Herstellung des Old English Gin:
Hinter dem Old English Gin steht das dänisch-englische Brennhaus Hammer & Son, das von Vater und Sohn – dem Chemiker H. Hammer Sr. und dem Gin-Kenner und Verkostungsjuror H. Hammer Jr. – gegründet wurde. Anders als bei den meisten modernen Gin-Neugründungen stand am Anfang dieses Produkts nicht die Entwicklung eines eigenen Rezepts, sondern die Wiederentdeckung eines historischen: Der Old English Gin wird nach Angaben des Herstellers nach einer Rezeptur aus dem Jahr 1783 gebrannt, die den englischen Gin-Stil vor der Ära des klassischen London Dry Gin abbildet – also aus einer Zeit, in der Gin in England deutlich süßer, gehaltvoller und weniger streng wacholderbetont war als die später dominierenden, staubtrockenen Interpretationen. Einzig ein Bestandteil der Originalrezeptur wurde bewusst weggelassen: das damals gebräuchliche, aber gesundheitsschädliche Terpentinöl, das im 18. Jahrhundert offenbar noch regulär in Gin-Rezepturen vorkam.
Gebrannt wird der Old English Gin nach Angaben von Hammer & Son in einer der ältesten noch in Betrieb befindlichen Kupferbrennblasen Englands, was dem Produkt zusätzlich zur historischen Rezeptur auch eine handwerkliche, vormoderne Produktionsweise verleiht. Die elf verwendeten Botanicals werden mazeriert und gemeinsam destilliert; anschließend wird der Gin – wie im England des 18. Jahrhunderts üblich – leicht nachgesüßt, was ihn stilistisch in die Nähe des Old Tom Gin rückt, ohne dass Hammer & Son ihn offiziell so kategorisiert. Abgefüllt wird der Old English Gin in Champagnerflaschen mit organischem Verschluss und auf 44 % vol. verdünnt. Die Brennerei nutzt zudem Wasser aus einer eigenen artesischen Quelle und bezieht einen Teil der Energie für Abfüllung und Betrieb aus Solar- und Windkraft – ein Nachhaltigkeitsanspruch, den Hammer & Son auch bei ihrem bekannteren Schwesterprodukt, dem Geranium Gin, konsequent verfolgt.
Verkostung des Old English Gin:
In der Nase zeigt sich der Old English Gin zunächst mit kräftigem, hellem Wacholder und einer lebendigen Zitrusnote aus süßer Zitrone und Orangenschale, bevor darunter dunklere, erdigere Töne durchscheinen – feuchtes Papier und nasses Herbstlaub, wie es Verkoster wiederholt beschrieben haben, ergänzt um Angelika und einen Hauch Cassia. Am Gaumen zeigt sich die historische Rezeptur deutlich: Die leichte Nachsüßung macht den Gin spürbar weicher und runder als einen klassischen London Dry, während Muskat und Nelke für eine warme, weihnachtliche Würze sorgen, die sich mit dem hellen Wacholder und der Zitrusfrische zu einem vielschichtigen, seidigen Mundgefühl verbindet. Der Abgang ist lang, leicht erdig und von einer dezenten Schärfe getragen, die die Süße wieder ausbalanciert. Insgesamt wirkt der Old English Gin deutlich gehaltvoller und runder als moderne, staubtrockene Gin-Stile – ein bewusster Kontrast, der die historische Herkunft der Rezeptur jederzeit spürbar macht.
Steckbrief Old English Gin:
Alkoholgehalt: 44 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Muskatnuss, Gewürznelke, Angelikawurzel, Cassia, Zitronen- und Orangenschale u. a. (11 Botanicals)
Hersteller: Hammer & Son, Dänemark/England
Herstellung im Detail: Eine Rezeptur aus dem Jahr 1783
Was den Old English Gin von den meisten anderen historisch inspirierten Gins unterscheidet, ist der Anspruch, eine konkrete, überlieferte Rezeptur so nah wie möglich am Original umzusetzen, statt lediglich stilistisch an vergangene Epochen anzuknüpfen. Die Rezeptur aus dem Jahr 1783 fällt in eine Zeit, in der "Gin" in England noch ein deutlich weiter gefasster Begriff war als heute: Süßung, ein voller Körper und eine dichtere Würzung waren die Regel, nicht die Ausnahme – der bis heute dominierende, staubtrockene London-Dry-Stil setzte sich erst im späteren 19. Jahrhundert durch, als verbesserte Destillationstechnik reinere, weniger nachbehandlungsbedürftige Destillate ermöglichte. Dass Hammer & Son bei der Rekonstruktion konsequent auf das ursprüngliche Terpentinöl verzichtet, zeigt dabei, dass es dem Haus nicht um bloße Nostalgie, sondern um eine trinkbare, aber historisch fundierte Annäherung geht. Die Wahl einer der ältesten noch arbeitenden englischen Kupferbrennblasen unterstreicht diesen Anspruch zusätzlich und verbindet die historische Rezeptur mit einem ebenso traditionellen Produktionsverfahren.
Verwendung des Old English Gin
- Gin & Tonic: Die Süße und Würze des Old English Gin harmoniert gut mit einem kräftigen, würzigen Tonic wie Fever-Tree Aromatic Tonic Water, dessen Angostura-Note die Muskat- und Nelkenaromen des Gins aufnimmt. Wer eine hellere, klassischere Kombination bevorzugt, greift zu Schweppes Indian Tonic Water, das die Zitrusfrische des Gins in den Vordergrund rückt, ohne die Süße zu verstärken.
- Old Fashioned mit Gin: Aufgrund seines gehaltvollen, leicht gesüßten Profils eignet sich der Old English Gin auch als ungewöhnliche, historisch stimmige Basis für eine Gin-Variante des Old Fashioned, in der die Gewürznoten des Gins gut zur Geltung kommen.
Der Old English Gin richtet sich an Genießer, die sich für die Geschichte des Gins ebenso interessieren wie für seinen Geschmack, und die eine authentische, nicht nur stilistisch angedeutete Rückbesinnung auf das englische Gin-Verständnis des 18. Jahrhunderts suchen. Im Vergleich zu klassischen, trockenen Sloe- oder Old-Tom-Gins wie dem Hayman's Old Tom Gin bleibt der Old English Gin näher an einer echten historischen Quelle statt an einer modernen Neuinterpretation des Stils – ein Umstand, der ihn zu einem der wenigen tatsächlich rekonstruierten Gins auf dem heutigen Markt macht. Der gehobene Preis erklärt sich dabei vor allem aus der aufwendigen Rezeptrecherche und der Abfüllung in der historischen Kupferbrennblase, weniger aus zusätzlichem Luxus-Marketing.
Einordnung & Alternativen
- Hayman's Old Tom Gin – ebenfalls leicht gesüßt und historisch inspiriert, allerdings britisch statt dänisch-englisch und etwas günstiger.
- Geranium Gin – das bekanntere Schwesterprodukt aus demselben Haus, deutlich trockener und floral statt warm-würzig.
- Opihr Oriental Spiced London Dry Gin – ähnlich würzig, bleibt aber streng trocken und verzichtet auf die historische Nachsüßung.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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