Herstellung des Plymouth Navy Strength Gin:
Plymouth Navy Strength Gin wird in der Black Friars Distillery im Herzen von Plymouth hergestellt, die 1793 in einem ehemaligen Dominikanerkloster ihren Betrieb aufnahm und bis heute am gleichen historischen Standort produziert. Seit dem 19. Jahrhundert belieferte Plymouth als bedeutender Marinehafen die Offiziersmesse der Royal Navy, wobei der Gin traditionell mit einem Alkoholgehalt von mindestens 57 % vol. abgefüllt wurde: Nur bei dieser Stärke blieb an Bord verschüttetes Schießpulver, das dicht neben den Ginfässern lagerte, noch zündfähig – ein einfacher Test, mit dem die Marine die korrekte Stärke ihrer Spirituosenrationen überprüfte, und der dem Stil bis heute den Namen "Navy Strength" gibt. Bis 1996 firmierte die Brennerei noch als Coates & Co., bevor sie über mehrere Eigentümerwechsel – zunächst an eine Investorengruppe, dann 2005 an den schwedischen Konzern V&S Group – 2008 schließlich zu Pernod Ricard kam, das sie bis heute führt.
Der Name "Plymouth" war lange Zeit rechtlich geschützt und durfte ausschließlich für in Plymouth destillierten Gin verwendet werden, bis Pernod Ricard 2015 auf die Verlängerung dieses EU-Schutzstatus verzichtete. Am grundlegenden Charakter des Gins änderte das nichts: Der Navy Strength wird mit demselben wurzelbetonten, weniger zitruslastigen Rezept hergestellt, das Plymouth Gin seit jeher von schärferen Londoner Stilen unterscheidet – lediglich in deutlich höherer Konzentration.
Verkostung des Plymouth Navy Strength Gin:
Die Nase ist kraftvoll und wacholderbetont, getragen von erdigen Wurzelnoten und einer dezenten Würze. Am Gaumen zeigt der hohe Alkoholgehalt seine volle Wirkung: Zitrus und Wacholder treten intensiv hervor, ergänzt durch grünen Kardamom mit seinen mentholartigen Nuancen und die charakteristische, erdig-trockene Note der Angelikawurzel. Der Abgang ist lang und warm, wobei Kardamom und süße Orangenschale für Ausgewogenheit sorgen und die Schärfe des hohen Alkoholgehalts angenehm abfedern. Insgesamt ein außergewöhnlich dichter, vollmundiger Gin mit mehrfach preisgekröntem Ruf, der die klassische Plymouth-Stilistik – weniger zitrus-, dafür mehr wurzelbetont als London Dry Gins – in konzentrierter Form zeigt.
Steckbrief Plymouth Navy Strength Gin:
Alkoholgehalt: 57 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Zitronenschale, Koriander, grüner Kardamom, Angelikawurzel, Orangenschale, Oriswurzel
Hersteller: Black Friars Distillery (Pernod Ricard), Plymouth, England
Herstellung im Detail: Warum "Navy Strength" mehr ist als eine Marketing-Zahl
57 % vol. ist keine willkürlich gewählte Zahl, sondern das Ergebnis eines historisch belegten Tests: Verschüttete sich an Bord eines Kriegsschiffs versehentlich Gin über das mitgeführte Schießpulver, musste sich Letzteres trotzdem noch entzünden lassen – andernfalls hätte die Marine der Besatzung vorgeworfen, den Gin mit Wasser gestreckt zu haben, um selbst mehr trinken zu können. Erst ab einem Alkoholgehalt von etwa 57 % vol. blieb das Schießpulver zuverlässig zündfähig, weshalb die Royal Navy diese Stärke für ihre Rationen verlangte. Die "Gunpowder Proof" genannte Prüfmethode war damit gleichzeitig Qualitätskontrolle und Betrugsschutz – ein pragmatischer Ursprung, der bis heute die Bezeichnung "Navy Strength" für alle Gins prägt, die diese oder eine höhere Stärke erreichen.
Verwendung des Plymouth Navy Strength Gin
- Gin & Tonic: Der hohe Alkoholgehalt und die dichte Aromatik verlangen nach einem kräftigen Tonic. Fever-Tree Premium Indian Tonic Water oder Franklin & Sons Premium Indian Tonic Water halten dem intensiven Wacholder- und Kardamomprofil stand und sorgen trotz größerer Tonic-Menge für ein ausgewogenes Verhältnis.
- Cocktail: Navy-Strength-Gins wie dieser gelten unter Bartendern als Geheimtipp für gerührte Klassiker wie Negroni oder Martinez: Der hohe Alkoholgehalt sorgt dafür, dass der Gin auch neben kräftigen Zutaten wie Campari oder Wermut und trotz Eisverdünnung seine Struktur und Würze behält.
Der Plymouth Navy Strength richtet sich damit klar an erfahrene Gin-Trinker und Bartender, die den konzentrierten, wurzelbetonten Plymouth-Stil in seiner intensivsten Form erleben möchten – wer den milderen Grundcharakter der Marke kennenlernen will, sollte zunächst zum regulären Plymouth Gin mit 41,2 % vol. greifen. Im Vergleich zu anderen Navy-Strength-Gins wie dem noch schärferen Sipsmith V.J.O.P. Navy Strength Gin zeigt der Plymouth, dass hoher Alkoholgehalt nicht zwangsläufig zu mehr Wacholderschärfe führen muss, sondern – dank der wurzelbetonten Grundrezeptur – auch in konzentrierter Form vergleichsweise weich bleiben kann.
Auch preislich und im Handel bleibt der Navy Strength meist eine Nische neben dem deutlich verbreiteteren regulären Plymouth Gin – ein Umstand, der ihn unter Kennern eher zum Sammlerstück als zum Alltagsgin macht. Wer die Marke ernsthaft erkunden möchte, greift daher meist zunächst zur milderen Standardabfüllung und wendet sich erst danach dem Navy Strength zu, um den Unterschied zwischen beiden Stärkegraden direkt vergleichen zu können – ein Vorgehen, das gerade bei traditionsreichen Marken mit mehreren Abfüllstärken wie Plymouth besonders aufschlussreich ist. Der etwas höhere Preis gegenüber der Standardabfüllung ist dabei vor allem dem höheren Alkoholgehalt und der kleineren Abfüllmenge zuzuschreiben.
Einordnung & Alternativen
- Monkey 47 Dry Gin – ebenfalls hochprozentig und intensiv, setzt aber auf eine deutlich komplexere, deutsche Botanical-Rezeptur statt auf Wurzelbetonung.
- Harahorn Gin – ein weiterer kräftiger, maritim geprägter Gin, norwegisch statt englisch und würziger im Profil.
- Boar Premium Dry Gin – ähnlich kräftig im Auftritt, deutscher Herkunft und etwas moderater im Preis.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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Navy Strength Gin: Warum 57 % vol.?
57 % vol. sind kein Marketing, sondern das Erbe des Schießpulver-Tests der Royal Navy – zum Markennamen wurde der Wert erst 1993 durch Plymouth.

Die zeitlose Faszination des Gins: Eine Reise durch Geschmack und Geschichte
Vom niederländischen Medizinschnaps über die Londoner Gin Craze bis zum Coffey Still und der heutigen Craft-Gin-Renaissance.

Klassische Gins
London Dry Gin ist ein rechtlich geschütztes Verfahren, nicht die Herkunft — streng wacholderbetont, der Maßstab für alle New-Western-Gins.
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