Herstellung des St. George Botanivore Gin:
St. George Botanivore Gin stammt von St. George Spirits, einer 1982 vom Deutschen Jörg Rupf im kalifornischen Alameda gegründeten Brennerei, die als eine der ersten handwerklichen Spirituosenbrennereien der USA gilt und ursprünglich als Eau-de-Vie-Destillerie startete. 1996 holte Rupf den gelernten Brauer und ehemaligen Nuklearwissenschaftler Lance Winters ins Unternehmen, der nach Rupfs Rückzug 2010 die Rolle des Master Distiller übernahm und die Produktpalette um Gin, Whiskey und – als erste kommerzielle amerikanische Absinth-Abfüllung überhaupt – Absinth erweiterte. Seit 2004 residiert St. George Spirits in einem ehemaligen, rund 6.000 Quadratmeter großen Flugzeughangar auf dem Gelände des früheren Marinestützpunkts Alameda Naval Air Station. Botanivore steht programmatisch für den Anspruch, möglichst viele Botanicals in einem ausgewogenen Ganzen zu vereinen: Insgesamt kommen 19 verschiedene Zutaten zum Einsatz. Ein Teil der Botanicals, darunter Wacholder, kalifornischer Lorbeer und Koriander, wird im Dampfkorb vergast, während die übrigen 16 Zutaten über Nacht eingeweicht und anschließend gemeinsam in einer Kupferbrennblase destilliert werden. Dieses zweigleisige Verfahren soll sowohl florale, leichte als auch erdig-würzige Aromen optimal einfangen. Das Ergebnis ist ein Gin, der bewusst nicht auf ein dominantes Botanical setzt, sondern auf das harmonische Zusammenspiel vieler Zutaten – ein Ansatz, der Botanivore neben den beiden anderen St.-George-Gins Terroir und Dry Rye zu einem der meistprämierten amerikanischen Craft Gins gemacht hat.
Verkostung des St. George Botanivore Gin:
In der Nase zeigt sich Botanivore frisch und ausgesprochen kräuterbetont, mit einer Vielzahl an Aromen, die sich zu einem komplexen, aber harmonischen Bild fügen: helle Zitrusnoten, dezente Blütenaromen und würzige Kräuter treten gleichberechtigt hervor. Am Gaumen entfaltet sich der Gin weich und zugleich lebendig, mit einer angenehmen Tiefe aus Erd- und Gewürznoten, die von Kardamom, Ingwer und Sternanis getragen werden. Die 19 Botanicals ergeben ein bemerkenswert ausgewogenes Profil, bei dem kein einzelnes Element dominiert. Der Abgang ist würzig-frisch und von mittlerer Länge. Insgesamt ein facettenreicher, aromatischer Gin, der den Ruf von St. George Spirits als Pionier der amerikanischen Craft-Gin-Szene eindrucksvoll unterstreicht.
Steckbrief St. George Botanivore Gin:
Alkoholgehalt: 45 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Angelikawurzel, kalifornischer Lorbeer, Bergamotte, schwarzer Pfeffer, Kümmel, Kardamom, Koriander, Zimt, Fenchel, Ingwer, Zitrone, Limette, Orriswurzel, Sevilla-Orange, Sternanis u. a.
Hersteller: St. George Spirits, Alameda, Kalifornien, USA
Botanicals des St. George Botanivore Gin im Detail
Der Name "Botanivore" – wörtlich etwa "Botanical-Fresser" – ist Programm: Statt wie viele Gins ein oder zwei Signaturzutaten in den Vordergrund zu stellen, verteilt St. George das Gewicht bewusst auf 19 gleichberechtigte Botanicals. Kardamom, Ingwer und Sternanis liefern die würzig-exotische Tiefe, Kümmel und schwarzer Pfeffer sorgen für eine erdige Schärfe, während Zitrone, Limette und Sevilla-Orange die frische, zitrische Seite abdecken. Kalifornischer Lorbeer – eine regionale Zutat, die in klassischen europäischen Gin-Rezepturen praktisch nie vorkommt – verleiht dem Gin eine harzig-aromatische Note, die ihn von rein europäisch geprägten London Dry Gins unterscheidet. Das zweigleisige Verfahren, bei dem ein Teil der Botanicals im Dampfkorb vergast und der Rest über Nacht mazeriert wird, erlaubt es der Brennerei, für jede Zutat die schonendste Extraktionsmethode zu wählen – flüchtige, ätherische Aromen wie die von Wacholder oder Zitrusschalen werden vergast, während schwerere, öligere Botanicals wie Wurzeln und Rinden länger im Alkohol ziehen müssen, um ihr volles Aroma abzugeben.
Verwendung des St. George Botanivore Gin
- Gin & Tonic: Die Vielschichtigkeit von Botanivore verlangt nach einem Tonic, das nicht zu süß und nicht zu dominant ist. Gut geeignet ist Fever-Tree Premium Indian Tonic Water, dessen klassische Bitterkeit die Botanical-Vielfalt unterstützt, oder Thomas Henry Tonic Water für eine etwas herbere, erfrischende Variante.
- Cocktail: Dank seiner komplexen Aromatik ist Botanivore ein hervorragender Gin für klassische Cocktails wie den Martini oder den Negroni, in denen sich seine vielschichtige Würze gegen andere kräftige Zutaten behaupten kann. Auch in einem einfachen Gin Sour zeigt der Gin seine Bandbreite und sorgt für einen runden, ausdrucksstarken Drink.
St. George Botanivore Gin richtet sich an Genießer, die botanische Vielfalt gegenüber einem einzelnen, dominanten Aroma bevorzugen – ein bewusster Gegenentwurf zu Gins, die sich über ein Signature-Botanical wie Gurke, Rose oder Zitrusfrucht definieren. Im Vergleich zu einem ebenfalls vielschichtigen New-Western-Gin wie dem The Botanist Islay Dry Gin, der seine Komplexität aus wild geernteten schottischen Kräutern zieht, setzt Botanivore stärker auf warme Gewürze und kalifornische Frische. Wer die amerikanische Craft-Gin-Bewegung der frühen 2000er-Jahre und ihren Einfluss auf den heutigen Gin-Markt verstehen möchte, kommt an St. George Spirits als einem ihrer wichtigsten Pioniere kaum vorbei. Der Preis liegt im Premium-Segment für amerikanische Craft-Importe, was angesichts der aufwendigen Zweiwege-Destillation und der Pionierrolle der Brennerei gerechtfertigt erscheint.
Einordnung & Alternativen
- The Botanist Islay Dry Gin – zieht seine Komplexität aus wild gesammelten schottischen Kräutern statt aus global bezogenen Gewürzen, geschmacklich grüner und erdiger.
- Four Pillars Rare Dry Gin – australischer Craft-Gin mit ähnlich botanischem Anspruch, aber deutlich fruchtiger und weniger gewürzbetont.
- Hernö Swedish Excellence Gin – skandinavische Alternative mit klarerem Wacholderfokus und weniger Botanical-Fülle, preislich in ähnlicher Region.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche Gins

