Talisker Distillers Edition – Skye-Rauch mit Amoroso-Sherry-Finish
Die Talisker Distillers Edition ist die süßere, rundere Variante des bekannten Insel-Malts von der Isle of Skye: Der Whisky reift zunächst klassisch und bekommt dann ein Finish in Amoroso-Sherry-Fässern, einem süßen Sherry-Typ. Das Ergebnis behält Taliskers pfeffrige, maritime Handschrift, setzt aber Salzkaramell, Nuss und dunkle Trockenfrucht darüber. Die Abfüllung trägt einen Jahrgang auf dem Etikett und erscheint mit kräftigen 45,8 % vol.
Geschichte: Von den MacAskills zu Diageo
Die Brennerei in Carbost am Loch Harport wurde 1830 von den Brüdern Hugh und Kenneth MacAskill gegründet, die dafür Land beim Clan MacLeod pachteten; der erste Brand lief 1831. Sie ist bis heute die einzige aktive Whiskybrennerei auf Skye – zu ihren besten Zeiten gab es sieben registrierte Brennereien auf der Insel. 1879 kaufte ein Unternehmen, an dem der Elgin-Weinhändler Roderick Kemp beteiligt war (später R. Kemp & Co.), die Brennerei; 1925 kam sie zur Distillers Company, aus der später United Distillers wurde. 1998 ging daraus durch die Fusion mit International Distillers & Vintners die Spirituosensparte von Diageo hervor, zu der Talisker bis heute gehört.
Einschneidend war das Jahr 1960: Ein Feuer im Brennhaus zerstörte die Anlage, die danach wieder aufgebaut wurde. Fünf Brennblasen wurden als Nachbauten der alten gefertigt, um den Hausstil zu bewahren. Zuvor, 1928, hatte man von dreifacher auf doppelte Destillation umgestellt. Literarisch bekannt wurde der Name durch Robert Louis Stevenson, der Talisker in seinem Gedicht „The Scotsman's Return From Abroad“ den „king o' drinks“ nannte. Ein Porträt des Hauses steht im Beitrag Talisker Distillery auf der Isle of Skye.
Die Talisker Distillers Edition im Speziellen
Die Distillers Edition gehört zu einer Serie von Diageo, bei der ein Single Malt nach der Standardreifung in einem eigens gewählten Fass doppelt gereift wird. Bei Talisker ist das das Amoroso-Fass. Amoroso bezeichnet einen süßen Sherry-Typ; je nach Quelle wird er als Verschnitt aus Oloroso und Pedro Ximénez beschrieben. Auf dem Etikett steht ein Destillationsjahr, etwa 2008 mit Abfüllung 2018; eine Altersangabe trägt die Flasche nicht. Bei bekannten Jahrgängen liegen zwischen Destillation und Abfüllung etwa zehn bis zwölf Jahre. Welcher Jahrgang aktuell im Handel steht, wechselt – die Aromatik bleibt davon im Kern unberührt, einzelne Jahrgänge unterscheiden sich in Nuancen.
Im Sortiment sitzt sie oberhalb der Standardabfüllung: Wer vom Talisker 10 Jahre kommt, bekommt hier bei gleicher Stärke von 45,8 % vol. mehr Süße und dunklere Früchte. Auf der Seite von Rauch und Pfeffer ist der Talisker Storm die Gegenrichtung. Zur Kühlfiltrierung konnten wir keine verlässliche Auskunft des Herstellers finden. Preislich liegt die Abfüllung in der gehobenen Mittelklasse.
Herstellung: Worm Tubs und Rückfluss
Die Basis ist der Brand aus Taliskers ungewöhnlicher Brennerei: zwei Wash Stills und drei Spirit Stills, alle mit Worm Tubs, also Kühlschlangen in Wasserbottichen statt moderner Röhrenkondensatoren. Man nimmt an, dass diese Bauweise einen vollmundigeren, schwereren Brand liefert. Über die Schwanenhals-Lyne-Arme läuft ein Teil der Dämpfe zurück in die Blase und wird erneut destilliert. Das Wasser kommt aus Quellen oberhalb der Brennerei am Hügel Cnoc nan Speireag und fließt über Torf; das Malz wird mit etwa 18 bis 22 ppm Phenolgehalt getrocknet, ein mittlerer Torfgrad. Das Amoroso-Finish setzt auf diesem Fundament an: Es verstärkt Süße und Würze, ohne den Pfeffer zu verdecken.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Warmes Goldbernstein.
- Nase: Meeresbrise und Salzlake, dazu rote Beeren, Rosinen, Orangenschale, Karamell, Nougat; im Hintergrund milder Torfrauch, Menthol und Heide.
- Gaumen: Mittelschwer bis ölig, Salzkaramell und geröstete Nüsse, Kakao und Vanille; darüber schwarzer Pfeffer, würzige Eiche und sanfter Rauch.
- Abgang: Mittellang bis lang, pfeffrig und rauchig, am Ende süße Vanille und eine Spur salziger Lakritz.
Genuss-Empfehlung
Pur im Glencairn-Glas bei Zimmertemperatur, eventuell mit einem Tropfen stillem Wasser: So kommt das Zusammenspiel aus Salz, Karamell und Pfeffer am besten heraus. Zu kalt serviert, tritt die Sherry-Süße zurück und der Rauch wirkt kantiger. Dazu passen dunkle Schokolade mit Meersalz, gereifter Gouda, gegrillte Jakobsmuscheln mit etwas Speck oder ein geräucherter Lachs – die Salz- und Rauchnoten im Essen greifen die Brise im Glas auf, während die Süße des Sherry-Finishes als Gegenpol dient. Als Digestif nach einem Essen mit Wild oder einem kräftigen Eintopf ist sie ebenfalls eine gute Wahl.
Fazit
Die Talisker Distillers Edition richtet sich an alle, die den Talisker 10 Jahre mögen und eine süßere, rundere Variante suchen. Gegenüber dem Zehnjährigen fehlt ein wenig die klare Frische, dafür gewinnt sie an Fülle; einzelne Rezensenten finden den Rauch etwas blasser und das Zusammenspiel von Sherry und Pfeffer nicht immer ganz stimmig – die meisten Bewertungen liegen jedoch im guten bis sehr guten Bereich. Wer noch mehr Tiefe und Reife sucht, sollte zum Talisker 18 Jahre greifen; wer Rauch und Salz stärker betonen will, zum Talisker Storm. Als Sherry-Interpretation eines Island-Malts ist die Distillers Edition ein überzeugender, vergleichsweise gut zugänglicher Dram.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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