Scotch Whisky

Talisker Port Ruighe

3,5/5 Redaktionsbewertung
45.8 % vol.MittelklasseRefill-Fässer aus amerikanischer und europäischer Eiche, Finish in Ruby-Port-FässernCarbost, Isle of Skye, Schottland
Scotch WhiskySingle MaltWhisky
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Talisker Port Ruighe – Inselrauch mit Portwein-Süße

Der Talisker Port Ruighe (gesprochen „Port Ree“) ist ein Single Malt ohne Altersangabe von der Isle of Skye, der nach der Reifung in Refill-Fässern ein Finish in Ruby-Port-Fässern erhält. Mit 45,8 % vol. entspricht er der Stärke der Kernabfüllungen. Das Besondere ist die Verbindung aus dem salzig-rauchigen Talisker-Destillat und einer deutlich süßeren, dunkelfruchtigen Seite, wie sie bei den anderen Standardabfüllungen des Hauses nicht vorkommt.

Geschichte: Brände, Wiederaufbau und ein neuer Besitzer

Der Name ist gälisch für Portree, den Hafenort im Osten der Insel; „Port“ steht für Hafen, „Ruighe“ ist ein alter Ortsname für die Gegend. Mit der Brennerei hat das nur indirekt zu tun: Sie liegt im Westen am Loch Harport. Wie der Name zustande kam, erklärt die Marke nicht ausdrücklich. Die Whiskygeschichte von Carbost dagegen ist gut dokumentiert. Die Brüder Hugh und Kenneth MacAskill bauten die Anlage ab 1830; sie öffnete 1831, und Hugh benannte sie nach seinem Gut Talisker, nicht nach dem Dorf. 1879 kaufte die Firma, die später als R. Kemp & Co. firmierte, den Betrieb, zwischen 1880 und 1887 wurde die Brennerei neu aufgebaut. 1895 wurde sie eine Kapitalgesellschaft unter Thomas Mackenzie, 1925 übernahm die Distillers Company.

Wirklich bewegt wurde die Geschichte von Feuer: 1948 vernichtete ein Brand im Lager Getreide und über 100 leere Fässer, 1960 zerstörte ein Feuer im Brennhaus die Anlage. Beim Wiederaufbau ließ man die fünf Brennblasen originalgetreu nachbauen, damit sich der Charakter nicht änderte. Bereits 1928 war die Dreifachdestillation zugunsten der heute üblichen Zweifachbrennung aufgegeben worden. Heute gehört Talisker zu Diageo; als einzige der historischen Brennereien der Insel ist sie noch in Betrieb. Der 18-Jährige wurde 2007 bei den World Whiskies Awards zum besten Single Malt der Welt gekürt. Einen Überblick gibt das Porträt Talisker Distillery auf der Isle of Skye.

Der Talisker Port Ruighe im Speziellen

Der Port Ruighe kam im Frühjahr 2013 auf den Markt, kurz nach dem Talisker Storm. Der Malt reift nach Angaben des Herstellers in Refill-Fässern aus amerikanischer und europäischer Eiche und wird anschließend in Fässern nachgereift, die zuvor Portwein enthielten. Wie lange das Finish dauert, wird nicht kommuniziert, eine Altersangabe fehlt ebenfalls. Zur Kühlfiltrierung haben wir keine verlässliche Angabe gefunden. Preislich liegt er in der Mittelklasse und bewegt sich auf einem ähnlichen Niveau wie der Talisker Distillers Edition, dessen Finish allerdings in Sherryfässern erfolgt.

Herstellung: Worm Tubs und Rückfluss-Rohre

Im Brennhaus stehen zwei Wash Stills (je 10.000 Liter) und drei Spirit Stills (je rund 7.500 Liter). Alle sind an Worm Tubs angeschlossen, also an Kühlschlangen im Wasserbad statt an modernen Röhrenkondensatoren. Man geht davon aus, dass das den Destillaten mehr Körper und Würze verleiht. Die Schwanenhals-Rohre der Stills führen einen Teil des kondensierten Alkohols zur erneuten Destillation zurück. Das Malz stammt aus Muir of Ord und ist auf etwa 18 bis 22 ppm Phenole getorft, das Brauwasser aus Quellen am Cnoc nan Speireag. Der Gedanke des Port-Finishs: Der Portwein bringt süße rote und dunkle Früchte in einen Malt, der sonst eher Salz, Pfeffer und Rauch betont. Port selbst wird nicht in Schottland produziert; die Fässer müssen also importiert werden.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Kupfriges Goldbernstein, leicht rötlich schimmernd.
  • Nase: Salzkaramell, Cinder Toffee und Schokolade, dazu Meeresgischt, Orangenschale, dunkle Pflaume und Trockenfrüchte; je nach Glas ein Hauch Rosenwasser. Der Rauch ist leicht, wie die Glut eines niedergebrannten Holzfeuers.
  • Gaumen: Zuerst Pfeffer und Salz, dann steigt der Rauch langsam auf, begleitet von Beerenfrucht, Rosinen, Vanillefudge und Schokoladenorange. Die Süße ist deutlich ausgeprägter als bei anderen Taliskers.
  • Abgang: Lang, rauchig und trocken, mit Pfeffer, Kakao, Mokka und einem Hauch Eiche.

Unabhängige Verkoster fanden den Port Ruighe gefällig, aber nicht außergewöhnlich: Ein Blogger vergab 85 von 100 Punkten und merkte an, der Rauch gehe teilweise in der Süße unter.

Genuss-Empfehlung

Der Port Ruighe schmeckt am besten pur im Glencairn bei Zimmertemperatur, mit einem oder zwei Tropfen stillem Wasser, die Holzkohle und Gewürze hervorholen. Auf Eis wird er süßer und weicher, verliert aber die Rauchtiefe. Als Speisenbegleiter eignen sich Blauschimmelkäse wie Stilton, Zartbitterschokolade mit Orange, Entenbrust mit Kirschsauce oder geräucherter Schinken; die Portsüße trifft hier auf Salz und Rauch. Auch ein Dessert mit Beeren oder dunkler Schokolade passt zum Kakao im Abgang.

Fazit

Der Talisker Port Ruighe ist ein süßerer, rundlicherer Talisker, der die Küstenhandschrift der Insel mit Portwein-Frucht verbindet. Wer mehr Pfeffer und Wucht erwartet, greift besser zum Talisker Storm, wer einen milderen Einstieg möchte, zum Talisker Skye; wer Rauch und Süße klassisch ausbalanciert mag, bleibt beim Talisker 10 Jahre. Der Port Ruighe ist eine solide, abwechslungsreiche Ergänzung für alle, die den Talisker-Stil kennen und mehr Süße wünschen, ohne das Salz ganz zu verlieren – ein Meisterstück ist er allerdings nicht.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße4/5
Rauch/Torf3/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche2/5

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