Cognac

Rémy Martin 1738 Accord Royal

4,4/5 Redaktionsbewertung
40 % vol.PremiumFine Champagne (65 % Grande Champagne, 35 % Petite Champagne), Eaux-de-Vie 4–20 Jahre (Ø 12 Jahre), teils verlängerte Reifung in neuer EicheGrande & Petite Champagne, Frankreich
CognacVSOP
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Herstellung des Rémy Martin 1738 Accord Royal:

Der 1738 Accord Royal wurde 1997 als eigenständige Cuvée zwischen VSOP und XO in das Sortiment von Rémy Martin eingeführt und unter der Leitung des damaligen Kellermeisters Georges Clot zusammengestellt. Anders als der deutlich bekanntere VSOP, dessen Geschichte bis 1927 zurückreicht, positioniert sich der 1738 bewusst als dichtere, holzbetontere Alternative für Genießer, die mehr Reifetiefe suchen, ohne bereits in die XO-Kategorie zu wechseln. Namensgebend ist kein Jahrgang, sondern ein historisches Ereignis, dem der Vertiefungsabschnitt dieses Artikels einen eigenen Teil widmet.

Wie bei jedem Cognac bildet die Rebsorte Ugni Blanc die Grundlage für einen sauren, alkoholarmen Grundwein. Dieser wird in kleinen kupfernen Charentais-Brennblasen zweifach destilliert, bevor die Eaux-de-Vie in Fässern aus französischer Eiche reifen. Für den 1738 verschneidet Rémy Martin über 240 verschiedene Eaux-de-Vie streng nach der hauseigenen Fine-Champagne-Formel: 65 Prozent Grande Champagne, der Rest Petite Champagne. Die einzelnen Bestandteile sind zwischen vier und zwanzig Jahren alt, das durchschnittliche Verkostungsalter der Cuvée liegt bei rund zwölf Jahren – womit der 1738 die vierjährige VSOP-Mindestreifung deutlich übertrifft. Ein weiterer Unterschied zum VSOP liegt im Holzkontakt: Ein Teil der Eaux-de-Vie reift sechs bis acht Monate länger in neuer, noch nicht ausgelaugter Eiche, was dem fertigen Blend zusätzliche Würze und Tiefe verleiht, ohne die Fine-Champagne-Eleganz zu verdecken.

Verkostung des Rémy Martin 1738 Accord Royal:

In der Nase präsentiert sich der 1738 Accord Royal dunkler und dichter als der VSOP: Mandel und Butterscotch treten neben Zimt, einem Hauch Tabak und reifem Dörrobst hervor, während die florale Fine-Champagne-Note im Hintergrund erkennbar bleibt. Am Gaumen zeigt sich ein kräftiger, würziger Charakter mit Noten von Fruchtkuchen, dunkler Schokolade und Lebkuchengewürz – spürbar mehr Fassprägung als beim jüngeren Geschwisterprodukt, aber noch nicht die volle oxidative Tiefe einer XO-Abfüllung. Der Abgang ist lang, warm und würzig, mit einem Nachklang aus Gewürzkuchen und einem Hauch Rauch, der dem 1738 genug Körper verleiht, um auch neben einer Zigarre zu bestehen, ohne dabei die filigrane Fine-Champagne-Eleganz zu verlieren. Mit 40 % vol. reiht sich der 1738 Accord Royal klar zwischen VSOP und XO ein.

Steckbrief Rémy Martin 1738 Accord Royal:

Alkoholgehalt: 40 % vol.
Klassifikation: eigenständige Fine-Champagne-Cuvée oberhalb VSOP (65 % Grande Champagne, 35 % Petite Champagne)
Fassreifung: Eaux-de-Vie 4–20 Jahre, Ø 12 Jahre, teils verlängerte Reifung in neuer Eiche
Hersteller: Rémy Martin (Rémy Cointreau), Cognac, Frankreich

Herstellung im Detail: Das Pflanzrecht von 1738 und die "Accord Royal"-Namensgebung

Der Name 1738 Accord Royal bezieht sich nicht auf einen Jahrgang, sondern auf ein reales historisches Dokument: 1738 erteilte König Ludwig XV. dem Haus Rémy Martin eine königliche Genehmigung – eben jenen "Accord Royal" –, neue Weinberge anzulegen. Das war zu dieser Zeit alles andere als selbstverständlich, da die Krone den Anbau von Rebflächen in Frankreich streng reglementierte und Neuanpflanzungen in der Regel untersagte. Erst vierzehn Jahre später, um 1752, lieferten die neu angelegten Weinberge die ersten Eaux-de-Vie – ein langer Vorlauf, der die Geduld unterstreicht, mit der Cognac-Produktion seit jeher verbunden ist.

Als Rémy Martin die Cuvée 1997 einführte, griff das Haus bewusst auf dieses Privileg zurück, um eine neue Zwischenstufe zwischen VSOP und XO zu benennen und zugleich die historische Verbindung zwischen der Familie Rémy Martin und der französischen Krone sichtbar zu machen. Die Namensgebung funktioniert damit ähnlich wie die Bezeichnung "Fine Champagne" selbst: Sie verweist auf eine historisch verbriefte Ausnahmestellung, nicht auf ein bloßes Marketingversprechen. Während der VSOP als meistverkaufte Abfüllung die kommerzielle Basis des Hauses bildet und der XO die oberste reguläre Reifestufe markiert, besetzt der 1738 bewusst die Lücke dazwischen – eine Positionierung, die erst mit wachsendem Interesse an längerer Reifung bei weiterhin zugänglichem Preis in den 1990er-Jahren wirtschaftlich sinnvoll wurde.

Genuss-Empfehlung

Der 1738 Accord Royal entfaltet sich am besten pur im Cognac-Schwenkglas bei Zimmertemperatur, wo sich die würzigen und dörrfruchtigen Aromen langsam entfalten können. Dank seiner kräftigeren Struktur verträgt er auch einen Tropfen stillen Wassers, der die Gewürznoten zusätzlich öffnet. Als Begleiter zu einer milden bis mittelkräftigen Zigarre zeigt er mehr Standvermögen als der VSOP, ohne so dicht und oxidativ wie eine klassische XO-Abfüllung zu wirken. Als Food-Pairing passen dunkle Schokolade, Lebkuchen oder gereifter Hartkäse besonders gut zu den Butterscotch- und Zimtnoten. Für Longdrinks eignet er sich weniger – seine Komplexität kommt am besten pur oder auf einem einzigen großen Eiswürfel zur Geltung.

Einordnung & Alternativen

  • Rémy Martin VSOP – die zugänglichere, florale Basis mit kürzerer Reifung und spürbar leichterer Struktur.
  • Rémy Martin XO – die nächste Stufe im selben Haus, mit deutlich höherem Grande-Champagne-Anteil und längerer Reifung.
  • Martell Cordon Bleu – ähnlich positioniert, aber Borderies-geprägt statt Fine-Champagne-exklusiv.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Fruchtigkeit3/5
Süße3/5
Eiche/Vanille4/5
Blumig/Würzig3/5

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