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Tobermory Distillery – Isle of Mull

WhiskyWhisky Brennereien
Gebäude und Eingang der Tobermory-Brennerei auf der Isle of Mull.
Gebäude und Eingang der Tobermory-Brennerei auf der Isle of Mull. Aufnahme: 2016.
Foto: DeFacto, Tobermory Distillery.jpg, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Für Gin-Time zugeschnitten beziehungsweise mit neutralem Rand in das Zielformat gesetzt, in der Größe angepasst und als WebP optimiert.

Die Tobermory Distillery liegt direkt am Hafen des gleichnamigen Ortes auf der Isle of Mull in den Inneren Hebriden und ist die einzige Whiskybrennerei der Insel. Ihr Kerncharakter ist ungewöhnlich: Unter einem Dach entstehen zwei grundverschiedene Malts, der ungetorfte, fruchtig-milde Tobermory und der stark getorfte, rauchige Ledaig. Gegründet wurde die Brennerei der Überlieferung nach 1798, ihre Geschichte ist von langen Stillständen geprägt, und seit 2023 gehört sie zu CVH Spirits, der früheren Burn Stewart Distillers.


Überblick

  • Name: Tobermory Distillery (ursprünglich Ledaig Distillery)
  • Ort: Tobermory, Isle of Mull, Argyll, Schottland
  • Gegründet: 1798 (John Sinclair)
  • Region: Islands bzw. Highlands (je nach Einteilung), Isle of Mull
  • Besitzer: CVH Spirits (früher Burn Stewart Distillers, seit 2023; zuvor Distell)
  • Typ: Single Malt Scotch Whisky, ungetorft (Tobermory) und getorft (Ledaig)

Historische Entwicklung

Jahr Ereignis
1798 John Sinclair gründet die Brennerei; sie trägt zunächst den Namen Ledaig
1837 Die Produktion kommt laut Wikipedia zum Erliegen; es folgen Verkaufsangebote und wechselnde Eigentümer
1879 Nach dem Kauf durch Dr. Neil Campbell läuft die Produktion wieder an
1930er–1972 Lange Stilllegung, die Wiederöffnung 1972 erfolgt unter dem Namen Ledaig
1975–1989 Nach einer Insolvenz geht die Brennerei 1978 an Kirkleavington Property; zwischen 1981 und 1989 steht sie erneut weitgehend still
1993 Burn Stewart Distillers übernimmt (je nach Quelle 1991 oder 1993)
2013 Distell kauft Burn Stewart und damit auch Tobermory
2017–2019 Die Brennerei wird für knapp zwei Jahre für eine Sanierung geschlossen
2023 Nach der Übernahme von Distell durch Heineken bleibt das schottische Whiskygeschäft in einer eigenen Gesellschaft, heute CVH Spirits

Die Quellen weichen bei einzelnen Stilllegungsjahren etwas voneinander ab. Wikipedia nennt Heineken als aktuellen Konzernhintergrund, nach Branchenberichten wurde der Scotch-Teil jedoch ausgegliedert.


Besonderheiten bei der Herstellung

Zwei Stile, eine Anlage

Den Unterschied machen das Malz und der Produktionsplan. Für den Tobermory wird ungetorftes Gerstenmalz verwendet, für den Ledaig stark getorftes Malz. Je nach Quelle liegt der Phenolwert des Ledaig-Malzes bei etwa 35 bis 40 ppm. Beide Destillate stammen von denselben Brennblasen und werden abwechselnd über längere Phasen hergestellt.

Anlage und Wasser

Zur Ausstattung zählen ein gusseiserner Maischbottich, vier hölzerne Gärbottiche und vier Kupferbrennblasen, je zwei Wash und zwei Spirit Stills. Auffällig sind die geschwungenen, S-förmigen Lyne Arms. Das Wasser stammt aus einem Loch oberhalb des Ortes, in der Nähe der Mishnish Lochs.

Fassreifung

Auf dem Brennereigelände gibt es nach Quellenangaben keine echte Lagerung mehr, weil die alten Warenhäuser zu Wohnungen umgebaut wurden. Ein Teil des Destillats reift daher auf Schwesterbrennereien wie Deanston. Die Standardabfüllungen werden mit 46,3 % vol. und ohne Kühlfiltration abgefüllt.


Produkte & Charakter

Produkt Alkoholvolumen Charakteristik
Tobermory 12 Jahre 46,3 % Ungetorft, mit Orange, Vanille und Gewürz; leicht zugänglich und fruchtig
Tobermory 21 Jahre 46,3 % Ältere Abfüllung der ungetorften Linie mit deutlich mehr Holzeinfluss
Ledaig 10 Jahre 46,3 % Stark getorft mit Lagerfeuerrauch, Meersalz und Zitrus; Einstieg in die Rauchlinie
Ledaig 18 Jahre 46,3 % Gereifte, getorfte Variante mit dichterer, öligerer Struktur

Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Tobermory 12 Jahre und Ledaig 10 Jahre.


Stil & Wiedererkennungswert

Wer Tobermory und Ledaig nebeneinander probiert, erlebt, wie stark Malz und Rauch einen Whisky prägen, obwohl Brennblasen und Standort identisch sind. Der Tobermory ist mild, süß und fruchtig und eignet sich für alle, die mit Insel-Whisky nicht zwingend Torf verbinden. Der Ledaig stellt Rauch, Meer und Teer in den Vordergrund und bewegt sich damit in der Nähe der Islay-Malts, ohne deren medizinische Seite zu übernehmen.

Eine weitere Besonderheit ist die Geschichte der Brennerei. Der Name Ledaig stammt aus der Frühzeit, war später die Bezeichnung der Brennerei selbst und lebt heute als Marke des getorften Malts weiter. Dass die Anlage über Jahrzehnte immer wieder stillstand, merkt man dem heutigen Sortiment nicht an: Es tritt mit einheitlicher Abfüllstärke und einer klaren Trennung der beiden Linien auf.


Fazit

Tobermory ist eine gute Adresse für alle, die einen Inselmalt kennenlernen wollen, ohne sich auf eine Stilrichtung festzulegen. Der Tobermory 12 ist die ruhige, fruchtige Einstiegsabfüllung, der Ledaig 10 der direkte Weg zu rauchigem Whisky mit Meeresnote. Beide haben die gleiche Abfüllstärke und lassen sich gut gegeneinander verkosten. Wer klassischen, medizinischen Islay-Torf sucht, findet hier eher eine weichere und süßere Variante.