The Botanist Islay Dry Gin
22 wild auf Islay gesammelte Pflanzen wie Heidekraut und Gagelstrauch ergeben ein kräuterig-grünes, vielschichtiges Profil.

The Duke Munich Dry Gin
Zurückhaltender Wacholder weicht im Abgang Hopfen und Malz — eine unverwechselbare bayerische Braukultur-Note.

The Illusionist Dry Gin
Blumiger Lavendel-Kamille-Auftakt, breite Zitrusfülle und herbfruchtige Cranberry-Note — und ein Farbwechsel von Blau zu Rosa im Glas.

Ungava Canadian Premium Gin
Subarktische Wildbeeren wie Moltebeere und Krähenbeere geben ein saftig-fruchtiges Profil, dazu die markante gelbe Farbe.
Dazu passendes Tonic Water

Franklin & Sons Rhubarb Tonic Water with Hibiscus
Eingekochte Rhabarbernote trifft auf blumig-herben Hibiskus — die Bitterkeit tritt bewusst zurück.

Franklin & Sons Sicilian Lemon Tonic Water
Klare, lebendige Zitronensäure sizilianischer Früchte über trocken-mineralischer Chinin-Basis — unkompliziert fruchtig statt kräuterig.

Gents Swiss Roots Tonic Water
Erdig-würzige Enzianwurzel verstärkt die klassische Chinin-Bitterkeit zu einer vielschichtigeren, alpinen Herbe mit dezenter Zitrusfrische.
Passende Gin & Tonic Kombinationen

St. George Botanivore Gin & Dr. Polidori's Dry Tonic Water (5/5)
Neunzehn gleichberechtigte Botanicals treffen auf ein ebenso botanisch geprägtes, zurückhaltendes Tonic – die Pfeffernote beider Zutaten verstärkt sich zu einem stimmigen, warmen Ganzen.

St. George Botanivore Gin & Thomas Henry Botanical Tonic (5/5)
Lorbeer, Wacholder und Rosmarin tauchen in Destillat und Tonic gleichermaßen auf – zwei vielstimmige Kompositionen verschmelzen nahtlos.

New Western Dry Gin erklärt
Wacholder als einer unter vielen gleichberechtigten Botanicals statt Hauptdarsteller – die 2006 von Ryan Magarian geprägte 'botanische Demokratie'.

Gin-Botanicals im Detail: Die wichtigsten Aromageber von Wacholder bis Iriswurzel
Von der einzigen Pflichtzutat Wacholder bis zur jahrelang getrockneten Iriswurzel — jedes Botanical bringt eine eigene Geschichte und Aromatik mit.

Mediterrane Gins
Basilikum, Rosmarin und Oliven verdrängen den Wacholder in den Hintergrund — mediterrane Gins schmecken herzhaft-kräuterig statt klassisch trocken.
St. George Botanivore Gin kaufen:
