanicals-dichter und preislich eine Stufe höher angesiedelt, für alle, die statt Getreidecharakter maximale aromatische Komplexität suchen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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